Third Person – Realität und Wahrnehmung

Nun, ich glaube nicht an Objektivität!

I

Sie ist eine akademische Erfindung, und glaubt man an einen Schöpfer des Universums, so wäre dies die einzige Kreatur, die der Objektivität fähig sein kann.

Objektivität ist der moderne Irrglaube oder Aberglaube.

Sie ist meines Erachtens eine Folge des Cartesianismus, ein menschlicher Größenwahn, der als Reflex auf den christlichen Totalitarismus des Abendlandes entstanden ist.

Der Glaube, der dem Christentum entgegengesetzt wird läuft unter dem Namen Wissenschaft, Methoden, die ständig damit befasst sind, Irrtümer mit neuen Irrtümern zu korrigieren.

Selbst die vermeintlich exakten Wissenschaften wie die Physik stoßen sehr schnell an die Grenzen der Wahrnehmung.

Physiker wie Schrödinger und Heisenberg haben nachgewiesen, dass die aller Technologie zugrunde liegende Physik physikalisch falsch ist.

Es handelt sich um Modelle, die funktionieren, und eine Sprache, in der die Ingenieure kommunizieren können, um ihre Arbeit zu machen.

Dagegen gibt es natürlich gar nichts einzuwenden; bedenke ich, dass ich gestern mit meinem alten Corolla aus dem 20.Jh. durch die wütendsten Stürme Bayerns mit 140 kmh über die Autobahn brausen konnte, so muss ich sagen, die Ingenieure haben bei der Konstruktion des Fahrzeuges gute Arbeit geleistet ebenso wie die Arbeiter bei der Produktion des Fahrzeuges.

Die Arbeit schreitet voran, das aktuelle Nachfolgemodell ist noch dutzendmal besser.

Flugzeuge fliegen um die Welt und wenn sie abstürzen hat das meines Überblicks nach nie zur Ursache, dass sie fehlerhaft konstruiert wurden.

Andere Geräte, deren Herstellung höchste Präzision erfordern, Saiteninstrumente etwa, wurden schon gebaut ehe die Physik als Wissenschaft wesentlich wurde. Die Geigen, mit denen Julia Fischer oder Hilary Hahn arbeiten, wurden von Handwerkern gebaut, die ihre Arbeit ebenso ernst genommen hatten wie die genannten Solistinnen und nicht von Wissenschaftlern.

Andere Wissenschaften sind schon etwas problematischer, entbehren aber nicht der Berechtigung, wie zum Beispiel die Sprachwissenschaften.

Natürlich macht es Sinn, die Sprachen der Menschen zu analysieren und die Ergebnisse zu systematisieren.

Hier fängt aber bereits ein Problem an, das die sogenannte Wissenschaft erzeugt: die Dogmatisierung der Sprache!

Beispiele:

1. Im Schulunterricht wird oft ( es gibt auch sehr gute Lehrer, die andere Ergebnisse erzielen, was aber an ihren individuellen Fähigkeiten als Vermittler liegt) das Dogma eingepflanzt, die Verwendung der Materie aber unterdrückt. So hat man den Widerspruch, dass Schüler zwar gute Noten, sagen wir in Englisch haben, aber nicht in der Lage sind, auf Englisch zu kommunizieren oder englische Texte so zu lesen, dass sie den Inhalt erfassen. Sie haben das System verstanden, aber nicht den Sinn.

2. Ich schreibe in einen Text die Formulierung: "Das stimmt nix!" um auszudrücken, dass eine Aussage, mit der der Text sich beschäftigt,  falsch war. Eine Türkin liest es und macht sich lustig, da würde ja ihr kleiner Neffe wissen, dass man das nicht so schreibt.

Tatsächlich entstammte die Formulierung genau so von einem jugoslawischen Arbeiter, der sie in einer konkreten Situation gebraucht hatte, ich hatte sie also der lebendigen Sprache entnommen und in den Text eingefügt, weil es im Kontext für mich Sinn ergeben hat, so zu verfahren und nicht die hochdeutsche Formulierung "Das stimmt nicht" anzuwenden.

Das konnte die Türkin nicht wissen, es hat sie auch nicht interessiert, sie wollte prahlen, als Türkin einen Deutschen in der Anwendung seiner Muttersprache übertreffen zu können, was genau genommen eine tragikomische Situation war. Ich habe schon häufiger erlebt, dass Ausländer den Sprachgebrauch von Deutschen nicht verstehen, aber glauben, sie müssten Deutsche in der Verwendung ihrer eigenen Sprache schulmeistern, eine Sache, über die man sich auch ärgern kann und eine Sache, die nur Deutsche sich gefallen lassen. Engländer etwa würden einen Ausländer, der ihr Englisch verbessert schlicht auslachen!.

Ähnliches ist mir mit einer Ukrainerin passiert, als ich in einem Text die Endung -heit/keit in dem Sinne verwendet hatte, wie Martin Heidegger das machte. Sie kommentiert das prompt mit: "Das ist kein deutsches Wort, weil es steht nicht im Duden!" Nachdem sie nachgeschlagen hatte, versteht sich.

Nein, wir sind keine Engländer, wir übergehen so eine Anmaßung höflich.

3. Es gibt einen deutschen Horrorfilm mit dem besonders deutschen Titel "Lost Place".

Die Geschichte selbst ist nicht besonders originell, sie wurde schon oft erzählt, aber mir hat dieser Film wirklich gut gefallen! Das lag vor allem daran, dass die SchauspielerInnen völlig natürlich reden, wie man eben in der Gegend, aus der sie kommen redet, und kein Schauspielschul-Hochdeutsch. Wäre letzteres der Fall gewesen, wäre der Film zu nichts weiter geronnen als eine nicht erwähnenswerte Imitation eines amerikanischen Drehbuchs.

Die Dogmatisierung der Sprache ist auch noch nicht besonders alt, sie entstand um den ersten Weltkrieg herum, und bedeutet vor allem eine Verstümmelung der Sprache.

Interessant ist dabei auch der Fakt, dass mit zunehmender Dogmatisierung der Sprache das Niveau der Literatur in der Breite betrachtet proportional abnimmt. (In der Breite, Ausnahmegenies wie der literaturgeschichtlich betrachtet erst kürzlich verstorbene Thomas Bernhard sterben natürlich nicht aus, was meine Aussage aber nur bestätigt, denn die literarisch interessanten Arbeiten im Deutschen kommen in absoluten Zahlen viel häufiger aus dem weniger dogmatischen Österreich als aus dem wesentlich bevölkerungsreicheren Deutschland.)

Oder ist das kein Fakt sondern nur meine subjektive Wahrnehmung?

Gänzlich abgleiten in das Reich des Herumphantasierens tut die Wissenschaft (und nein, das ist kein schlechtes Deutsch sondern absichtlich so ausgedrückt) in akademischen Disziplinen des Typs Psychologie, Soziologie, etc.

In einer Abhandlung eines nahmhaften Psychologen, ich habe leider vergessen, wer das jetzt war, es ist zu lange her, über Siegmund Freud bin ich auf den Satz gestoßen "Siegmund Freud war ein schwacher Theoretiker aber ein guter Arzt", der trotz seiner Theorien bei seinen Patienten hervorragende Ergebnisse erzielte. Der Abhandler psychologisiert das dahingehend, dass Freuds Theorien diesem halfen, seine Arbeit zu machen, quasi als Stützgeländer, aber nicht auf andere Ärzte übertragbar seien.

Ich bin kein Arzt, ich kann das nicht beurteilen und es trägt diese Anekdote zu meinem Text hier auch nicht viel bei, sie soll nur darauf hinweisen, dass die Betreiber dieser Disziplin sich über die theoretische Grundphilosophie, mit der sie arbeiten, gänzlich uneins sind.

Ich urteile als einer, der schon mal auf der Couch  lag – bildlich gesprochen, versteht sich, denn in Wirklichkeit saß ich immer auf unbequemen Stühlen.

Haben Sie schon mal eine Therapie gemacht?

Nun, ich schon.

Anfangs habe ich über Tatsachen zu reden versucht, es stellte sich aber schnell heraus, dass diese Leute nichts kapieren von dem, was ich sagen will, im Gegenzuge aber versuchen mich nach angelernten Schemata, die sie für unumstößliche Weisheit ihrerseits halten, zu manipulieren.

Widerspricht man ihnen, werden sie ärgerlich und das Gespräch wird zäh.

Gibt man ihnen recht sind sie glücklich und das Gespräch wird kurz.

Nach einer Weile bin ich dazu übergegangen, ihnen kompletten Bockmist zu erzählen und mich an ihrer Dünkelhaftigkeit im Reagieren darauf zu ergötzen.

Auf Dauer verliert das seinen Reiz, vor allem, wenn man bedenkt, wie teuer diese Leute sind und man wesentlich günstiger wesentlich bessere Shows haben kann.

Aber es gibt durchaus Leute, die mir versichert haben, die Gespräche mit Psychologen konnten ihnen sehr helfen.

Möglicherweise mag das Studium der Psychologie für andere Dinge durchaus Nutzen haben: der Horror-Regisseur Wes Craven hatte Psychologie studiert ehe er im Filmgeschäft anfing.

Ich denke schon, dass das zu seinen Erfindungen von Figuren und Szenen beigetragen hat. Aber die sind ja zum Glück nur Reflexion von Realität und keine Realität.

Journalismus kann man auch studieren, muss es aber nicht, und das ist nun als akademische Disziplin gänzlich der Griff ins Klo!

Das Studium des Journalismus soll dem Journalisten den Nimbus des Objektiven verleihen.

Ich habe noch nicht einmal den Anspruch an Journalisten, objektiv zu sein, weil ich eben an Objektivität nicht glaube.

Ich beanspruche aber Fairness von ihnen. Oder der Journalistin.

Ein Journalist kann nur die Informationen verarbeiten, die ihm zugänglich sind. Diese reflektiert er unter vielerlei subjektiven Gesichtspunkten.

Alleine, wenn ein Gesprächspartner ihm sympathisch ist, neigt er mehr dazu, ihm Glaubwürdigkeit zuzubilligen als einem, den er nicht mag.

Er ordnet und gewichtet Informationen gemäß seines Weltbildes, seiner Vorerfahrungen etc., das kann ein Mensch nicht abstellen und soll es auch gar nicht.

Auf diese Weise kann die Presselandschaft in unterschiedlichen Medien unterschiedliche Gesichtspunkte darstellen, und die Konsumenten haben die Möglichkeit, aus diesen unterschiedlichen Darstellungen ihr eigenes Bild herauszufiltern.

Das Parteibuch verweist mal wieder auf einen Fall, in dem die Tagesschau die Wirklichkeit aber wieder derart geradezu vergewaltigt, dass es nur mehr als skandalös bezeichnet werden kann!

https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2015/04/02/jemen-kurz-zensiert-von-der-deutschen-marchenschau/#more-14206

Und wenn ein Tageschausprecher allen Ernstes im neuesten Krieg der freiheitlich-demokratischen Menschenrechtler, diesmal in Gestalt der Saudis, die Aggressoren in einem Angriffskrieg als "saudische Verteidiger" bezeichnet, dann macht sich diese Kreatur zum schreibtischtäterischen Kriegsverbrecher!

Wie mein Zitat von der Deutschen Presse Agentur im vorherigen Beitrag zeigt, wissen deutsche Journalisten sehr genau was im Jemen geschieht!

Die dpa äußerte sich zu Jemen fair!

Also weiß es auch dieser jämmerliche Fernseh-Fuzzi!

 

 

 

II

So, nun weiß man zwar ziemlich viel darüber, was ich mir zum Thema Realität und Wahrnehmung denke, hat aber noch keinerlei Hinweis darauf bekommen, warum der Titel mit "Third Person" anfängt.

Tja, das ist ein Film, den ich mir diese Woche angesehen habe! In Horrorfilmen kann ich mir wirklich alles ansehen, was der kranken Phantasie entspringt, es kann mir nichts anhaben, weil ich mir immer bewusst bin, dass es Quatsch ist. Sie reizen die Nerven, erzeugen Schrecksekunden, Grusel oder Ekel, sofern sie gut sind, sie dienen vor allem meiner Unterhaltung.

Third Person plätschert dahin, ohne dass viel geschieht, aber hinterlies bei  mir einen sehr flauen Magen!

Liam Neeson spielt einen Schriftsteller bei der Arbeit.

Der Film beginnt mit Liam Neeson am Schreibtisch und endet mit Liam Neeson am Schreibtisch.

Die Geschichten, die dazwischen passieren, sind ein Gewebe aus den Phantasien, die er zu Papier bringt, oder, wie das heute ausgedrückt werden müsste, in den Rechner, und seinen Erlebnissen, die zu den Geschichten führen, wobei der Zuschauer nicht unterscheiden kann, was Fiktion und was Erlebtes ist.

Mila Kunis spielt ein Mädchen, das es immer von Herzen gut meint, aber derart verspult ist, dass ihr nichts gelingen kann.

James Franco scheint mir ein imaginärer Alter Ego Liam Neesons zu sein.

Vor allem beeindruckend und nachwirkend fand ich aber den Charakter von Olivia Wilde. Die ist mir bislang nicht besonders aufgefallen bis auf dass sie bemerkenswert hübsch ist, was bei Hollywood-Frauen nun nicht gerade zu den seltensten Eigenschaften zählt, in diesem Film aber spielt sie ein Frauen-Opfer der krassesten Sorte, und das dermaßen plastisch lebensecht, dass mir zwischenzeitig durch den Kopf ging "Der wird es doch hoffentlich im wirklichen Leben nicht auch so ergangen sein!".

Die Geschichte mit Olivia Wilde wäre für mich gar nicht aushaltbar gewesen, würde nicht eine weitere Geschichte, die eigentlich auch nicht nett ist aber irgendwie eben doch nett ist, dazwischengestreut, in der Adrian Brody als amerikanischer Angeber in Rom auf eine Zigeunerin trifft.

Ein Zuschauer eines Filmes neigt dazu, sich mit der Hauptfigur des Filmes zu identifizieren, und Liam Neeson führt einen da wirklich in einen üblen Abgrund!

Sie können am Ende des Filmes die Frage, was er getan hat und was er nur ausgedacht hat, nicht beantworten, denn Sie können die Realität seines Charakters nicht herausfiltern.

Sie bleiben, sozusagen, auf Ihrer subjektiven Wahrnehmung sitzen!

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In diesem Sinne wünsche ich eine frohe Ostern und ich wünsche sie auch unseren Journalisten.

Denen gebe ich noch den Rat mit: Sie glauben natürlich nicht an die Auferstehung Christi, und Sie glauben auch nicht daran, dass Hasen Schokoladeneier legen.

Aber halten Sie sich vorsichtshalber trotzdem an das 9.Gebot: "Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!"

Wissen können Sie es nämlich nicht, ob Sie nicht am Ende doch vor einem Gott stehen, der Rechenschaft von Ihnen verlangt! Sie vermuten nur, es wäre nicht wahr, so, wie Christen nur vermuten, es sei wahr!

 

 

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