Oups, they did it again…

Auf den Nachdenkseiten befindet sich seit den 22.02.21 abermals ein höchst unerfreulicher Artikel ober die Union von Myanmar aus der Feder einer Person namens Jinthana Sunthorn des Titels „Die Wut in Myanmar wächst„, wobei der Titel das einzige mal ist, wobei er den Landesnamen benutzt, ansonsten verwendet er stur die Bezeichnung der britischen Kolonie „Burma“, welcher nach den ureigensten Kriterien der Nachdenkseiten ein übler Hetzartikel ist!

Außer ein paar Artikel auf den Nachdenkseiten, die den Sturz des thailändischen Königshauses bewerben und einigen Artikeln, die der Protestbewegung der Studenten aus wohlhabenden Kreisen in Honkong zujubeln, finde ich unter dem Namen nichts, lediglich noch eine Schauspielerin thailändischer Herkunft, die wohl in Italien residiert:

Nun ist zwar die mondäne Tochter von General Min Aung Hlaing im Filmgeschäft tätig, mit schauspielerischer Erfahrung und als Produzentin mit eigner Filmgesellschaft, die in Asien, vor allem in China, sehr erfolgreiche Filme produziert –

– ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass es sich um die Rache einer Schauspielerin für eine Absage auf eine Bewerbung in einem Blockbuster handelt. Kurz: der Artikel stammt wohl eher nicht von dieser Schauspielerin.

Ich weiß also nicht, wer der Herr oder die Dame ist, der Name deutet eine Herkunft aus Thailand an.

Meine Anmerkung folgt exakt in einem Geist, wie Albrecht Müller es seinen Lesern in dem Buch „Glaube wenig, hinterfrage alles, denke selbst“ anempfiehlt.

Der Herkunftstrick

Ich hatte mit einem Menschen vor Jahren ein Streitgespräch zum Abschuss des Passagierflugs MH 17 über dem Donbass. Ich erklärte ihm, warum meines Erachtens Russland nicht in Frage kommt. Als ich ihm das nächste mal begegnete, meinte er mich mit dem ultimativen Argument schlagen zu können: „Also die Anna sagt, der Putin wars. Und die Anna ist Russin!“

Was soll ich darauf antworten? „Nein, die Merkel wars, das sagt der Johannes. Und der Johannes ist Deutscher!“

Die Herkunft sagt gar nichts aus. Auf die Interessen und Standpunkte kommt es an, die in Russland wie in Deutschland vielgestaltig sind, so auch in Thailand, Hongkong und Myanmar.

Worte sind Verräter

Schon die ausdrückliche und geradezu penetrante Verwendung des Wortes „Burma“ sagt viel aus.

Die Person, von der ich nicht weiß, ob männlich, weiblich oder divers, schreibt:

In Burma ist, wie in anderen Ländern auch, eine neue, aufgeklärte Jugend herangewachsen. Die Burmesen sind längst nicht mehr das Bauernvolk von früher. Die Jugend hat studiert und ist mit den sozialen Medien und dem Internet vertraut und aufgewachsen.

Das ist ein Standpunkt, wie er auch von der NLD vertreten wird.

Westlich orientierte, urbane Akademiker versus blöde Bauern.

Ich beschreibe Ihnen kurz einen Mann, den es wirklich gibt, ich hatte die Ehre, ihn kennenzulernen. Er kennt die Gesänge der Mahabharata auswendig, kann sie interpretieren und auf die Gegenwart anwenden, er kann die Reden Buddhas damit in Zusammenhang setzen und natürlich auch situationsbezogen zitieren.

Er hat keinen Universitätsabschluss und im Internet surfen wird auch nicht zu seinen Stärken gehören.

Das ist ein, nach obigem Zitat, dummer Bauer.

Auf mich wirkt das fast mitleiderregend, die Verachtung der eigenen Herkunft und die Vergötterung des Westens.

Tatsächlich ist die Digitalisierung in Asien weit fortgeschritten, zumindest in der Hauptstadt in Myanmar sehr viel weiter als in Deutschland. Und auch, wenn die Technologie ihren Ursprung im Westen hat, so ist das immer noch deren eigene Leistung. Digitale Technologie kann auf allen Traditionen aufsetzen, genauso wie Kleider oder Schuhe herstellen.

Der Text enthält zahlreiche Formulierungen, bei denen man alleine am Wortgebrauch bemerken kann, wenn man schon etwas Vorbildung über die Region hat, dass es ein Propagandatext im Sinne der NLD ist. Dem widerspricht nicht, dass er sich stellenweise von der 1945 geborenen Aung San Suu Kyi distanziert, für die aufgrund ihres Alters ohnehin eine Nachfolge geregelt werden muss.

Die NLD, ihre Mitglieder, Anhänger und Sympathisanten, haben, wie alle anderen auch, jedes Recht, ihre Standpunkte zu erklären, ihre Propaganda zu machen, ihr Gegner zu beschimpfen und, das hat man ja jetzt so in der Politik, zu diffamieren usw.

Aber wenn die Nachdenkseiten einen solche Text abdrucken, sollten sie ihn kennzeichnen als Stellungnahme im Sinne einer involvierten Partei!

Der Text folgt nicht dem Interesse der Information, er folgt dem Interesse der Agitation!

Das wird auch am Schluss gar nicht mehr versteckt.

Der Erfolg des Sturzes des Militärs wird davon abhängen, die Arbeiterklasse einzubeziehen, sowohl innerhalb des Landes als auch die Millionen von Migranten, die im benachbarten Thailand arbeiten. Und nicht zuletzt auch davon, ob es gelingt, die ethnischen Minderheiten in Burma in den Kampf mit einzubeziehen und sie davon zu überzeugen, dass in einem neuen burmesischen Staat, der nach dem Sturz der Militärs neu aufgebaut werden muss, auch ihre Rechte gewahrt bleiben.

Das ist NATO-zentristisches, linksistisches Durchschnitts-Blabla. Die NLD steht zu 100% unter der Kontrolle der Demokratischen Partei der USA. Linke Sprüche klopfen ist deren tägliches Geschäft. Man möchte Arbeiterklasse, Migranten und ethische Minderheiten mit einbeziehen. Ganz was neues.

Ich nehme an, die Person, die den Text verfasst hat, ist ein noch recht junger Student. Staaten zerschlagen und neu aufbauen sind weltfremde Studenten-Phantasien.

Was dabei rauskommt, wenn man der Clinton-Obama-Gang auf den Leim geht, kann man sich ansehen. Auf Haiti. In Libyen. In der Ukraine. Auf Haiti sehnt man sich heute in die Zeiten von „Papa Doc“ François Duvalier zurück. Soweit muss man ein Land erst einmal zugrunde-neu-aufbauen können.

Das Klischee vom gierigen, bösen, egoistischen Kleptokraten und den darbenden Volksmassen in den Entwicklungsländern bedienen die Apologeten des Imperialismus gerne und auch diese Autoren-Person. Es wird gepflegt, um die Überlegenheit der zivilisierten weißen Rasse über die Wilden zu feiern, die es nie gab.

Das Problem der Demokratie in Entwicklungsländern ist, dass es immer nur die Demokratie der pro-westlichen Kräfte gibt, solange der Westen bestimmt, was dort demokratisch sei und was nicht.

Die Tatmadaw betrachtet sich als Elite, die über das Wohl des Landes wacht und den eigenständigen, vom westlichen Imperialismus freien Entwicklungsweg der Union von Myanmar gewährleistet.

Eliten gibt es immer. Selbst wenn man sich auf den Standpunkt der Jakobiner in Frankreich, oder ihrer Nachfolger, der Bolschewiki in Russland, stellt. Die traten an mit dem Ziel, Eliten auszumerzen und die Gesellschaft dahingehend umzugestalten, dass es keine Eliten mehr gibt. Was aus ihnen selber hochgefährliche Eliten gemacht hat!

Eliten gibt es immer. Welchen Nutzen und welchen Nachteil sie bringen, das ist die Fragestellung, auf die es ankommt.

So, damit belasse ich es. Ich wollte nur anregen, den Artikel auf den Nachdenkseiten kritisch zu lesen, allgemein ist ja mein Standpunkt zu Myanmar bekannt. Aktuelle Neuigkeiten, die auf wichtige Entwicklungen hindeuten, zu berichten wüsste ich im Augenblick nicht. Für Januar/Februar 2022 sind Neuwahlen angekündigt.

   Send article as PDF   

Update 5 Myanmar

Teutonistans Außenpolitikaster maulen

Norbert Röttgen hatte ja eine steile Parteikarriere, bis er den Posten des Umweltministers mit Angela Merkels Fußabdruck auf seinem Gesäß verlassen musste.

Ein Fußabdruck, den er nicht mehr abwaschen konnte. Ämter, in die man gewählt werden muss, schafft er nicht. Aber er bekleidet Posten, auf die man anders gelangt.

Als Chef des European Council of Foreign Relations ist er Vorsitzender der Befehlsempfänger-Organisation des alteingesessenen, auf den „Diamantenkaiser“ Cecil Rhodes (1853-1902) zurückführbaren Council of Foreign Relations. Politisch bekleidet er den Posten des „Chairman of the Foreign Affairs Committee of the Bundestag“.

Das kann eigentlich nur an der Dienstbeflissenheit des Befehlsempfangens liegen, denn er hat schon oft bewiesen, geographisch eine 0 zu sein. Darüber hinaus hat er die Haltung, die Welt müsse sich vollständig den USA und der BRD anpassen, als untergeordnete Einheiten, versteht sich, alles andere wäre böse und unterentwickelt.

Und so twittert Norbert fröhlich vor sich hin:

Dabei geht es um einen Zwischenfall in Mandalay, bei dem es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der NLD und der Polizei gekommen war. In dieser Auseinandersetzung kamen 2 Demonstranten zu Tode.

Zwei sind zwar mehr als einer, aber die Verwendung des Wortes „mehrere“ meint im klassischen Sprachgebrauch mehr als 3. In jeder Sprache ist das so gehandhabt, 1, 2, 3 erwähnt man explizit, was darüber geht, kann man zusammenfassen zu einem passenden unbestimmten Zahlwort, in diesem Falle „mehrere“.

Ob die Demonstranten friedlich waren, oder ob es zu Ausschreitungen kam, wir wissen es nicht.

Ich habe Röttgen sich nicht darüber beschweren gehört, dass am 06.Januar im Capitol zu Washington Ashli Babbitt hinterrücks von einem Polizisten erschossen wurde. Und bei Ashli Babbitt konnte jeder Mensch mit Internet sehen, dass diese Frau absolut gar nichts gemacht hatte, eine friedliche Demonstrantin war. Das war wirklich grauenhaft. Überall auf der Welt konnte man es live sehen. Ich konnte es live sehen. Du siehst, wie diese Frau zusammenbricht und du realisierst im ersten Moment gar nicht, dass du soeben einen Snuff gesehen hast! Und sobald du es realisiert hast, bekommst du es nicht mehr aus dem Kopf. Die ganze Welt sieht im Live-Stream einen Mord an einer Frau durch einen Polizisten – der keinerlei Konsequenz nach sich zieht, die „defund the police“-Linkslinge haben das Verfahren eingestellt!

Einen Menschen, der das einfach so stehen lässt, aber sich beschwert über etwas, das er in der Presse bestenfalls gelesen hat, ohne auch nur wissen zu können, was überhaupt los war, kann ich nicht ernst nehmen.

Was genau in Mandalay vorgefallen war, weiß ich natürlich auch nicht. Ich habe im Moment auch keine besseren Quellen als die internationale Presse.

Niemand, der nicht vor Ort war, weiß, was in Mandalay an diesem Tage vorgefallen war. Die internationale Presse wurde von der NLD informiert.

Eine Stellungnahme der Polizei außer mündlich und in birmanischer Sprache ist nicht bekannt.

Von einem erwachsenen Mann mit Studienabschluss, wie Röttgen, sollte man erwarten können, dass er weiß: eine involvierte Partei, und das ist die NLD, ist keine objektive Quelle.

Als Obermotz des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages sollten Umgang mit Geographiekenntnissen und wie Argumentationen aufzubauen seien, wenigstens den Kenntnissen eines Fünftklässlers standhalten können.

Wenn er sich als Außenpolitiker dazu äußern will, wäre er verpflichtet, sich unabhängig zu informieren, beide Seiten anzuhören und sich überhaupt erst einmal in das historisch-kulturelle Umfeld einzuarbeiten.

Polizei und Militär sind in Myanmar zwei streng voneinander getrennte Organisationen. Die Polizei gehört zum „3. Stand“ (meine Sprache, so heißt das natürlich nicht, aber es beschreibt es, wie schon gesagt, in Anlehnung an das vorrevolutionäre Frankreich am besten), während die Tatmadaw einen eigenen Stand bildet.

Er sollte in der Lage sein, ehe er twittert, sich die Information zu beschaffen, die Gegenstand seines tweets werden soll.

Dieser tweet formuliert eine Forderung an die Volksrepublik China.

Ein netter chinesischer Außenpolitiker, der das liest, wird denken: „Immerhin kennt er den Landesnahmen. Damit weiß er mehr, als der amtierende amerikanische Präsident. Deutsche Schulbildung ist eben besser als amerikanische. Aber der chinesischen kann sie auch das Wasser nicht reichen.“ Ein weniger netter denkt: „Ihr Ahnen, was für ein Idiot! Aus was heraus maast der sich an, uns von der Seite schief anzumachen!“

Das mit dem „maast“ soll witzig sein. Frustriert witzig. Denn Röttgen ist in Sachen außenpolitischer Kompetenz der Zwillingsbruder von Heiko Maas. Beide haben von kulturellen Inhalten und staatlicher Konzeption anderer Länder in der Regel keinen Schimmer. Sie reihen irgendwelche Sätze aneinander, die die üblichen Schlagworte, Demokratie, Freiheit usw, beinhalten. Sie predigen über die Bösartigkeit von Rassismus, sind aber geistig unfähig, zu erkennen, dass es rassistisch ist, ganzen Nationen Befehle erteilen zu wollen, wie diese ihre inneren Angelegenheiten zu regeln hätten. Drittklassige Politkarrieristen wie Maas und Röttgen meinen allen Ernstes, sie stünden über den obersten Eliten der Nationen außerhalb der EU und der NATO, in deren eigenen Ländern. Das ist ein Krankheitsbild, das Kognitive Dissonanz genannt wird.

Wie ist es möglich, dass solche Leute die Außenpolitik Deutschlands anführen?

Zur geopolitischen Einordnung

Die Kundgebungen der NLD nehmen an Zulauf ab.

Es werden jetzt wieder birmanische Schriftzeichen verwendet. Wahrscheinlich haben die Instruktoren der NLD darauf hingewiesen, dass es im Ausland auch nicht überzeugend ankommt, wenn alles immer auf Englisch ist.

Die einen, das werden in Deutschland und in den USA die meisten sein, sympathisieren mit den Weggeputschten. Wenige mit den Putschisten.

Jede*r kann sein*e/ihre Sympathien verteilen, wie er/sie/es will. Ich erinnere mich, als ich das erste mal in Myanmar war, mit einer damaligen Freundin, Anfang der 90ger Jahre, sympathisierte sie mit den Anhängern Aung San Suu Kyis, während ich mit der Tatmadaw sympathisierte. Man sympathisiert mit denen, deren Vorstellungen den eigenen näher sind.

Meine Freundin beispielsweise störte es, dass überall im Land Billboards aufgestellt waren, auf denen in birmanischer und englischer Sprache buddhistische Lehrsätze geschrieben standen. Sie fand das bevormundend. Ich fand das jedenfalls besser, als wenn alles vollgeklatscht ist mit Werbung irgendwelcher Konzerne.

Heute stehen diese Billboards nicht mehr, oder kaum mehr, aber Werbung von Konzernen findet sich auch in Myanmar überall. Nicht so flächendeckend wie hier, aber doch.

In der Regel finde ich einen Putsch als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele falsch. Ein Putsch zieht zwangsläufig erhöhte Spannungen und gewaltsame Situationen nach sich.

Aber es gibt auch Momente, in denen ein Putsch das einzige zur Verfügung stehende Mittel ist.

T.E. Lawrence with Auda abu Tayi

Der „Putsch der Offiziere“ 1969 in Libyen, mit denen der König Idris entmachtet wurde, fällt mir da ein. Idris war ein Mann, der Sklavenhändler bezahlte, ihm Lustknaben zu verschaffen, von denn er sich einen ganzen Harem hielt. Die Sklavenhändler waren ein in Benghazi ansässiger Stamm, der seit Jahrhunderten vom Sklavenhandel und dem Ausrauben von Karawanen lebte. Ich weiß welcher Stamm, nenne seinen Namen hier aber nicht. (Kleiner Tip: er spielt eine Rolle in „Lawrence of Arabia“, bzw. T.E. Lawrence‘ Bericht „Die sieben Säulen der Weisheit“) Er betrachtete die gesamten Öleinnahmen für sein persönliches Eigentum. Libyen stand auf dem Human Development Index der UN an drittletzter Stelle. Einen gesetzlichen Weg, Idris zu entmachten, gab es nicht. Eine Volksbewegung auch nicht. Aber etwas musste passieren.

Da wir uns ja hier in Deutschland und in deutscher Sprache bewegen, macht es Sinn auf den gescheiterten Putsch gegen Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 hinzuweisen.

In der Tat ist der Putsch vom 01.Februar eine antiimperialistische Aktion.

Es wird ja jetzt immer gerne auf diese sogenannte Safran-Revolution von 2007 hingewiesen. Ich will gar nicht ausformulieren, was ich denke, wenn ich ein Wort wie „Safran-Revolution“ lese. Holunderbeeren-Revolution, Tomatenblüten-Revolution, Petersilie-Wurzel-Revolution, Aprikosenkern-Revolution, aus der Klobürsten-Revolution, die gegen Wladimir Putin vorgesehen war, ist nichts geworden.

Gerade in einem so komplexen und umkämpften Land wie Myanmar, gibt es zahlreiche Unzufriedenheiten und Möglichkeiten, sie auszunutzen, um den Staat zu destabilisieren.

Im Falle Myanmar kommt hinzu, dass die Ausbeutung der Kolonie Burma für die britische Ökonomie besonders wichtig war, als auch die strategische Lage. Das UK wird den Verlust der Kolonie Burma nie schlucken wollen.

Ein Land aus der Kolonialisierung zu führen, seine nationale kulturelle Identität wiederherzustellen und es auf der Basis der eigenen Kraft zu modernisieren, ist ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess.

Einreißen geht schnell, der Aufbau ist eine ganz andere Sache. Konnte man auch gerade an Libyen studieren. 40 Jahre Aufbau haben es zum wohlhabendsten Land Afrikas gemacht, heute, nach dem NATO-Krieg 2011, ist es nur noch wenig besser als zur Zeit des Königs Idris. Sogar der Sklavenhandel ist zurück.

Eine zusätzliche Schwierigkeit tritt auf, wenn es sich um einen Vielvölkerstaat handelt. Das liegt vor allem an Herrschaftsansprüchen, die die Eliten der einzelnen Völker stellen.

Dann haben wir in Myanmar noch das Problem der Religionen. Menschen sind dort oft tatsächlich gläubig. Sie sind nicht wie hier der Meinung „Mei, irgendwie wird es schon ein höheres Wesen geben das… ach keine Ahnung, und wenn nicht, ist mir auch egal“, sondern die Lehren der Religion beschreiben das Weltbild, nach dem sie ihre Leben ausrichten. Sie bestimmen ihr Wertesystem.

Das macht übrigens die Probleme zwischen Buddhisten und Moslems aus. Moslems glauben an eine von Allah geschaffene Welt, sie haben ein Leben, hinterher entscheidet Allah, ob sie in das Himmelreich eingehen oder in ewigen Feuern brennen.

Im Buddhismus ist alles Bewegung und folgt dem ewigen Rad des Lebens.

Es sind 2 Lehren, von denen nur eine wahr sein kann, oder keine.

Diese sogenannte Safran-Revolution war eine besondere Perfidie der regime-changer. Bei ihr wurde versucht, die Religion zur Durchführung einer color-revolution zu missbrauchen.

In der westlichen Presse wurde das verkauft als „Buddhistische Mönche“ hätten sich gegen die „Junta“ erhoben und viel Volk habe sich angeschlossen. Das kann man westlichem Publikum so verkaufen, das keine Ahnung von Buddhismus hat.

Im Buddhismus ist jeder angehalten, Zeiten des mönchischen Lebens zu durchlaufen. Das bedeutet, du unterbrichst dein normales Leben, lebst eine Zeit lang als Mönche und hinterher nimmst du dein normales Leben wieder auf. In der Mönchszeit sollst du dein bisheriges Leben reflektieren, daraus nach den Lehren des Siddhartha Gautama lernen und so geläutert und bereichert deinen Lebensweg fortsetzen. Wie lange du das machst und wie intensiv, das bleibt dir überlassen. Es ist dein Leben.

Jetzt eröffnet das auch die Möglichkeit, Personen in Mönchsklamotten zu stecken, die ganz andere Interesse verfolgen. Umsturzversuche im Dienste des UK und/oder der USA beispielsweise.

Aufstände kann man überall provozieren. Seht euch die USA an. Das reichste und mächtigste Land der Erde. Selbst dort schlagen die sich gegenseitig die Schädel ein.

Ist die Situation erreicht, dass es zum Aufstand kommt, wird es zur reinen Machtfrage. Fortschritte in einem Sinne, Benachteiligungen von Minderheiten zu reduzieren oder andere Missstände, die es in jedem Land gibt, auszuräumen, erleiden dadurch sogar oft Rückschläge, egal welche Seite sich durchsetzt.

Ist eine politische Situation eskaliert, muss das Land gewaltsam stabilisiert werden oder es zerfällt. Und irgend welche zahlen den Preis. Oft solche, die gar nichts dafür können.

Das westliche Imperium hat aus der Safran-Revolution gelernt. Es ist ihm gelungen, in Gestalt der Führung der Partei NLD die Regierung in die Hand zu bekommen.

Der Putsch hatte zum Ziel, den Zugriff des westlichen Imperiums zu unterbinden.

Man kann nämlich nicht sagen: „Naja, dann schauen wir uns halt mal an, wie es läuft und wenn es nicht taugt, machen wir das via Wahlen in 4 Jahren rückgängig.“ Hat das westliche Imperium sich einmal die Herrschaft über ein Land angeeignet, zieht es sich nie wieder freiwillig zurück! Wenn sogar ein Riesenland wie Russland nun schon seit 1999 braucht, um sich einigermaßen auf die Hinterbeine zu bekommen.

Jeder hat natürlich sein volles Recht, zu sagen: Die NLD hat die Wahl gewonnen, der NLD steht die Regierungsgewalt zu. Aber ich sehe nicht, dass die NLD starke Unterstützung im Lande hat.

Persönlich glaube ich, Myanmar muss nur noch wenige Jahre, höchstens 5, durchhalten, um den Anschluss an die 1.Welt aus der eigenen Kraft zu erreichen. Übernimmt der Westen die Dominanz, wird er das verhindern. Er wird so Modernisierung fördern, dass es den Bedürfnissen des Westens dient und dafür sorgen, dass das Land immerwährend im Zustand einen Entwicklungslandes bleibt. Er wird verhindern, dass die Union von Myanmar ihr eigenes Potenzial entfaltet, alleine schon, um mögliche Konkurrenz im Keim zu ersticken.

Hier ordne ich den Putsch der Tatmadaw ein. Den Aufbau aus der eigenen Kraft sicherstellen.

I speak today as President of the United States at the very start of my administration, and I’m sending a clear message to the world: America is back.  The transatlantic alliance is back. 

– rief am 19.02.2021 Joseph Robinette Biden Jr. in die Münchner Sicherheitskonferenz.

Das ist kein „hi there“ eines alten Freundes. Das ist eine Drohung. Ein „und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ Macht euch bereit. The Empire Strikes Back!

   Send article as PDF   

Update 4 Myanmar

Same procedure as every day:

Die üblichen Verdächtigen. Die üblichen 2000. Diesmal nicht vor einem Einkaufszentrum. In offiziellen Presseorganen, wie al Jazeera, ist die Rede von tenth of thousands. Noch nicht einmal das australische Fernsehen kann größere Kundgebungen zeigen. Und die sind im Land und suchen fleißig!

Liest man Schilder und Transparente, dann ist eigentlich klar, dass das keine normalen Leute sind, die ihr tägliches Leben betreffende Forderungen stellen, sondern eine politische Partei, die vollständig im Dienste des US-EU-Imperiums tätig ist.

Die sind sich noch nicht einmal zu blöd, mit dem Konterfei von Joseph Robinette Biden Jr. herumzulaufen.

Sie rufen die USA zum Einmarsch in das Land auf.

Damit ist es offensichtlich, dass diese Partei nicht im Interesse Myanmars tätig ist, sondern ein U-Boot der Globalisten.

in den ersten Tagen nach dem Putsch waren auch noch vereinzelt Transparente in birmanischer Schrift zusehen. Mittlerweile ist fast alles in englisch. Offiziellen Schatzungen zufolge sprechen 5% der Menschen in Myanmar Englisch als Zweitsprache. Die Partei konnte im eigenen Volk keine Unterstützer werben. Das ist ein den Vorwurf des Wahlbetrugs untermauerndes Indiz.

Die globalistischen Unterstützer der Proteste unterstreichen es als besonders eindrucksvoll, dass „student-unions, teachers, medical workers“ sich an den Protesten beteiligen. Eine große Partei wie die NLD hat selbstverständlich überall ihre Basisgruppen. Natürlich mit vielen Studenten. Akademiker sind die einzigen, die vom Globalismus profitieren.

Ich denke, ich kann mit weitgehender Sicherheit sagen, dass diese Partei niemals die Regierung stellen wird! Die NLD ist erledigt. Eine Partei, die den Feind zum militärischen Einmarsch in das eigene Land aufruft, hat nicht das Interesse der Bürger des Landes im Sinn. Und ganz sicher werden ihre Protagonisten von den Menschen als Verräter angesehen, für die Kultur und Traditionen Myanmars einen Wert haben.

Das UN Human Rights Council hearing vom 12. Februar 2021 verlief nach bekanntem Muster. UK und USA forderten, China und Russland bestanden auf Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

In einer Mitteilung der UN heißt es:

Ebenfalls bei der Eröffnung der Sondersitzung sprach Myanmars Botschafter Myint Thu, indem er das Bekenntnis seines Landes zu demokratischen Werten unterstrich und die Intervention des Militärs als notwendig rechtfertigte. „In Anbetracht der Unregelmäßigkeiten nach den Wahlen und der darauf folgenden komplexen Situation war das Tatmadaw gezwungen, in Übereinstimmung mit der Verfassung des Staates die Verantwortung zu übernehmen“, sagte er.

Er informierte das HRC, dass am 1. Februar der Ausnahmezustand für ein Jahr ausgerufen wurde und die legislativen, exekutiven und judikativen Befugnisse des Staates vom amtierenden Präsidenten auf den Oberbefehlshaber der Verteidigungskräfte übertragen wurden. Daraufhin wurde am 2. Februar ein Staatsverwaltungsrat gebildet, der aus 16 Mitgliedern besteht, aus acht hochrangigen Militärs und acht Zivilisten, fügte er hinzu.

   Send article as PDF   

Update 3 Myanmar

Myanmar rutscht bald wieder aus der Aufmerksamkeit der Medien hinaus.

Auch wenn wir heute wieder Schlagzeilen lesen konnten wie: „Hunderttausende wieder gegen Militärputsch auf der Straße“ – alleine, die Bilder geben es nicht her.

Der russische Live-Stream aus Yangon zeigt einmal mehr die ungefähr 2000 Parteianhänger der NLD vor einer Shopping-Mall.

Die Corona-Proteste in Österreich sind größer.

Ein weiterer Unterschied zu 1990 ist, dass der Protest offiziell erlaubt ist.

Wir können 2 Dinge davon ableiten.

  1. Die Tatmadaw sieht in den Protesten keinerlei Bedrohung.
  2. Die NLD beansprucht zwar im bürgerlich-demokratischen Sinne völlig zu Recht die Regierungsbildung, aber es ist den meisten Leuten im Land egal. Niemand ist bereit, dafür ein Risiko einzugehen.

Es wird immer deutlicher, dass der Putsch eine Reaktion auf die Außenpolitik der USA war oder ist.

Aung San Suu Kyi war wie gesagt ihr Leben lang im wöchentlichen Austausch mit der Botschaft der USA und gehört zum Clinton-Klüngel.

Das sind Indizien.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Putsch nicht stattgefunden hätte, wenn Trump Präsident geblieben wäre. Die Wahlen waren im November letzten Jahres, etwa zeitgleich mit den Walen in den USA, der Putsch fand nach dem Amtsantritt Bidens statt.

Trump hätt sich nicht in die inneren Angelegenheiten Myanmars eingemischt. Der hatte seinen Vorherrschaftskampf mit Beijing. Aus der Sicht hochrangiger Militärs gibt es nichts normaleres, als dass sich zwei mächtige Imperien, hier USA und VRCh, Vorherrschaftskämpfe liefern. Das gehört zum Leben dazu. Myanmar betrifft das nur peripher. Zwar ist Wachsamkeit immer geboten, aber kein Grund zu handeln.

Anderes gestaltet es sich, wenn die Democrats an der Macht sind. Die glauben immer, sie müssten die gesamte Welt nach ihren Vorstellungen formen oder sie in Chaos stürzen. Nawalny, der in Bidens außenpolitischer Grundsatzrede Raum eingenommen hatte, kann kaum als Figur gedeutet werden, die den Democrats gefällt. Ungleich Donald Trump, ist Nawalny wirklich ein white supremacist! Er soll Chaos erzeugen.

Etwas gab der Tatmadaw Anlass für Artikel 147 der Verfassung, der eine Machtübernahme durch das Militär im Falle einer bestätigten Bedrohung der Souveränität und der nationalen Solidarität, sowie Bestrebungen hinsichtlich einer „Zersetzung der Union“, vorsieht, das zur Zeit der Trump-Administration noch nicht akut war.


Update: Muss ich’s „erklärend kommentieren“?

Eher nicht, oder!

   Send article as PDF   

Update 02 Myanmar

In einem Artikel, den ich heute noch gefunden habe, weist Moon of Alabama auf twitter-accounts hin, die Aktionen „abbildern“, die zweifelsfrei an westliches Publikum gerichtet sind, was man daran erkennen kann, dass es einfach die aktuellen Lieblings-Themen der USA sind, die sie ansprechen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang daran, dass Joe Biden in seiner Antrittsrede explizit darauf hinwies, die USA würden sich in seiner Regierungszeit besonders um die Anliegen der LGBTQ-community weltweit kümmern.

Da ist es doch praktisch, wenn 2 Wochen später just diese in den Protesten gegen den Militärputsch in Myanmar eine Rolle zu spielen beginnen:

Bilder von Mädchen, die eine Aktionsform aus Honkong übernehmen, „sleeping girls“, werden ebenfalls verbreitet:

Moon of Alabama stellt die Frage, wie es möglich sei, dass so kurz nach dem Putsch bereits die klassischen Farbrevolutions-Motive eine Rolle zu spielen beginnen.

Moo of Alabama berichtet außerdem auch von „hunderten Regierungsabgestellten“, die in Nay Pyi Taw protestiert hätten. Ich konnte nichts finden, aber hunderte sind sehr wenig, auch die Regierungsstadt hat etwa 1 Millionen Einwohner und natürlich ist die NLD stark vertreten als stärkste zivile Partei des Landes, die ja mit diesem Putsch um ihre Regierungsmacht gebracht wurde. Es ist also logisch, dass ein paar Leute aus dieser Partei demonstrieren, und „hunderte“, weniger als tausend, fallen nicht wirklich auf.

Ein chinesischer Bericht sprach von Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei in einem Vorort der Regierungsstadt, bei dem Gummigeschosse zum Einsatz kamen.

Moon of Alabama verlinkt auch einen Artikel von Pepe Escobar vom 05.02.2021, den ich mir erlaube hier auf deutsch wieder zu geben. Ich habe die künstliche Intelligenz übersetzen lassen und mit dem Original verglichen, das scheint mir weitgehend in Ordnung zu sein. Mir gefällt ja allein schon, dass Pepe Escobar sich beim Titel auf den selben Erstlings-Roman von George Orwell bezieht, den auch ich bereits erwähnt habe.

Burmese Days, revisited

Es wird faszinierend sein, zu beobachten, wie die (Un-)Vereinigten Staaten mit Myanmar nach dem Putsch als Teil ihrer 24/7 „Eindämmung Chinas“-Raserei umgehen werden.
Der (Jade-) Elefant im kunstvollen Raum, der den Militärputsch in Myanmar beherbergt, muss – was sonst – China sein. Und die Tatmadaw – die Streitkräfte Myanmars – wissen das besser als jeder andere.
Es gibt natürlich keinen rauchenden Colt, aber es ist praktisch unmöglich, dass Beijing nicht zumindest von der Tatmadaw über die neue Regelung informiert oder „konsultiert“ wurde.
China, Myanmars wichtigster Handelspartner, lässt sich in der Beziehung zu seinem südlichen Nachbarn von drei entscheidenden strategischen Imperativen leiten: Handel/Vernetzung über einen Korridor der Belt and Road Initiative (BRI), voller Zugang zu Energie und Mineralien und die Notwendigkeit, einen wichtigen Verbündeten innerhalb der 10 Mitglieder der ASEAN zu pflegen.
Der BRI-Korridor zwischen Kunming in der chinesischen Provinz Yunnan über Mandalay zum Hafen von Kyaukphyu im Golf von Bengalen ist das Juwel in der Krone der Neuen Seidenstraße, weil er Chinas strategischen Zugang zum Indischen Ozean unter Umgehung der Straße von Malakka mit gesicherten Energieströmen über eine kombinierte Öl- und Gaspipeline kombiniert. Dieser Korridor zeigt deutlich die zentrale Bedeutung von Pipelineistan in der Entwicklung der Neuen Seidenstraße.
Nichts davon wird sich ändern, wer auch immer die politisch-ökonomische Show in Myanmars Hauptstadt Naypyidaw leitet. Der chinesische Aussenminister Wang Yi und Aung San Suu Kyi, lokal als Amay Suu („Mutter Suu“) bekannt, diskutierten nur drei Wochen vor dem Putsch über den Wirtschaftskorridor China-Myanmar. Peking und Naypyidaw haben allein für das Jahr 2020 nicht weniger als 33 Wirtschaftsabkommen ausgehandelt.

Wir wollen nur „ewigen Frieden“

Etwas ganz Außergewöhnliches geschah Anfang dieser Woche in Bangkok. Ein Querschnitt der riesigen Diaspora Myanmars in Thailand – die seit den 1990er Jahren in die Höhe schiesst – traf sich vor dem Asien-Pazifik-Büro der UN.
Sie baten darum, dass die internationale Reaktion auf den Coup die unvermeidlichen, kommenden US-Sanktionen ignoriert. Ihr Argument: Sanktionen lähmen die Arbeit von Bürgerunternehmern, während sie ein Patronagesystem aufrechterhalten, das die Tatmadaw begünstigt und den Einfluss Pekings auf höchster Ebene vertieft.
Doch hier geht es nicht nur um China. Der Putsch der Tatmadaw ist eine eminent innenpolitische Angelegenheit, bei der auf dieselbe Methode der alten Schule, im Stil der CIA, zurückgegriffen wurde, die sie 1962 als harte Militärdiktatur installierte.
Die Wahlen im vergangenen November bestätigten Aung San Suu Kyi und ihre Partei, die NLD, mit 83% der Stimmen an der Macht. Die Pro-Armee-Partei, die USDP, schimpfte, beschuldigte massiven Wahlbetrug und bestand auf einer Nachzählung, die vom Parlament abgelehnt wurde.
Daraufhin berief sich die Tatmadaw auf Artikel 147 der Verfassung, der eine Machtübernahme durch das Militär im Falle einer bestätigten Bedrohung der Souveränität und der nationalen Solidarität oder im Falle einer „Zersetzung der Union“ zulässt.
Die Verfassung von 2008 wurde von – wer sonst – der Tatmadaw ausgearbeitet. Sie kontrollieren die entscheidenden Innen-, Verteidigungs- und Grenzministerien, sowie 25% der Sitze im Parlament, was ihnen ein Vetorecht bei allen Verfassungsänderungen ermöglicht.
Die Machtübernahme des Militärs umfasst die Exekutive, die Legislative und die Judikative. Ein Jahr lang ist der Ausnahmezustand in Kraft. Neuwahlen werden stattfinden, wenn die Ordnung und der „ewige Frieden“ wiederhergestellt sind.
Der Mann, der das Sagen hat, ist der Armeechef Min Aung Hlaing, der nach Jahren der Überwachung von saftigen Geschäften, die von der Myanmar Economic Holdings Ltd. (MEHL). Er beaufsichtigte auch die knallharte Antwort auf die Safran-Revolution von 2007 – die zwar legitime Beschwerden zum Ausdruck brachte, aber auch weitgehend als eine Farbrevolution nach US-Vorschrift kooptiert wurde.
Noch beunruhigender ist, dass Min Aung Hlaing auch gegen die ethnischen Gruppen der Karen und Rohingya eine Taktik der Zerstörung anwandte. Er beschrieb die Rohingya-Operation notorisch als „das unvollendete Werk des bengalischen Problems“. Muslime in Myanmar werden von Angehörigen der ethnischen Mehrheit der Bamar routinemäßig als „Bengali“ abgewertet.

Keine hochgezogenen ASEAN-Augenbrauen

Das Leben für die überwiegende Mehrheit der Myanmar-Diaspora in Thailand kann sehr hart sein. Ungefähr die Hälfte arbeitet im Baugewerbe, in der Textilindustrie und im Tourismus. Die andere Hälfte hat keine gültige Arbeitserlaubnis – und lebt in ständiger Angst.
Um die Sache zu verkomplizieren, ging die De-facto-Militärregierung in Thailand Ende letzten Jahres auf einen Schuldzuweisungs-Overdrive und beschuldigte sie, die Grenzen zu überqueren, ohne sich einer Quarantäne zu unterziehen und damit eine zweite Welle von Covid-19 zu verursachen.
Die thailändischen Gewerkschaften wiesen zu Recht auf die wahren Schuldigen hin: vom thailändischen Militär geschützte Schmugglernetzwerke, die den äußerst komplizierten Prozess der Legalisierung von Wanderarbeitern umgehen und gleichzeitig Arbeitgeber, die gegen Arbeitsgesetze verstoßen, schützen.
Parallel dazu wird ein Teil der – legalisierten – Diaspora Myanmars dazu verleitet, sich der sogenannten MilkTeaAlliance anzuschliessen – die Thais, Taiwaner und Hongkonger und neuerdings auch Laoten und Filipinos zusammenbringt – gegen, wen sonst, China und in geringerem Ausmass, die thailändische Militärregierung.
ASEAN wird keine Augenbrauen gegen die Tatmadaw heben. Die offizielle Politik der ASEAN bleibt die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten ihrer 10 Mitglieder. Bangkok – wo übrigens die Militärjunta 2014 die Macht übernommen hat – hat sich olympisch distanziert gezeigt.
Im Jahr 2021 koordiniert Myanmar zufällig nichts Geringeres als den China-ASEAN-Dialogmechanismus und hat auch den Vorsitz der Lancang-Mekong-Kooperation inne, die alle wichtigen Mekong-Angelegenheiten bespricht.
Der mächtige Fluss, der sich von der tibetischen Hochebene bis zum Südchinesischen Meer erstreckt, könnte geoökonomisch nicht strategischer sein. China wird heftig für den Bau von Dutzenden von Staudämmen kritisiert, die den direkten Wasserfluss reduzieren und die regionale Wirtschaft in ein schweres Ungleichgewicht bringen.
Myanmar koordiniert auch ein höchst sensibles geopolitisches Thema: die endlosen Verhandlungen über den Verhaltenskodex im Südchinesischen Meer, bei denen China gegen Vietnam, Malaysia, die Philippinen, Indonesien, Brunei und das Nicht-ASEAN-Land Taiwan antritt.
Die Tatmadaw scheint nicht den Schlaf über die geschäftlichen Probleme nach dem Putsch zu verlieren. Erik Prince, ehemaliger Blackwater-Chef und jetzt Chef der in Hongkong ansässigen Frontier Services Group (FSG) – die u.a. vom mächtigen chinesischen Konglomerat Citic finanziert wird – ist im Begriff, in Naypyidaw aufzutauchen, um lokale Unternehmen zu „sichern“.
Ein saftigeres Dossier betrifft das, was mit dem Drogenhandel passieren wird: die Tatmadaw bekommt wohl ein größeres Stück vom Kuchen. Kartelle im Kachin-Staat, im Norden, exportieren Opium in die chinesische Provinz Yunnan im Osten und nach Indien im Westen. Die Kartelle im Shan-Staat sind sogar noch raffinierter: Sie exportieren über Yunnan nach Laos und Vietnam im Osten und auch nach Indien im Nordwesten.
Und dann gibt es noch eine Grauzone, in der niemand so recht weiß, was vor sich geht: die Waffenautobahn zwischen China und Indien, die durch den Kachin-Staat verläuft – wo auch die ethnischen Gruppen der Lisu und Lahu leben.

Der schwindelerregende ethnische Wandteppich

Die Wahlkommission Myanmars ist eine sehr heikle Angelegenheit, um es vorsichtig auszudrücken. Sie wird von der Exekutive ernannt und musste sich viel Kritik gefallen lassen – intern, nicht international – wegen ihrer Zensur der Oppositionsparteien bei den Wahlen im November.
Das Endergebnis privilegierte die NLD, deren Unterstützung in allen Grenzregionen vernachlässigbar ist. Myanmars ethnische Mehrheitsgruppe – und die Wahlbasis der NLD – sind die Bamar, die buddhistisch sind und sich auf den zentralen Teil des Landes konzentrieren.
Die NLD kümmert sich offen gesagt nicht um die 135 ethnischen Minderheiten – die mindestens ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Es ist ein langer Weg nach unten, seit Suu Kyi an die Macht kam, als die NLD tatsächlich eine grosse Unterstützung genoss. Suu Kyis internationales hohes Ansehen ist im wesentlichen auf die Macht der Clinton-Maschine zurückzuführen.
Wenn Sie mit einem Mon oder Karen sprechen, wird er oder sie Ihnen sagen, dass sie auf die harte Tour lernen mussten, wie sehr die echte Suu Kyi eine intolerante Autokratin ist. Sie versprach, dass es Frieden in den Grenzregionen geben würde – die ewig in einem Kampf zwischen der Tatmadaw und den autonomen Bewegungen verstrickt sind. Sie konnte dieses Versprechen nicht halten, da sie keinerlei Macht über das Militär hat.
Ohne jegliche Konsultation entschied die Wahlkommission, die Wahlen in 56 Kantonen des Arakan-Staates, des Shan-Staates, des Karen-Staates, des Mon-Staates und des Kachin-Staates, allesamt ethnische Minderheiten, ganz oder teilweise zu annullieren. Nahezu 1,5 Millionen Menschen wurden von der Stimmabgabe ausgeschlossen.
In der Mehrheit des Arakan-Staates wurde zum Beispiel nicht gewählt; die Wahlkommission berief sich auf „Sicherheitsgründe“. In Wirklichkeit befindet sich die Tatmadaw in einem erbitterten Kampf gegen die Arakan-Armee, die das Selbstbestimmungsrecht will.
Unnötig zu erwähnen, dass die Rohingyas – die in Arakan leben – nicht wählen durften. Fast 600.000 von ihnen überleben immer noch knapp in Lagern und geschlossenen Dörfern in Arakan.
In den 1990er Jahren besuchte ich den Shan-Staat, der im Osten an Chinas strategische Provinz Yunnan grenzt. In zwei Jahrzehnten hat sich nicht viel geändert: Die Guerilla muss die Tatmadaw bekämpfen, weil sie deutlich sehen, wie die Armee und ihre Geschäftskumpane besessen sind, die üppigen natürlichen Ressourcen der Region zu erobern.
Ich bin in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ausgiebig in Myanmar gereist – bevor ich von der Militärjunta auf die schwarze Liste gesetzt wurde, wie praktisch jeder Journalist und Analyst, der in Südostasien arbeitet. Vor zehn Jahren gelang es dem Fotojournalisten Jason Florio, mit dem ich überall von Afghanistan bis Kambodscha unterwegs war, sich in das Gebiet der Karen-Rebellen einzuschleichen, wo er einige hervorragende Bilder schoss.
Im Kachin-Staat haben die rivalisierenden Parteien bei den Wahlen 2015 diesmal versucht, ihre Kräfte zu bündeln. Aber am Ende wurden sie arg gebeutelt: der Wahlmechanismus – nur eine Runde – begünstigte die Siegerpartei, Suu Kyis NLD.
Peking mischt sich nicht in das schwindelerregend komplexe ethnische Labyrinth Myanmars ein. Aber es bleiben Fragen über die undurchsichtige Unterstützung der Chinesen, die im Kachin-Staat im Norden Myanmars leben: es ist möglich, dass sie als Druckmittel in Verhandlungen mit der Tatmadaw benutzt werden.
Die grundlegende Tatsache ist, dass die Guerillas nicht verschwinden werden. Die beiden wichtigsten sind die Kachin Independence Army und die United Wa State Army (Shan). Aber dann gibt es noch die Arakan Liberation Army, die China National Army, die Karenni Army (Kayah), die Karen National Defense Organization und die Karen National Liberation sowie die Mon National Liberation Army.
Auf lange Sicht läuft dieser bewaffnete Wandteppich auf ein enorm (un)vereintes Myanmar hinaus, was die Behauptung der Tatmadaw untermauert, dass kein anderer Mechanismus in der Lage ist, die Einheit zu garantieren. Es schadet nicht, dass die „Einheit“ mit den zusätzlichen Vorteilen der Kontrolle wichtiger Sektoren wie Mineralien, Finanzen und Telekommunikation einhergeht.
Es wird faszinierend sein, zu beobachten, wie die (Un-)Vereinigten Imperialen Staaten mit Myanmar nach dem Putsch als Teil ihrer 24/7 „Eindämmung Chinas“-Raserei umgehen werden. Die Tatmadaw zittert nicht gerade in ihren Stiefeln.

   Send article as PDF