Und noch einmal PRPR

Angeregt durch die äusserst empfehlenswerten Artikel auf CeiberWeiber zu Pussy Riot bringe ich jetzt noch einmal einen Artikel zu dem Thema, denn es gibt noch einiges dazu zu sagen.

Die Diskussion im Netz bringt nun viele Artikel hervor, vergleicht mit Assange und beklagt mal wieder zweierlei Maß, die berühmte Doppelmoral, den fiesen Double Standard, was wohl ein Appell an unsere Politikerkaste sein soll, sich im Falle Assange ebenso zu engagieren.

Ich frage mich ganz ehrlich, was müssen Leute im Kopf haben, die es für freie Meinungsäußerung halten, wenn 4 Personen hässlich zurechtgemacht in Pornomasken am Altar der Hauptkirche einer Religionsgemeinschaft herumtoben und deren Kirchenoberhaupt als Hund und Hure beschimpfen, ihm unterstellen, er wäre gar kein Gläubiger, die ganze Religion mit Fäkalbegriffen bewerfen und gleichzeitig eine Ikone dieser Religion, die Jungfrau Maria in diesem Falle, wahlweise für sich beanspruchen als auch imaginär sie aufrufen zum "Feminismus" einzuschwenken.

Was müssen Leute im Kopf haben, wie Amnesty International, die eine Reaktion, die darauf abzielt eine absehbare Wiederholung des Vorganges zu unterbinden, als Verletzung der Menschenrechte anprangern und diese Personen als politische Gefangene ritterschlagen?!

Was müssen Leute im Kopf haben, die das als modernes urbanes Rebellentum glorifizieren?

Meiner Meinung nach haben diese Leute gar nichts im Kopf. Eine Pressekampagne jubelt diesen schmutzigen Auftritt zum letzten Schrei hoch und weil diese Leute koste es was es wolle immer die Modernsten und Freiheitlichsten sein wollen, assimilieren sie es. Besser: lassen sich davon assimilieren, es heißt in der Realität nicht: "We are Borg. We assimilate you. Resistance futile!" – es heißt: "We are Mainstream. We assimilate you. Resistance futile!"

Sie laufen den jeweils trendy Hype hinterher wie der Hund im Cartoon, den man eine Gerte auf den Rücken gebunden hat und an das Ende der Gerte vor seiner Schnauze ein Würstchen. Der rennt, bis er vor Erschöpfung zusammenbricht ohne je das Würstchen zu erschnappen.

Was diese Pussies getan haben ist schlicht menschenverachtend. Es ist nicht aufmüpfig, es ist erniedrigend.

Und erniedrigend wie selbsterniedrigend ist alles, was sie tun.

RT berichtet von zwei weiteren ihrer Aktionen, die politisch sein sollen: Gruppensex vor der Kamera in einem Museum. Masturbieren vor der Kamera mit einem Tiefkühlhähnchen in einem Supermarkt.

Das sind noch nicht einmal Aktionen. Das ist einfach nur widerlich. Geben sie bei Google "Sex in Public xxx" ein, sie erhalten Tonnen solcher Videos. Und wenn sie noch nicht völlig abgestumpft sind, wird ihnen von diesen Videos schlecht. In diesen Videos werden die Frauen häufig auch als Pussies bezeichnet. Ist das moderner Feminismus?

Musikerinnen. Sorry, aber ein bisschen mehr als blödsinnig in einer Kirche herumschreien und dazu rumhampeln braucht es doch noch, um etwas als Musik definieren zu können.

Punkband. Bisher war es so, dass man erst einmal ein paar Lieder vortragen musste, um sich als Band bezeichnen zu können. Wenn ein paar 5jährige mit Kochlöffeln auf Töpfen herumschlagen hat das mehr mit Musik zu tun, als das was PR machen, aber es ist immer noch keine Band.

Verkaufen PR sich als Punkband, ist das entweder Hochstapelei, weil sie eine Leistung vortäuschen, das sie nicht erbringen, oder es ist die ultimative Aufweichung der Sprache, in der Worte keinen Inhalt mehr bezeichnen, kein Phänomen benennen sondern in willkürliche Artikulation verdampfen.

In diesem Falle kann man die Sprache als Kommunikationsmittel abschaffen.

Man kann das Wort Punk im Rahmen dessen was er als Bewegung war, definieren:

Die aus dem offiziellen Körper der Gesellschaft Ausgegrenzten artikulieren sich.

Das war Punk in beiden realen Wellen der Bewegung.

Der Louisiana-Punk, die ersten Welle, in dem die Jugend aus dem weißen Südstaatenmittelstand, also der ehemaligen Sklavenhalterklasse, sich mit dem schwarzen, sagen wir hier mal Unterstand, der ehemaligen Sklavenklasse verbündeten und sich somit quasi von ihrem eigenen determinierten Kontext ausgrenzten.

Die zweite Welle, ausgelöst durch einen dissidenten britischen Aristokraten, die bis hin zum obdachlosen Jugendlichen durch alle Schichten der europäischen und amerikanischen Gesellschaft die dissidenten Individuen aus ihrer jeweiligen Schicht herauslöste und zu einer Bewegung formte.

Die Menschen, die von sich sahen, dass sie in dieser kapitalistisch-imperialistischen Gesellschaftsstruktur keine Zukunft haben, sagten: Ich bin! Ich bin was wert! Ich bin ein Individuum! Ich kann was, auch wenn ihr das nicht haben wollt.

Es gab auch andere Strömungen, da die Punkbewegung in sich heterogen war, aber der größte Teil war immer mit der Frauenbewegung solidarisch.

Das liegt in der Natur beider Bewegungen. Denn beide Bewegungen konsistiern wesentlich darin, dass Menschen, die als Individuen nicht wahrgenommen werden um ihre Sichtbarkeit kämpfen.

Die Ursachen unterscheiden sich. Bei den Punks gab es die unterschiedlichsten Gründe. Bei den Feministinnen ist es die Rebellion dagegen zur Fleischware der sexuellen Lust des Mannes und Trägerin seiner Nachkommen, Erben, Stammhalter reduziert zu werden.

Es gab direkte Überschneidungen in Gestalt feministischer Punkerinnen.

Pussy Riot sind von beidem nichts.

Feministinnen machen keinen Porno. Pornos sind Wixvorlagen. Man holt sich einen runter ohne die Frau als Person wahrnehmen zu müssen. Im Porno wird die Frau zur absoluten Ware. Als Arbeitskraft wird sie dafür bezahlt, sich als solche zur Verfügung zu stellen.

Auch wenn ich es als "Kunst" oder als "Politische Aktion" bezeichne bleibt eine Sex in Public Performance Porno. Ich nenne es nur anders. Und wenn es eine politische Aktion ist, dann ist es eine Aktion, die die Verdinglichung der Sexualtität zur Ware propagiert, und damit ist sie das Gegenteil von Punk, der gegen eine gesellschaftliche Ideologie aubegehrt, die den Menschen anhand seines Besitzes definiert, Leben auf Besitzstreben reduziert und die produktive Tätigkeit in den Dienst des Kapitals stellt anstatt Gestaltung von Leben und Umwelt zu sein.

Assange hat sich mit PR verglichen. Das macht ihn zu einem Idioten, der sich als Person outet, die das was sie tut gar nicht überreißt sondern ihrer Eitelkeit unterordnet. An dieser Stelle verweise ich auf die Einschätzung, die Dr. Tarpley vor Monaten über ihn formuliert hatte auf meinem YouTube-Kanal.

Und ich beende diesen Artikel mit einem Film von Abel Ferrara, den ich auf meinen YouTube-Kanal hochgeladen habe.

Ich weiß nicht, ob er bleibt: Ferrara würde es wahrscheinlich eher freuen, dass ich es getan habe, aber vielleicht hat ja die Vertreiberfirma etwas dagegen. Dieser Film ist aber im Handel nicht verfügbar. Also beeilen, wer ihn will.

"Die Frau mit der 45er Magnum"

Dieser Film von 1981 ist die Essenz des Punk als Spielfilm.

Und er war damals bei den Feministinnen beliebt, jedenfalls bei denen, die ich kannte.

 

 

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