Afghanistan Rückblende und eine Filmempfehlung

01. Rückblende

Die weichenstellenden Konferenzen, jene in Dushanbe und die in Taschkent, sind vorüber und ich gehe davon aus, dass wir bis Ende August nichts Relevantes mehr über Afghanistan zu lesen/hören bekommen werden, wenn nicht Hintergrundmaterial, das eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, geleakt wird.

Die deutsche Presse wird natürlich Horrorszenarien malen, was alles Schlimmes passieren wird, jetzt, wo die selbsternannten „civilized nations“ dort nicht mehr offiziell militärisch engagiert sein werden. Ignorieren.

Der Westen zieht ab, will aber der dominierende Faktor bleiben. Forum für die Gespräche mit dem Wesen bleibt die sogenannte Erweiterte Troika in Doha. Mein Eindruck ist, dass dort keine nachhaltigen Entscheidungen mehr getroffen werden. Doha wird fortgesetzt, weil der Wille des Westens nach Dominanz unvermeidbar ist.

Die Fronten vor Ort werden sich ein wenig hin und her schieben, aber es ist klar, dass die Regierung in Kabul sich mit den Taliban einigen wird müssen oder untergehen. Die Staaten Mittelasiens mit Russland, China und Indien bereiten sich auf die Nachkriegszeit vor, alle sind sich soweit einig, dass der 42jährige Krieg beendet und die Aufbauarbeit begonnen werden muss.

42 Jahre! Bei uns redet man immer noch über den Dreißigjährigen Krieg und schreibt darüber Bücher!

Bei dieser Gelegenheit verlinke ich noch einmal eine Ausgabe des Corbett-Report von 2018, die sich mit der Lügengeschichte befasst, die dem Einmarsch der NATO vor 20 Jahren vorausging.

Denn offiziell war Afghanistan der erste NATO-Einsatz nach Artikel 5, würde ein NATO-Mitglied angegriffen, antworten alle. Dieser Angriff nun war der 11.September 2001. James Corbett berichtet über ein Papier, das an die Öffentlichkeit gelangte, welches dem hingegen belegt, dass der Angriff bereits vorher geplant gewesen war, 9/11 nur einen willkommen Vorwand bot, ihn zu verkaufen!

Leider klappt das mit Odysee oder Bitchute einbetten in WordPress noch nicht, also der Link:

Episode 345 – The Secret Lie That Started the Afghan War

Wer Englisch nicht so gut versteht, kann das Transkript copy&paste durch Deepl.com jagen. Das ist zwar immer verlustbehaftet, weil die AI-Übersetzung nicht auf Feinheiten achten kann, die dem individuellen menschlichen Gehirn vorbehalten bleiben, aber in groben Zügen kommt der Informationsgehalt rüber.

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern. Die Jungen in Deutschland haben wahrscheinlich noch nie davon gehört!

Es braucht ja schon Leute, die vor 20 Jahren das politische Geschehen aktiv, bewusst miterlebt hatten, sich an den dümmsten Satz der deutschen Politikgeschichte zu erinnern: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“ – mit dem der SPD-Kasper Peter Struck, an den sich auch kaum ein Mensch mehr erinnert, den Afghanistan-Krieg gegen die ablehnende Haltung der deutschen Bevölkerungsmehrheit in seiner Position als Kriegsminister verteidigte.

Alle reden immer von „Erinnerung“, die so wichtig sei, wenn es um Adolf und den Holocaust geht, Gedenktage fungieren als Politiker-Selbstinzenierungs-Tage. Es ist leicht, sich von Taten der Vorfahren zu distanzieren und sich als geläutert darzustellen.

Ich rede von dem, was wir tun. Ich verhindere (so gut ich kann), den Beitrag der gegenwärtig Lebenden zu gegenwärtigen Ereignissen zu vergessen!

02. Entertainment

2017 war ein Spielfilm herausgekommen mit Brad Pitt als General Glenn McMahon, Ben Kingsley als Hamid Karzai und Tilda Swinton als – hmm – wahrscheinlich erfundene deutsche Politikerin.

Ich wurde selbst erst unlängst auf diesen Film aufmerksam gemacht und kann diesen Film aus zweierlei Grüden wärmstens empfehlen!

Der erste ist: der Film bewegt sich in der Tradition von Full Metal Jacket und das sehr gelungen.

Der zweite ist: obwohl der Film mit den Stilmitteln der Satire arbeitet, beschreibt er, soweit das in einem amerikanischen Spielfilm möglich ist, die Realität so, dass man von der Substanz, mit welcher dieser Krieg geführt wurde, eine guten Eindruck erhält. (Kommt Ihnen dieser Satz etwas merkwürdig formuliert vor, werden Sie, sobald Sie den Film gesehen haben, wissen, was ich meine.)

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