Wenn es Tag wird in Paris

Welches Maximum an geistiger Minderbemittlung ist nötig, um für seine freien Worte bezahlt zu werden?

Da will uns die Presse tatsächlich verklickern, die beiden Attentäter von Paris hätten absichtlich in den Redaktionsräumen, die sie überfielen, einen Ausweis hinterlassen um eine Schnitzeljagd durch Paris, Wälder, Höhlen vor Paris und Dörfer zu beginnen, um sich irgendwann dann einmal, wenn sie gefunden werden, den endgültigen Showdown mit Kalaschnikow und Panzerfaust in der französischen Sierra Madre im Auge der Fernsehkameras und im mLive-Stream mit 88 000 französischen Polizisten zu liefern…

Nachdem sie bis an die Zähne bewaffnet und vermummt zunächst beim Nachbarhaus angeklingelt hatten, höflich anfragten, ob denn da die Redaktion wohnhaft sei, die abzuschlachten man nach einem Tweet von einer Karikatur eines ISIS-Führers sich spontan entschlossen habe.

"Nein Monsieur, hier ist Hausnummer 6. Die Leute, die Sie umbringen wollen residieren in Nummer 10. Sollten Sie den Weg nicht finden, können Sie ja den Schutzmann fragen, der für die Sicherheit Ihrer Anschlagsziele abgestellt ist, der weiß genau, welchen Eingang Sie nehmen müssen."

"Vielen Dank schönes Kind für die freundliche Auskunft. Aber du weißt schon, dass du eigentlich eine Burka tragen solltest und nicht mit mir reden darfst, ich bin nämlich islamistischer Terrorist!"

"Ach wirklich? Ist ja spannend! Und ich dachte, sie wären einer dieser tollen SWAT-Team-Typen, über die jetzt die neue Fernsehserie angelaufen ist. Mein Jüngster verpasst keine Folge! Muss wohl an der Vermummung liegen, da weiß man nie, wer dahinter sich verbirgt!"

"Tzja, so kann's gehen, nichts für ungut. Aber ich muss jetzt wirklich weiter, Schätzchen, ich ab noch ne Menge Morde zu erledigen!"

Gesagt, getan.

FocNuss

erklärt uns Focus den weiteren Verlauf der Story.

In einem andern Kampfblatt für das freie Wort lässt irgendein frankophiler Käselutscher seiner Sentimentalität freien Lauf:

HB

("Symphonie der Großstadt" ist überhaupt kein französischer Film, Arschloch, sondern Berlin 1927!

"Wenn es Nacht wird in Paris" allerdings schon, das ist ein französischer Klassiker mit Jean Gabin.)

Dass die beiden Brüder, von denen die Presse zu berichten weiß, dass sie, wenn sie nicht gerade im Jemen Terrorist studieren, vor der Glotze abhängen und kiffen wie die letzten Überlebenden von Woodstock, abgeknallt werden, daran braucht man keinen Zweifel haben.

Und die, wie eine andere Presse zu vermelden weiß, auf der Terrorliste der Vereinigten Staaten standen und außer wenn sie gerade Anschläge vorbereiteten und Spezialeinheiten-Training absolvierten unter Beobachtung standen: Daher die Leidenschaft für Schnitzeljagd: ein Ausweischen hier, ein Fluchtautilein da, schwupps durch die Kanalisation wie man das beim "Predator II" lernen kann und rin in det Jehölze!

Dann noch ne Geiselnahme zur Steigerung des Nervenkitzels, in Paris hat sich schließlich niemand gefunden, den man hätte kidnappen können und in den engen Straßen kann man auch nicht genug Kameras für die Reality-Show aufstellen.

Auf der Flucht vor dem französischen Volk haben die beiden übrigens sich den Jux gegönnt, noch zwischendrin eine Tankstelle auszurauben.

Das hat den besonderen Kick nehme ich an, eine Tanke plündern während alle vom Pantoffelheld in Ismaning bis zum Weißen Haus fiebernd vor der Glotze sitzen und zusehen, wie das Haberfeldtreiben so verläuft.

Focus versorgt uns denn weiter im Live-Ticker wie es zur Terror-WM ja auch journalistisch sogfaltsverpflichtend ist:

Fuckus

Die beiden werden jedenfalls abgeknallt werden.

"Tote schlafen fest" lautet die Übersetzung des Titels von Chandlers Roman "The big Sleep".

Sind die Köpfe in den Korb geplumpst, kann das Jagdfieber des Mobs erlöschen und der Rest ist Schweigen.

 

 

 

Share This:

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Comments are closed.