Worse than expected

Ich muss mich offiziell revidieren:

Hatte ich vorgestern noch geglaubt, es werde keine syrischen Verhältnisse in Ägypten geben, so entstehen sie bereits.

Zig Videos, die im Internet herumgeistern, belegen, dass die Moslembrüder genau ein solches vom Zaun brechen, sie führen die gleichen Diversantentätigkeiten und Mordbubenstücke aus, wie zu Beginn in Syrien.

Für nächsten Februar anberaumte Wahlen lehnen sie ab.

Natürlich tun sie das.

Wer sich einmal reinlegen lässt ist ein Opfer, beim zweiten Mal ist er ein Idiot, und die Ägypter sind keine Idioten. Via Wahl an die Macht zu kommen haben die Moslembrüder die Chance verspielt. Und sie wissen es.

Wie konnte ich mich so irren?

Ganz einfach, der brutale Zynismus und die Abwesenheit jeder normal menschlichen Alltagsvernunft in den aktuellen Machtkämpfen sprengen schlicht die Grenzen meiner Vorstellungskraft. Hatte ich wirklich angenommen, dass sie sich in Ägypten mit der zweiten Geige zufriedengeben? Na muss ich ja wohl. Vor allem deshalb, weil sie nie die Chance haben werden, sich mit Gewalt an der Macht zu halten.

Die Mehrheit der urbanen Bevölkerung in Ägypten lehnte Mubaraks System ab, weil es zu israelfreundlich war, weil es zu abhängig vom Westen war und ihren Nationalstolz kränkte, vor allem aber, weil es keinerlei wirtschaftliche Perspektiven bot. Man hat von den Zeiten Nassers geträumt, nicht von klerikaler Sunni-Herrschaft.

Das wissen diese Leute natürlich noch besser als ich. Nun beginnen sie, das Land in Blut und Chaos zu stürzen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach in Absprache mit dem US-Militär.

Wenn Dempsey sagt: "In Syrien wir es wahrscheinlich noch 10 Jahre dauern, bis eine politische Lösung eintritt", dann ist das keine Einschätzung.

Es ist eine Ankündigung.

Dempsey hat begriffen, dass es keine Machtübernahmt der "Opposition" geben wird.

Er rechnet damit, dass bei der gegenwärtigen Kriegslage das Land in 10 Jahren so zerstört und ausgeblutet sein wird, dass es zur leichten Beute gerät.

Washington sind die Einfälle ausgegangen Ägypten dauerhaft zu halten. Man glaubt dort offensichtlich daran, zu bekommen was man will, wenn auch dieses Land restlos zerstört wird. Und das ist unvermeidlich, wenn die Moslembrüder mit Gewalt herrschen wollen, denn die anderen Menschen im Land werden sich das nicht gefallen lassen.

Washington stellt die Militärhilfe nicht ein, weil das unweigerlich zu einer Übernahme der Militärführung durch patriotische Offiziere führen würde, und die Amis somit die Kontrolle über das Militär verlieren.

Ach ja: und die Obergspasteln im ehemaligen Libyen "bitten" nun offiziell um eine Besetzung durch die NATO.

Libyen existiert nicht mehr. In Mali sitzen die Franzosen. Tunesien wankt.

Das libysche Staatsgebiet liegt zentral, es ist das perfekte Aufmarschgebiet.

Die NATO kann sich darauf vorbereiten zuzuschlagen, wenn Ägypten außer Kontrolle gerät, in welche Richtung auch immer.

Aber vorläufig setzt man wohl darauf, das Volk mittels Terror durch die Moslembrüder und das Militär mittels Dollars steuern zu können.

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