valar morghulis

 

„Es ist schwer, sie zu lieben. Die Armen ekeln uns an, weil sie sind wie wir, nur unserer Illusionen beraubt. Sie zeigen uns, wie wir aussehen würden ohne unsere edle Kleidung, wie wir riechen würden ohne Parfum.“

(Game of Thrones 6.7, Der hohe Spatz)

I.

In Frankreich toben teils sehr militante Streiks und Demonstrationen gegen, wie es häufig gerne genannt wird, die „neoliberalen Reformen“.

Das mag abstrakt richtig ausgedrückt sein, benennt aber nicht den Kern, um den es geht.

Neoliberal braucht man genau genommen gar nicht mehr erwähnen, denn es bezeichnet lediglich eine Wirtschaftstheorie, und jedenfalls diesseits der russischen Grenze existiert schon lange keine andere mehr in der Praxis.

Man muss benennen, worum es konkret geht, bei diesen „Reformen“.

Exakt: die Umsetzung des wirtschaftsterroristischen Diktats der deutschen Bundesregierung in Frankreich!

Das Pariser Parlament hat sich lange Zeit geziert, Merkels und Schäubles Befehle getreu auszuführen. Frankreich ist nicht Griechenland, Frankreich ist eine traditionelle imperialistische Großmacht, die zweitstärkste Wirtschaft in der EU und die fünftstärkste Militärmacht auf Erden.

Natürlich ist Frankreich vieles mehr. Griechenland ist vieles. Aber wir reden von der EU, dem Berliner Diktat, da ist es völlig egal, was ein Land sonst noch ist. Für die EU zählen kein Mikis Theodorakis und kein Pierre Boulez, beziehungsweise zählen sie lediglich als verkaufbare Produkte, es dreht sich alles exakt diese 3 Eigenschaften und sonst nichts.

Das Pariser Parlament weiß: die Einführung dieser Arbeitsmarkt-Deregulierung ist eine Provokation gegen das Volk und das französische Volk wird sie nicht kampflos hinnehmen!

Bei Griechenland ist das egal, die haben keine Wahl, Frankreich hat eine!

Erlässt Hollande ein "Edikt" nach Artikel 49.3 der Verfassung, das anweist, diesen Umbau der Arbeitsgesetzgebung umzusetzen, so muss er sehr genau den Zeitpunkt wählen. Alle wissen, was passieren wird, und das will mit eingeplant sein. Wenn es schon unvermeidlich ist, dann muss es als Effekt nutzbar gemacht werden.

Es geht dabei nicht um, wie die Linken es gerne nennen, "Sozialabbau". Das ist eine dieser arroganten deutschen Kategorien. Ein Almosenverteiler-Gutmenschentum. Ein: "Ich bin was Besseres, ich kann dir Knochen zum Abnagen hinwerfen! (Das Fleisch behalte ich, versteht sich.)"

Es geht um Lebensbedingungen, die der Staat seinen Bürgern zur Verfügung stellt!

Rahmenbedingungen, innerhalb derer der Mensch sein Leben gestalten kann.

Wesentlich davon sind die Möglichkeiten und Umstände des Gelderwerbs.

Aktuell dreht sich die wesentliche Frage in Europa um EU oder Nationalstaaten.

Es gibt Dinge, die können nicht wegdiskutiert werden. Man kann sie nur so lange ausblenden, bis sie einen einholen.

Eines dieser Dinge ist: Deutschland heute ist ein Franchise-Unternehmen der USA, aber Deutschland ist der Diktator über Europa.

Auch wenn Ökonomen wie Heiner Flassbeck fachlich sicher erstklassig begründete Vorschläge machen, wie die EU auch anders gestaltet werden kann, wird die EU sich nicht reformieren.

Heiner Flassbeck verweist gerne auf die Erfolge der 50ger bis 70ger Jahre, das Bretton-Woods-System und den Keynsianismus.

Er vergisst dabei gänzlich die klassenpolitischen Faktoren: dass die westlichen Eliten den Bevölkerungen große Zugeständnisse machen mussten, damit sie nicht in das kommunistische Lager überlaufen!

Dieser Zwang besteht seit 1989 nicht mehr. Die oberen Ränge der Pyramide können schalten und walten wie sie lustig sind, sie suchen sich aus, wer aufsteigen und ihnen dienen darf und wer einflusslos bleibt, es geht so weit, dass sie entscheiden, wer essen darf und wer nicht.

Herrn Professor Flassbeck findet man sicher anregend, man lässt ihn reden, "macht Notizen", symbolisch gesprochen, aber Einfluss gibt man ihm nicht. Man lässt die "Notizen" in Notfallstrategien einfließen.

Auf Professor Flassbeck komme ich jetzt aber deshalb, weil er in seinen Vorträgen oft auf zwei sehr interessante Fakten hinweist: Erstens: das einzige Land, welches sich konsequent an die wirtschaftlichen Verträge der EURO-Zone gehalten hat, ist Frankreich! Zweitens: Frankreichs Produktionsvolumen entspricht dem der Bundesrepublik Deutschland!

Das kann man so übersetzen: ohne den EURO wäre die Republik Frankreich ein prosperierendes Land und ohne die EU könnte Frankreich über seine Ausgestaltung selbst bestimmen!

Dank EURO und EU wird Frankreich von Brüssel, vor allem aber von Berlin aus bestimmt.

EU und EURO sind die wesentlichen aktuellen Problemquellen Frankreichs!

Ein Umstand, vor dem die Front National bereits vor Beginn der EURO-Zone hingewiesen hatte, und an dieser Stelle wird ersichtlich, warum die Front National mit dem Etikett "rechtspopulistisch" und Geschwisterbegriffen etikettiert wird.

Die Linke hat sich in ihrem Mainstream auf die EU eingeschworen. Sie hat die EU zu ihrem Projekt gemacht und bekämpft radikal Gegenbestrebungen.

 

II.

Der Zeitpunkt, an welchem die französische Regierung ihre Provokation gegen das Volk, "Berliner" Arbeitsgesetze per Dekret einzuführen, vom Stapel lässt, wird davon bestimmt, wann ausufernde Proteste am nützlichsten sind.

Auch eine Anwendungsmöglichkeit für Dialektik. Die meisten führenden Sozialisten haben an französischen Universitäten studiert, dort wurde bis 1989 Dialektik groß geschrieben!

Die beiden Parteien, Sozialisten und Konservative, welche sich im Palais de l'Élysée die Türklinke in die Hand geben, haben abgewirtschaftet. Sie behaupten sich nur mehr aufgrund von jahrzehntelangem Nepotismus, gewachsenen Seilschaften, Zugehörigkeiten zu internationalen, vor allem transatlantischen Netzwerken und Verbindungen in die wirtschaftlichen Eliten, die von der EU ind dem EURO profitieren.

Sie sind riesige Apparate, die nach unten zu Abhängigkeiten ausbeuten können und Loyalitäten einfordern, darüber hinaus sind sie politisch bankrott.

Die Front National reitet auf der Erfolgswelle, weil sie die Situation, in die Frankreich geraten ist, von Anfang an vorhergesagt hatte und konkrete, nachvollziehbare Konzepte anbieten kann, wie Frankreich aus der Misere einigermaßen schnell wieder herauskommt.

Eine Propaganda des Typs: "Sie behaupten einfache Lösungen auf schwierige Fragen" verfängt nicht mehr, denn die schwierigen Antworten, welche die Herrschaftsparteien anbieten, beziehen sich alle samt auf die Rettung des EURO und des Neoliberalismus. Die Front National will das aber gar nicht retten, sie will Frankreich restaurieren und setzt auf Franc und tendenziellen Sozialismus.

Prozentual ist die KPF die Partei, welche am meisten Wähler an die FN verloren hat.

Der Trick der beiden Herrschaftsparteien ist ein simpler und perfider: schafft man es selber nicht mehr, sich gegen die Front National aufzustellen, erzeugt man eine Situation, aus der die linksextremistischen Gruppierungen und Parteien schöpfen können!

"Der Feind meines Feindes ist mein Freund" zitiert man gerne; die Herrschaftsparteien gehen davon aus, dass sie mit den Linken leicht fertig werden, mit der FN aber nicht mehr.

Die Linken sind EU-orientiert und fürchten ebenfalls um ihr politisches Überleben. Sie lechzen nach einer Gelegenheit, aus der sie Kapital schlagen können!

III.

Eine Schüler- und Studentenbewegung, Nuit debout, hatte den Anfang gemacht.

Manchen mag das jetzt schmerzen, aber es riecht alles nach dem üblichem Fake, Stichwort Color-Revolution, Stichwort Soros.

Eine Protestbewegung, die von allen üblichen Verdächtigen bejubelt wird, sollte man mit Vorsicht genießen, sie verheißt nichts Gutes!

Alleine der Gründungsmythos vom Journalisten, der irgendein Pamphlet in die Welt setzt und schwupps sammeln sich die Massen am Hauptplatz der Stadt ist zu 100% identisch mit dem Gründungsmythos der Majdan-Bewegung in Kiew!

Die rührende Heldenlegende von François Ruffin und den Kindern der Nacht liefert u.a. der Deutsche Journalisten Verband:

https://www.djv.de/startseite/service/news-kalender/detail/aktuelles/article/dokumentarfilmer-startet-bewegung-fuer-das-arbeitsrecht-und-prekaer-beschaeftigte.html

Die Faust ist die Faust, die wir von Otpor, vom arabischen Frühling, aus Georgien etc. her kennen. (siehe verlinkten Artikel)

Die Inhalte haben sich sehr schnell vom Thema Arbeitsrecht entfernt und bewegen sich im üblichen Nebel, Gendergerechtigkeit, Homosexualität, Liberalität, überhaupt Gerechtigkeit für alle und alles Gerechtigkeit und Gerechtigkeit.

Organisationsstrukturen werden abgelehnt. Das kann zwar der übliche jugendliche Quark sein, dass man sich von der Hierarchie der Schule und der des Elternhauses ein wenig erholen will und unter seinesgleichen was erleben, aber als politischer Ansatz ist es eine Absurdität; politische Bewegungen sind immer hierarchisch, und wenn die Hierarchien nicht bewusst aufgebaut werden wirken sie unsichtbar aus dem Hintergrund und steuern diese; im Falle einer Schüler- und Studentenbewegung kann das ganz leicht von der UNI aus bewerkstelligt werden.

Universitäten sind die Kaderschmieden, in denen die zukünftigen Führungskräfte der Gesellschaft herangezogen werden, an denen die Kontakte geknüpft und die Karrierewege vorgezeichnet werden.

Bei einer solchen Bewegung geht es auch darum, die kommende Generation Führungskräfte ideologisch einzuschwören!

Man muss sich nur mal ansehen, was die ganzen Führungskräfte der EU und der in EUropa herrschenden Parteien alles für Revoluzzer-Lampenpuzzer in ihren wild years gewesen sind, GRÜNE und Sozis in Deutschland, GRÜNE und Sozis in Frankreich, der Maoist Barroso und so weiter und so fort.

Die 68ger an der Macht haben wir erlebt und erleben wir, und sie sind von allen nahezu die schlimmsten!

Die Gewerkschaftsproteste sind parallel eskaliert.

Heute lese ich einen Artikel in der Jungen Welt, dass die KPF eine Einheitsfont, nein, nicht gegen die Regierung, nicht gegen die EU, nicht gegen die Kreigsmobilisierungen der NATO, nicht gegen den Neoliberalismus, nein, gegen die Front National aufstellen will!

"Lieber ein gemeinsamer Kandidat

Kommunisten wollen die französische Linke samt Sozialdemokraten und Grünen zusammentrommeln. Aber wer soll sie gegen die Rechte anführen?"

Ich habe den Artikel noch nicht nachrecherchiert, ich übernehme jetzt einfach mal die Infos, wiederhole sie hier nicht, also bitte den Artikel lesen, und dazu fällt mir folgendes ein:

Wenn überhaupt diskutiert wird, mit den Hollande-Sozialisten zusammenzuarbeiten, dann weiß man mit 99%ger Gewissheit, dass im Falle eines Wahlsieges das verbalradikale Aufgeplustere der „Linken“ platzt wie ein Luftballon und die "Merkelisierung" Frankreichs wie geplant weiterbetrieben wird. (Auch wenn Merkel das nächste Bilderbergertreffen wahrscheinlich nicht lange überdauern wird.)

Dem Volk erklärt man dann: „Wir haben die „Rechten“ verhindert, aber nun wird es Zeit erwachsen zu werden und zur Realität zurückzukehren.“ Was eben das ist, was Linke tun, wenn man sie ein bisschen an der Macht lecken lässt.

Eine solche Strategiedebatte lässt darauf schließen, dass es lediglich um das Erringen von Posten geht, und keinerlei politische Agenda für den Nutzen der Bevölkerung angestrebt wird.

Die Linke endlich als Instrument der Unterdrückung im Dienste des Kapitals und als Sturmgewehr gegen Russland!

Da fällt einem doch der Unterkiefer zwischen die Knie!

Sorry Lefties, aber wenn ihr Game of Thrones spielen wollt, ich reite mit Daenerys Sturmtochter, letzte vom Blut des alten Valyria, Mutter der Drachen und Zersprengerin der Ketten!

Ihr wißt schon, was ich meine!

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