Umklammerung

Präsident Janukowitsch's Reise nach China mag ursprünglich als dem Aushandeln von Wirtschaftsverträgen gewidmet, die essentiell für die Zukunft der Ukraine sind, geplant gewesen sein.

In der Tat nehme ich aber an, dass es um weit mehr gehen wird: es scheint keineswegs unzufällig zu sein, dass gleichzeitig mit dem Angriff auf die Ukraine die USA militärische Konfrontation mit China suchen, anders ist es nicht zu interpretieren, wenn amerikanische Kriegsflugzeuge in chinesischen Luftraum eindringen.

Joe Biden ruft die chinesische Bevölkerung auf: "Stellt eure Regierung in Frage, stellt eure Lehrer in Frage, stellt eure religiösen Führer in Frage!"

Ich denke, ich kann mich getrost darauf verlassen, dass die chinesische Bevölkerung die Langnase Biden als einen Wilden mit viel Geld ansieht und er mit solchen Weisheiten jedes Vorurteil, dass Chinesen sich über Weiße gemacht haben, bestätigt. Es gibt natürlich immer auch eine Handvoll "Westler", aber im Wesentlichen darf man sich sicher sein, dass die Chinesen sich vom Westen nehmen, was sie brauchen können und einen Biden als ungebildete Witzfigur belachen.

Anders sieht es mit der Ukraine aus, deren Jugend man nicht vorwerfen kann, dass sie sich bessere Lebensbedingungen für die Zukunft wünscht.

Aber man sehe sich den brutalen Zynismus an, mit welchem EU- und US-Politiker dieses Wünschen ausbeuten, wissend, dass sie diese unwissenden Jugendlichen in das offene Messer treiben.

Der Vierer-Jurist Westerwelle scheint sich schlechte Chancen auszurechnen, nach seinem Abgang aus dem Parlament eine lukrative Position in der Wirtschaft zu bekommen. Sein Spaziergang mit dem Klitschko-Brothers als Demounterstützung ist so eklig, dass man eigentlich meinen müsste, wer so handelt kann in keinen Spiegel mehr sehen. Oh, ein Bonmot nebenbei: es sind die Mitglieder der Partei "Swoboda", die in Kiew Jagd auf Homos machen und es ist unwahrscheinlich, dass Deutschlands ranghöchster Homo sich dessen nicht bewusst ist.

Aber es kommt nie auf Inhalte an: sagen wir, das Bündnis aus Partei der Regionen und Kommunisten wird zur Aufgabe gezwungen und ein Bündnis aus Klitschkos Konrad Ademauer-Partei, Timoschenkos Günstlingspartei und Faschisten übernimmt die Macht: sie werden es keinesfalles zur Regierungsfähigkeit schaffen, sondern sich von dem Moment an, da es um Postenverteilung geht, gegenseitig die Augen auskratzen (to say the least).

Amerikanische und europäische Bürokraten werden nach dem Vorbild Russland-zur-Jelzinzeit mit jedem, der sich schmieren lässt, und das werden alle sein, die auf einen hohen Posten hoffen, Verträge durchdrücken, die die Ukraine zum NATO-Aufmarschgebiet machen und Russland von der Krim vertreiben.

Der Rest ist Chaos und Unsicherheit.

Umso besser: die Position der Ukrainer wird so schwach sein, dass sie alles, was von Wert ist und nicht niet- und nagelfest verkaufen, für Geld, das nicht lange reicht und schon gar nicht für den Start in unternehmerisches Handeln reicht. Und unternehmerisches Handeln ist es, was unseren ukrainischen Erst- und Zweitsemestern vorschwebt.

Westliche Konzerne werden investieren. Ukrainer sind zwar ein bisschen teurer als Chinesen, aber die Vorteile liegen langfristig auf der Hand: günstigere Transportkosten und die Abhängigkeit von China reduziert sich. China drängt zu stark als eigenständige Wirtschaftsmacht auf den Weltmarkt. Der Ukraine wird das nicht gelingen, wenn der gegenwärtige Staat erst einmal zerschlagen ist.

Die rohstoffreichen Gebiete und die touristisch interessanten Gebiete werden umso billiger, je unsicherer die Lebensbedingungen sich gestalten. Baggers can't be choosers. Die Kredite des IWF verteuern die Lebenserhaltungskosten um 40% schätzen Wirtschaftsfachleute, nicht nur die Energiekosten; Krankenhäuser und alle anderen Staatsbetriebe werden privatisiert, was bedeutet, sie werden von westlichen Investoren aufgekauft. Banken werden den einen oder anderen Kredit vergeben – der nie zurückgezahlt werden kann – das soll er auch gar nicht, das ukrainische Unternehmen soll der Bank verfallen.

Rund die Hälfte aller Staatsbediensteten wird arbeitslos.

Die Hoffnungslosen werden die westlichen Botschaften belagern um Visa zu erhalten.

Und so weiter und so fort.

Es ist alles so einfach vorherzusehen. Nur nicht für junge urbane Ukrainer.

Skull&Bones-Kerry hielt eine Bevormundungs-Rede an die ukrainischen Behörden, dass Gewalt gegen Demonstranten in einer modernen, demokratischen Gesellschaft keinen Platz habe.

Also – so viel Geduld und Entgegenkommen, wie die Ukrainischen Autoritäten den Aufständischen gegenüber, das habe ich ja noch nie gesehen!

Man stelle sich vor, in Washington würden Kongressentscheidungen ignoriert, der Sturz der Verfassung ausgerufen, Regierungsgebäude angegriffen, der Verkehr lahmgelegt, Polizisten und Passanten mit Steinen und Waffen attackiert: da können wir aber sicher sein, dass die Nationalgarde mit Panzern und Maschinenpistolen aufmarschiert!

Und was würde geschehen, wenn lateinamerikanische Politiker durch die Stadt laufen und zum Sturz der amerikanischen Regierung aufrufen, angeheizte Situationen noch weiter anheizen, Logistik und Geld in den Aufstand pumpen, in besetzten öffentlichen Gebäuden ein und ausgehen und den Aufständischen die Unterstützung zusichern?

Ich nehme an, die USA würden schlicht deren Herkunftsland von der Erdoberfläche bomben, mindestens auf Panama-Niveau.

Ich habe keine Quellen, die mich mit Infos versorgen, was Janukowitsch in China erreicht oder bespricht.

Aber die Situation, die im Falle seiner Niederlage das Ende der Ukraine bedeutet, aussitzen, wie unsere Presse ständig lamentiert, das wird er sicher nicht.

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