Im Osten nichts neues

I. Vor der Debatte

In den Tagen 04.03. bis 07.03.2021 sei es in Myanmar, so berichten die Medien übereinstimmend, zur bisher blutigsten Auseinandersetzung zwischen Polizei und den Leuten, die westliche Medien und Politiker „peaceful protesters“, friedliche Demonstranten, nennen, gekommen.

Von Toten wird berichtet, die Berichte variieren allerdings zwischen 1 Frau, die erschossen worden sei, über 5 Tote, Press.TV sprach von 18 Toten – hier ist festzuhalten, dass der Iran imperialistische Interessen in Myanmar hat, und daher nicht als zuverlässige Quelle genutzt werden kann – jemand hat bei den UN “ allegedly 32″, also vermutlich 32 Tote, gemeldet, westliche Outlets sprechen von „über 50 Toten“.

Bestätigt ist nur die 1 junge Frau.

Ein AP-Journalist wurde unter dem Vorwurf, absichtlich Falschinformationen zu verbreiten, festgenommen.

Mit dem Iran haben wir hier das genau gleiche Problem, das es bereits im Libyenkrieg 2011 gab, nämlich dass die iranische Führung mit den in den USA regierenden Democrats paktiert. Bei Muammar al Gaddafi handelte es sich um einen arabischen Führer, den der Iran auch stürzen wollte und so kam es zu einer Absprache mit der Obama-Regierung, wenn der Iran die USA hierbei unterstützt, könne man über das Atomprogramm verhandeln, der Iran würde es nicht bereuen.

Kann sein, dass wir in Bezug auf Myanmar ähnliches erleben, obwohl die Gemengelage hier komplizierter ist.

Im Gegensatz zu Großbritannien, das seine Kolonie wiederhaben will – und jetzt, nach Brexit erst recht – haben die Interessen der USA in Myanmar mit dem Land selber wenig zu tun, denen geht es darum, dass Territorium und Bodenschätze Myanmars vitaler und notwendiger, also unersetzbarer, Bestandteil der Neuen Seidenstraße sind. Somit zielen die USA auf die Eindämmung Chinas.

Dem Iran geht es mehr um die Zwistigkeiten zwischen Buddhisten und Moslems. Allerdings stellt sich die Frage, ob der Iran sich wirklich mit China anlegen wird, um eine Wiederaufnahme der Atomverhandlungen mit den USA zu bekommen. Es ist absehbar, dass der nächste republikanische Präsident, die Forderungen Israels an die USA gegen den Iran erfüllen wird. Und der kommt sicher irgendwann, spätestens in 10 Jahren, sollte die #BidenHarris-Nummer so durchgezogen werden und klappen, wie viele als Plan der Dems vermuten: 2 Jahre Biden, dann zieht man den aus Altersgründen zurück, Vize Harris übernimmt und hat hernach 2 volle Amtszeiten als „first female president“.

Nun sind 10 Jahre eine lange Zeit, in der sich vieles ändern kann.

In der Union von Myanmar findet die Auseinandersetzung zwischen 2 politischen Kräften statt, die gleichzeitig eine Stellvertreter-Rolle im internationalen Kontext spielen.

Wie überall auf der Welt ist das der Kampf zwischen dem auf die eignen Traditionen gestellten, aus der eigenen Geschichte schöpfenden Kräften und auf der einen Seite, hier repräsentiert durch die Tatmadaw, und den globalistischen, westorientierten Kräften auf der anderen Seite.

II. Teutonistan will auch dabei sein

Wir finden auf twitter:

wird sofort klar:

der USA-EU-Komplex nutzt die Auseinandersetzungen in Myanmar, um geostrategische Zeile zu verfolgen.

In Deutschland ist es immer das untrügliche Zeichen, wenn so etwas öffentlichkeitswirksam auf die Tagesordnung des Bundestages kommt.

Es bedeutet, Ressourcen der Bundesrepublik Deutschland sollen eingebunden werden in einen aggressiven Vorstoß.

Warum wird unter allen gewaltsamen Konflikten zwischen gesellschaftlichen Segmenten in einem Staat ausgerechnet dieser so bewertet?

Schon die eingesetzten Standard-Floskeln sagen es: „…blutige Gewalt gegen friedliche Demonstranten…“, „… Unterdrückung des eigenen Volkes…“, … demokratische Entscheidung akzeptieren…“.

Ein Putsch ist eine gewaltsame Aktion und dass es früher oder später auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Weggeputschten kommt, liegt ziemlich auf der Hand.

Darüber, was in den jeweiligen Situationen die gewaltsamen Auseinandersetzungen ausgelöst hat, wissen wir gar nichts. Ist die Unterdrückung von Widerstand gegen den Staat im Sinne der westlichen Führungen, so werden Freaks des Typs

schnell mal zu Terroristen, die das gesamte Universum bis tief nach Alpha Centauri hinein bedrohen, welche mit der gesamten Apparatur westlicher Behörden, Sicherheitskräfte und Geheimdienste gejagt und für Jahren hinter Gitter gesperrt gehören.

Ist der Widerstand im Sinne der westlichen Führungen, so werden auch Scharfschützen und Bombenleger zu friedlichen Demonstranten.

Die Formulierung „Unterdrückung des eigenen Volkes“ ist schon semantisch von geistig minderbemittelten für geistig minderbemittelte, denn dass eine Putschregierung in Myanmar nicht das Volk von Baden-Württemberg unterdrückt, dürfte klar sein.

Zu den Aufgaben eines jeden Staates gehört die Unterdrückung der Interessen der einen zu Gunsten der Interessen anderer. Ein Anarchist, der nach seinen Grundsätzen lebt, hat das gute Recht, das zu beklagen, ein Vertreter eines Staates, wie es der deutsche Außenamts-Chef ist, hat so ein Recht nicht.

Was die „demokratischen Entscheidungen“ anbelangt, taucht im Zusammenhang mit Entwicklungsländern, auf deren Territorium das USA-EU-Imperium Interessen hat, das Problem auf, dass sie, wenn der Westen aktiv eingreifen kann, gar nicht möglich sind!

Das Imperium spricht immer von Wahlen.

Wird die Wahl von denen gewonnen, die der Westen ablehnt, verhindert der Westen, so gut er kann, die Regierung; beginnend mit Vorwürfen des Wahlbetrugs bis hin zu den color-revolutions, Sanktionen, Sabotage, Terrorismus, Attentate, kein Mittel, das nicht eingesetzt würde. Und hilft das alles nicht, wird geputscht.

Im Falle Myanmars ist es umgekehrt. Dort soll die Partei der Globalisten an die Regierung gewählt worden sein, von der nun die Gegenkraft behauptet, das sei durch Wahlbetrug geschehen. Ob da etwas dran ist oder nicht, kann ich natürlich nicht beurteilen. Sicher ist, dass das Imperium keine Wahl in Frage stellt, welche seine Leute an die Regierung bringt.

Und dass eine Partei, die die Interessen der Globalisten vertritt, nicht die Interessen des „eigenen Volkes“ vertritt, das ist ebenfalls sicher.

Halten wir uns an die Fakten, die wir haben, dann wissen wir:

ein 19 Jahre altes Mädchen wurde im Rahmen der Auseinandersetzungen getötet. Das Mädchen hat einen Namen, Ma Kyal Sin. Sie wurde erschossen.

Mehr wissen wir nicht. Es kann sein, dass sie von einer Sicherheitskraft erschossen wurde, es kann aber genauso gut sein, dass eine dieser Sniper-Aktionen sie getötet hat, wie wir sie aus Syrien 2011 oder der Ukraine 2014 kennen, die eben genau darin besteht, dass ein Scharfschütze mindestens eine Person aus der Menge der Protestierenden erschießt, um die Situation anzuheizen. Oder man muss noch nicht einmal nach Syrien oder Kiew. In den USA wird diese Methode mittlerweile auch in innenpolitischen Machtkämpfen eingesetzt. Die einzige Person, die am 06.Januar 2021 beim sogenannten „Sturm auf das Capitol“ in Washington DC. gewaltsam getötet wurde, war eine Frau, Ashli Babbitt, die durch einen Polizisten von hinten erschossen wurde. Kein Scharfschütze hier, aber da diese Frau absolut gar nichts getan hatte, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, ist die einzig logische Erklärung, dass ihr gewaltsamer Tod die Auseinandersetzung anheizten sollte. Ermittlungen gegen ihren Mörder wurden auf Befehl von höchster Ebene eingestellt. (Die Meldung, ein Polizist, Brian Sicknick, wäre von Demonstranten mit einem Feuerlöscher erschlagen worden, hat sich als, wahrscheinlich gezielte, Falschmeldung erwiesen. Brian Sicknick wies laut sowohl Gerichtsmedizin als auch seiner Familie keine äußeren Einwirkungen auf, man geht von einem Schlaganfall aus.)

II. Nach der Debatte

Die Bundestagsdebatte war völlig unergiebig. Jede*r Redner*in war selbstredend Myanmar-Expertise-habende*r, man kannte Land und Leute wie seine Westentasche, die Connection vor Ort war diesmal nur nicht der Student in Yangon oder die Austauschstudentin, sondern der tourist-guide aus Yangon, der mitten im Tumult den fernen SPD-Abgeordneten anruft, um sich zu beschweren, oder die Kellnerin vom – keine Ahnung, hab vergessen welchem See – die einst dem AfD-Mann ihren unverbrüchliche Liebe zur Nobelpreisträgerin gestanden hatte.

Heiko Maas trat als hipp facebook-&-twitter-informiert auf – woraus wir mal wieder lernen: geht es um inner-USA-EU-Angelegenheiten, reduzieren sich social-media zu Brutstätten von Verschwörungstheorien, passt es aber in das Konzept, sind sie die Orte, an denen sich die Unterdrückten durch reine Wahrheit artikulieren.

Abgesehen davon, gegeneinander zu konkurrieren, welche der im Bundestag vertretenen Parteien nun die endgültige und vollständige „I❤Myanmar“-Partei sei, war man sich einig, dass es Deutschlands Pflicht und Auftrag sei, entschlossen für Demokratie in Myanmar einzutreten. Dass Aung San Suu Kyi die fleischgewordene Demokratie Myanmars wäre, stellte nur Sevim Dagdelen in Frage, die links-pflichtschuldig darauf verwies, dass die Friedensnobelpreisträgerin sich ja wohl im Rohingya-Konflikt desavouiert habe.

Vorher hatte rechts-pflichtschuldig ein AfD-Mann die Friedensnobelpreisträgerin in der Sache bereits freigesprochen mit dem Hinweis, dass die „Bengalen“ ja gar keine angestammten Ureinwohner Myanmars seien, und er vergaß auch nicht, die „Militärdiktatur“ als eine „linke“ zu brandmarken.

Eigentlich hatte ich den Eindruck, die Debatte wurde auf Druck von Außen geführt und interessierte den Bundestag selbst nur wenig. Man hatte seine sattsam bekannten innenpolitischen Positionen auf Myanmar projiziert. Ich leite davon ab, dass die BRD keine vitalen Interessen in Myanmar hat, aber sich für die Interessen der USA einspannen lässt, sobald das eingefordert wird.

III. Herzogtum Burma

Aung San Suu Kyi’s Vater starb, als sie 2 Jahr als war. Seither fand ihre Erziehung unter der Oberaufsicht von Louis Mountbatten zunächst in Asien, dann in Oxford und London statt. Der war Onkel des Ehemanns der Queen, welcher zwar dank der Gandhi-Bewegung auf den Titel „Vizekönig von Indien“ verzichten musste, aber bis zu seinem Tode, durch eine Bombe der IRA, 1979 den Titel „Earl of Burma“ trug, also Herzog von Burma. Es liegt nahe, dass sie 1988, nachdem der seit 1962 regierende General Ne Win die Macht abgegeben hatte, als Führerin der „Demokratiebewegung“ in ihre Heimat zurückkehrte, sagen wir, mit Interessen ausgestattet war. Zwischen ihrer Zeit im UK und der Rückkehr nach Asien war sie in New York ansässig gewesen und hatte dort u.a. hohe Funktionen im Apparat der UNO inne.

Der Begriff „Entwicklungsland“ meint im konservativen Sprachgebrauch, dass es sich dabei um ein Land handelt, welches die westlichen Standards von technologischer Entwickeltheit und wirtschaftlichem Wohlstand noch nicht erreicht hat, aber anstrebt. Eine moderne Definition entstand nach dem Ende der UdSSR, welche den akademischen Entwurf von westlicher Demokratie dazu rechnet.

Vor dem Ende der UdSSR galt das Prinzip, dass jedes Land seinen eigenen, aus den eigenen historischen und kulturellen Determinanten abgeleiteten Entwicklungsweg gehen müsse. Und das war tatsächlich seit Lenin die offizielle linke, antiimperialistische Position bis zum Ende der UdSSR. De facto war es die Definition von Antiimperialismus.

Ganz falsch liegt demnach der AfD-Mann nicht, wenn er die Militärs in Myanmar als „Linke“ bezeichnet. Vielleicht wuchs er in der DDR auf und kann sich noch an die Positionen erinnern.

Das beschreibt den primären Hintergrund des Konflikts, der sich in Myanmar abspielt.

Man zitiert gerne den Ausspruch von Emma Goldmann: „Könnten Wahlen etwas ändern, wären sie verboten!“ Es gibt aber einen Unterschied zwischen den westlichen Industrienationen, die man eigentlich mittlerweile Finanznationen nennen sollte, und Entwicklungsländern.

In Entwicklungsländern können Wahlen eben schon eine grundliegende Änderung verursachen.

Das führt uns zum sekundären Hintergrund des Konflikts. Philosophisch gesehen sekundär. Praktisch-lebensreal ist es für einen großen Teil der Bevölkerung wahrscheinlich der wichtigere.

Wir haben in Myanmar die traditionalistisch-buddhistische Geisteshaltung, die das Allgemeine über das Einzelne stellt, heißt, die Verwirklichung der Nation, oder Union oder Republik, wie immer man das dann nennen will, alle 3 Begriffe sind im Gebrauch, dem sich das Individuum unterordnet oder dem es untergeordnet wird.

Ihr politischer Ausdruck ist die Tatmadaw.

Und wir haben die, ich nenne sie hier einmal, Westler. In der Ideologie des Westens steht das Individuum im Zentrum, das Allgemeine dient ihm als Mittel zum Zweck der Selbstverwirklichung.

Ihr politischer Ausdruck ist die NLD.

Nun ist ja immer auch das eine im anderen enthalten und das Streben der Politik sollte danach gehen, beides zueinander in Ausgleich zu bringen.

Das ist der Konflikt, durch den die Leute in Myanmar müssen, um die Stabilität im Land zu erreichen, auf der sie Frieden und Wohlstand gründen können.

Ausländische Interventionen, welcher Art auch immer, können bei diesem Konflikt nur Öl in’s Feuer gießen. Zu einer Lösung beitragen können sie gar nichts.

Früher war man sich dessen gewahr gewesen, darum das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten.

Und die Deutschen brauchen wirklich nicht so tun, als wären sie die Weltlehrer in Sachen Demokratie.

Wenn Leute sagen, das Deutschland, welches wir heute haben, ist das beste Deutschland, dass es jemals gab, dann muss man sie erinnern, wie es dazu kam.

Vom Aufbruch des Kaiserreiches als Imperium in Konkurrenz zu Frankreich, Großbritannien, Russland und Österreich zur sozialistischen Revolution 1918/1919, die blutig niedergeschlagen wurde, was zur Weimarer Republik führte, die in das 3.Reich mündete, dessen Zerschlagung wiederum die Gründung der Bundesrepublik und der DDR auslöste, die 1989 – 1991 wieder vereint wurden und den Ossis-Wessis-Streit bis heute nicht lösen konnten.

Darum sage ich: kümmert ihr Deutschen euch um eure eigenen Sachen und überlasst Myanmar den Menschen, die dort leben!

Der gewaltsame Tod eines 19-jährigen Mädchens aufgrund einer politischen Auseinandersetzung ist eine schreckliche Sache.

Soll ich euch noch etwas verraten? Es ist immer die Politik, was die meisten Opfer fordert!

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Update 5 Myanmar

Teutonistans Außenpolitikaster maulen

Norbert Röttgen hatte ja eine steile Parteikarriere, bis er den Posten des Umweltministers mit Angela Merkels Fußabdruck auf seinem Gesäß verlassen musste.

Ein Fußabdruck, den er nicht mehr abwaschen konnte. Ämter, in die man gewählt werden muss, schafft er nicht. Aber er bekleidet Posten, auf die man anders gelangt.

Als Chef des European Council of Foreign Relations ist er Vorsitzender der Befehlsempfänger-Organisation des alteingesessenen, auf den „Diamantenkaiser“ Cecil Rhodes (1853-1902) zurückführbaren Council of Foreign Relations. Politisch bekleidet er den Posten des „Chairman of the Foreign Affairs Committee of the Bundestag“.

Das kann eigentlich nur an der Dienstbeflissenheit des Befehlsempfangens liegen, denn er hat schon oft bewiesen, geographisch eine 0 zu sein. Darüber hinaus hat er die Haltung, die Welt müsse sich vollständig den USA und der BRD anpassen, als untergeordnete Einheiten, versteht sich, alles andere wäre böse und unterentwickelt.

Und so twittert Norbert fröhlich vor sich hin:

Dabei geht es um einen Zwischenfall in Mandalay, bei dem es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der NLD und der Polizei gekommen war. In dieser Auseinandersetzung kamen 2 Demonstranten zu Tode.

Zwei sind zwar mehr als einer, aber die Verwendung des Wortes „mehrere“ meint im klassischen Sprachgebrauch mehr als 3. In jeder Sprache ist das so gehandhabt, 1, 2, 3 erwähnt man explizit, was darüber geht, kann man zusammenfassen zu einem passenden unbestimmten Zahlwort, in diesem Falle „mehrere“.

Ob die Demonstranten friedlich waren, oder ob es zu Ausschreitungen kam, wir wissen es nicht.

Ich habe Röttgen sich nicht darüber beschweren gehört, dass am 06.Januar im Capitol zu Washington Ashli Babbitt hinterrücks von einem Polizisten erschossen wurde. Und bei Ashli Babbitt konnte jeder Mensch mit Internet sehen, dass diese Frau absolut gar nichts gemacht hatte, eine friedliche Demonstrantin war. Das war wirklich grauenhaft. Überall auf der Welt konnte man es live sehen. Ich konnte es live sehen. Du siehst, wie diese Frau zusammenbricht und du realisierst im ersten Moment gar nicht, dass du soeben einen Snuff gesehen hast! Und sobald du es realisiert hast, bekommst du es nicht mehr aus dem Kopf. Die ganze Welt sieht im Live-Stream einen Mord an einer Frau durch einen Polizisten – der keinerlei Konsequenz nach sich zieht, die „defund the police“-Linkslinge haben das Verfahren eingestellt!

Einen Menschen, der das einfach so stehen lässt, aber sich beschwert über etwas, das er in der Presse bestenfalls gelesen hat, ohne auch nur wissen zu können, was überhaupt los war, kann ich nicht ernst nehmen.

Was genau in Mandalay vorgefallen war, weiß ich natürlich auch nicht. Ich habe im Moment auch keine besseren Quellen als die internationale Presse.

Niemand, der nicht vor Ort war, weiß, was in Mandalay an diesem Tage vorgefallen war. Die internationale Presse wurde von der NLD informiert.

Eine Stellungnahme der Polizei außer mündlich und in birmanischer Sprache ist nicht bekannt.

Von einem erwachsenen Mann mit Studienabschluss, wie Röttgen, sollte man erwarten können, dass er weiß: eine involvierte Partei, und das ist die NLD, ist keine objektive Quelle.

Als Obermotz des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages sollten Umgang mit Geographiekenntnissen und wie Argumentationen aufzubauen seien, wenigstens den Kenntnissen eines Fünftklässlers standhalten können.

Wenn er sich als Außenpolitiker dazu äußern will, wäre er verpflichtet, sich unabhängig zu informieren, beide Seiten anzuhören und sich überhaupt erst einmal in das historisch-kulturelle Umfeld einzuarbeiten.

Polizei und Militär sind in Myanmar zwei streng voneinander getrennte Organisationen. Die Polizei gehört zum „3. Stand“ (meine Sprache, so heißt das natürlich nicht, aber es beschreibt es, wie schon gesagt, in Anlehnung an das vorrevolutionäre Frankreich am besten), während die Tatmadaw einen eigenen Stand bildet.

Er sollte in der Lage sein, ehe er twittert, sich die Information zu beschaffen, die Gegenstand seines tweets werden soll.

Dieser tweet formuliert eine Forderung an die Volksrepublik China.

Ein netter chinesischer Außenpolitiker, der das liest, wird denken: „Immerhin kennt er den Landesnahmen. Damit weiß er mehr, als der amtierende amerikanische Präsident. Deutsche Schulbildung ist eben besser als amerikanische. Aber der chinesischen kann sie auch das Wasser nicht reichen.“ Ein weniger netter denkt: „Ihr Ahnen, was für ein Idiot! Aus was heraus maast der sich an, uns von der Seite schief anzumachen!“

Das mit dem „maast“ soll witzig sein. Frustriert witzig. Denn Röttgen ist in Sachen außenpolitischer Kompetenz der Zwillingsbruder von Heiko Maas. Beide haben von kulturellen Inhalten und staatlicher Konzeption anderer Länder in der Regel keinen Schimmer. Sie reihen irgendwelche Sätze aneinander, die die üblichen Schlagworte, Demokratie, Freiheit usw, beinhalten. Sie predigen über die Bösartigkeit von Rassismus, sind aber geistig unfähig, zu erkennen, dass es rassistisch ist, ganzen Nationen Befehle erteilen zu wollen, wie diese ihre inneren Angelegenheiten zu regeln hätten. Drittklassige Politkarrieristen wie Maas und Röttgen meinen allen Ernstes, sie stünden über den obersten Eliten der Nationen außerhalb der EU und der NATO, in deren eigenen Ländern. Das ist ein Krankheitsbild, das Kognitive Dissonanz genannt wird.

Wie ist es möglich, dass solche Leute die Außenpolitik Deutschlands anführen?

Zur geopolitischen Einordnung

Die Kundgebungen der NLD nehmen an Zulauf ab.

Es werden jetzt wieder birmanische Schriftzeichen verwendet. Wahrscheinlich haben die Instruktoren der NLD darauf hingewiesen, dass es im Ausland auch nicht überzeugend ankommt, wenn alles immer auf Englisch ist.

Die einen, das werden in Deutschland und in den USA die meisten sein, sympathisieren mit den Weggeputschten. Wenige mit den Putschisten.

Jede*r kann sein*e/ihre Sympathien verteilen, wie er/sie/es will. Ich erinnere mich, als ich das erste mal in Myanmar war, mit einer damaligen Freundin, Anfang der 90ger Jahre, sympathisierte sie mit den Anhängern Aung San Suu Kyis, während ich mit der Tatmadaw sympathisierte. Man sympathisiert mit denen, deren Vorstellungen den eigenen näher sind.

Meine Freundin beispielsweise störte es, dass überall im Land Billboards aufgestellt waren, auf denen in birmanischer und englischer Sprache buddhistische Lehrsätze geschrieben standen. Sie fand das bevormundend. Ich fand das jedenfalls besser, als wenn alles vollgeklatscht ist mit Werbung irgendwelcher Konzerne.

Heute stehen diese Billboards nicht mehr, oder kaum mehr, aber Werbung von Konzernen findet sich auch in Myanmar überall. Nicht so flächendeckend wie hier, aber doch.

In der Regel finde ich einen Putsch als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele falsch. Ein Putsch zieht zwangsläufig erhöhte Spannungen und gewaltsame Situationen nach sich.

Aber es gibt auch Momente, in denen ein Putsch das einzige zur Verfügung stehende Mittel ist.

T.E. Lawrence with Auda abu Tayi

Der „Putsch der Offiziere“ 1969 in Libyen, mit denen der König Idris entmachtet wurde, fällt mir da ein. Idris war ein Mann, der Sklavenhändler bezahlte, ihm Lustknaben zu verschaffen, von denn er sich einen ganzen Harem hielt. Die Sklavenhändler waren ein in Benghazi ansässiger Stamm, der seit Jahrhunderten vom Sklavenhandel und dem Ausrauben von Karawanen lebte. Ich weiß welcher Stamm, nenne seinen Namen hier aber nicht. (Kleiner Tip: er spielt eine Rolle in „Lawrence of Arabia“, bzw. T.E. Lawrence‘ Bericht „Die sieben Säulen der Weisheit“) Er betrachtete die gesamten Öleinnahmen für sein persönliches Eigentum. Libyen stand auf dem Human Development Index der UN an drittletzter Stelle. Einen gesetzlichen Weg, Idris zu entmachten, gab es nicht. Eine Volksbewegung auch nicht. Aber etwas musste passieren.

Da wir uns ja hier in Deutschland und in deutscher Sprache bewegen, macht es Sinn auf den gescheiterten Putsch gegen Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 hinzuweisen.

In der Tat ist der Putsch vom 01.Februar eine antiimperialistische Aktion.

Es wird ja jetzt immer gerne auf diese sogenannte Safran-Revolution von 2007 hingewiesen. Ich will gar nicht ausformulieren, was ich denke, wenn ich ein Wort wie „Safran-Revolution“ lese. Holunderbeeren-Revolution, Tomatenblüten-Revolution, Petersilie-Wurzel-Revolution, Aprikosenkern-Revolution, aus der Klobürsten-Revolution, die gegen Wladimir Putin vorgesehen war, ist nichts geworden.

Gerade in einem so komplexen und umkämpften Land wie Myanmar, gibt es zahlreiche Unzufriedenheiten und Möglichkeiten, sie auszunutzen, um den Staat zu destabilisieren.

Im Falle Myanmar kommt hinzu, dass die Ausbeutung der Kolonie Burma für die britische Ökonomie besonders wichtig war, als auch die strategische Lage. Das UK wird den Verlust der Kolonie Burma nie schlucken wollen.

Ein Land aus der Kolonialisierung zu führen, seine nationale kulturelle Identität wiederherzustellen und es auf der Basis der eigenen Kraft zu modernisieren, ist ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess.

Einreißen geht schnell, der Aufbau ist eine ganz andere Sache. Konnte man auch gerade an Libyen studieren. 40 Jahre Aufbau haben es zum wohlhabendsten Land Afrikas gemacht, heute, nach dem NATO-Krieg 2011, ist es nur noch wenig besser als zur Zeit des Königs Idris. Sogar der Sklavenhandel ist zurück.

Eine zusätzliche Schwierigkeit tritt auf, wenn es sich um einen Vielvölkerstaat handelt. Das liegt vor allem an Herrschaftsansprüchen, die die Eliten der einzelnen Völker stellen.

Dann haben wir in Myanmar noch das Problem der Religionen. Menschen sind dort oft tatsächlich gläubig. Sie sind nicht wie hier der Meinung „Mei, irgendwie wird es schon ein höheres Wesen geben das… ach keine Ahnung, und wenn nicht, ist mir auch egal“, sondern die Lehren der Religion beschreiben das Weltbild, nach dem sie ihre Leben ausrichten. Sie bestimmen ihr Wertesystem.

Das macht übrigens die Probleme zwischen Buddhisten und Moslems aus. Moslems glauben an eine von Allah geschaffene Welt, sie haben ein Leben, hinterher entscheidet Allah, ob sie in das Himmelreich eingehen oder in ewigen Feuern brennen.

Im Buddhismus ist alles Bewegung und folgt dem ewigen Rad des Lebens.

Es sind 2 Lehren, von denen nur eine wahr sein kann, oder keine.

Diese sogenannte Safran-Revolution war eine besondere Perfidie der regime-changer. Bei ihr wurde versucht, die Religion zur Durchführung einer color-revolution zu missbrauchen.

In der westlichen Presse wurde das verkauft als „Buddhistische Mönche“ hätten sich gegen die „Junta“ erhoben und viel Volk habe sich angeschlossen. Das kann man westlichem Publikum so verkaufen, das keine Ahnung von Buddhismus hat.

Im Buddhismus ist jeder angehalten, Zeiten des mönchischen Lebens zu durchlaufen. Das bedeutet, du unterbrichst dein normales Leben, lebst eine Zeit lang als Mönche und hinterher nimmst du dein normales Leben wieder auf. In der Mönchszeit sollst du dein bisheriges Leben reflektieren, daraus nach den Lehren des Siddhartha Gautama lernen und so geläutert und bereichert deinen Lebensweg fortsetzen. Wie lange du das machst und wie intensiv, das bleibt dir überlassen. Es ist dein Leben.

Jetzt eröffnet das auch die Möglichkeit, Personen in Mönchsklamotten zu stecken, die ganz andere Interesse verfolgen. Umsturzversuche im Dienste des UK und/oder der USA beispielsweise.

Aufstände kann man überall provozieren. Seht euch die USA an. Das reichste und mächtigste Land der Erde. Selbst dort schlagen die sich gegenseitig die Schädel ein.

Ist die Situation erreicht, dass es zum Aufstand kommt, wird es zur reinen Machtfrage. Fortschritte in einem Sinne, Benachteiligungen von Minderheiten zu reduzieren oder andere Missstände, die es in jedem Land gibt, auszuräumen, erleiden dadurch sogar oft Rückschläge, egal welche Seite sich durchsetzt.

Ist eine politische Situation eskaliert, muss das Land gewaltsam stabilisiert werden oder es zerfällt. Und irgend welche zahlen den Preis. Oft solche, die gar nichts dafür können.

Das westliche Imperium hat aus der Safran-Revolution gelernt. Es ist ihm gelungen, in Gestalt der Führung der Partei NLD die Regierung in die Hand zu bekommen.

Der Putsch hatte zum Ziel, den Zugriff des westlichen Imperiums zu unterbinden.

Man kann nämlich nicht sagen: „Naja, dann schauen wir uns halt mal an, wie es läuft und wenn es nicht taugt, machen wir das via Wahlen in 4 Jahren rückgängig.“ Hat das westliche Imperium sich einmal die Herrschaft über ein Land angeeignet, zieht es sich nie wieder freiwillig zurück! Wenn sogar ein Riesenland wie Russland nun schon seit 1999 braucht, um sich einigermaßen auf die Hinterbeine zu bekommen.

Jeder hat natürlich sein volles Recht, zu sagen: Die NLD hat die Wahl gewonnen, der NLD steht die Regierungsgewalt zu. Aber ich sehe nicht, dass die NLD starke Unterstützung im Lande hat.

Persönlich glaube ich, Myanmar muss nur noch wenige Jahre, höchstens 5, durchhalten, um den Anschluss an die 1.Welt aus der eigenen Kraft zu erreichen. Übernimmt der Westen die Dominanz, wird er das verhindern. Er wird so Modernisierung fördern, dass es den Bedürfnissen des Westens dient und dafür sorgen, dass das Land immerwährend im Zustand einen Entwicklungslandes bleibt. Er wird verhindern, dass die Union von Myanmar ihr eigenes Potenzial entfaltet, alleine schon, um mögliche Konkurrenz im Keim zu ersticken.

Hier ordne ich den Putsch der Tatmadaw ein. Den Aufbau aus der eigenen Kraft sicherstellen.

I speak today as President of the United States at the very start of my administration, and I’m sending a clear message to the world: America is back.  The transatlantic alliance is back. 

– rief am 19.02.2021 Joseph Robinette Biden Jr. in die Münchner Sicherheitskonferenz.

Das ist kein „hi there“ eines alten Freundes. Das ist eine Drohung. Ein „und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“ Macht euch bereit. The Empire Strikes Back!

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