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  • Der 3. Weltkrieg als notwendiges Ergebnis des westlichen Freiheitsbegriffes

    Ein wesentliches Problem der Kommunikation, das die Erkenntnistheorie nur feststellen kann aber für das es keine Lösungsansätze gibt, ist, dass man eine Erkenntnis aus dem Zustand der Realität nur einer Person vermitteln kann, welche die Erkenntnis bereits selber gemacht hat und sie nur noch nicht symbolisch umsetzen kann.

    Mit Symbol meine ich hier durchaus Sprache, Bild, Ton.

    Sprache, füge ich hier der Ergänzung an, besteht auch nur aus geordneten Symbolen. Ein Wort ist ein Symbol, eine Grammatik eine Ordnung.

    Ein Musikstück besteht aus akustischen Symbolen, ein Motiv, ein Thema, eine Melodie oder die Instrumentation wirken dadurch, dass sie Assoziation hervorrufen, mit etwas, das dem Hörer dadurch symbolisiert wird. Weshalb ja Musik, die nicht auf der dur/moll-Tonalität basiert nur einen sehr begrenzen Kreis Hörer erreicht, wohingegen rein industriegefertigte Schlager, die gar nicht musikalisch gebaut sind sondern auf psychologische Reflexe spekulieren No 1 Hits werden können.

    Und auf gleiche Weise wirkt das Bild als optisches Symbol. Wir alle kennen das Bild vom ausgemergelten Mann hinter Gezäun aus Bosnien, welches zur Kriegsvorbereitung gegen Jugoslawien eingesetzt wurde. Tatsächlich war es nur ein dünner Mann in einem Zeltlager der am Zaun steht, der Betrachter wurde aber sofort an Menschenvernichtung in KZs erinnert.

    Kommunikation ist der Austausch von Symbolen wage ich jetzt mal zu behaupten. Was denn eine der häufigsten Ursachen vieler Kommunikationsprobleme erzeugt: die Beteiligten an der Kommunikation verknüpfen die Symbole unterschiedlich.

    Der Prozess der Verknüpfung ist unbewusst und findet in blitzartigen Zeiträumen statt.

    Es gib weit mehr Ursachen für Kommunikationsstörung, aber die gehören jetzt nicht hierher.

    Und das ist das Problem, das wir haben, wenn wir gegen Propaganda anreden. Ein Mensch muss der Propaganda bereits misstrauen, wenn er an die Realität, welche durch die Propaganda verfälscht wird, herangeführt werden soll/will.

    Symbole funktionieren danach, wie sie auf Gewohnheiten beruhen.

    Als Beispiel wieder das Bild des bosnischen Mannes:

     

     

    Würden wir nicht täglich in irgendeiner Weise mit der gängigen Vorstellung über die NAZIzeit konfrontiert, wäre dieses Bild als Instrument der Kriegsvorbereitung nicht in entsprechender Weise wirkungsvoll.

    Wer von NAZIzeit gar nichts weiß, könnte schlicht einen ausgemergelten Mann am Zaun sehen. Wer in einem äthiopischen Flüchtlingslager aufgewachsen ist, sieht einen unterernährten Menschen in einem Lager.

    In einem Artikel, der auf „Arbeiterfotografie“ zu finden ist, beschreibt  Thomas Deichmann den Hintergrund des Bildes folgendermaßen:

    “Im mehrstündigen Filmmaterial, das aufgenommen und tags darauf in Budapest bearbeitet, nach London gesendet und abends ausgestrahlt wurde, fanden sich auch Aufnahmen von Gesprächen der Journalisten durch den Stacheldrahtzaun hindurch mit Muslimen, darunter Fikret Alic. Diese Aufnahmen, die den Eindruck erweckten, das Lager sei von Stacheldraht umgeben, kamen zustande, indem Marshall und ihr Kameramann Irvin von einer Strassengabelung von Süden her das mit Stacheldrahtzaun umzäunte Grundstück betraten. Dort gab es vor dem Krieg Agrargüter zu kaufen, und auch Baugeräte wurden dort früher untergebracht. Um das Material vor Diebstahl zu schützen, wurde lange vor dem Krieg ein Stacheldrahtzaun errichtet. Die Journalisten passierten zunächst das Trafohäuschen und die Scheune und näherten sich dann dem Stacheldrahtzaun an der Nordseite, wo sich rasch Neugierige versammelten. Vom Innenbereich dieses Grundstücks wurden die berühmten Aufnahmen gemacht.“

     

    Die beiden Begriffe, mit welchen heutzutage schlicht alles begründet wird, sind Demokratie und Freiheit.

    Damit das hier nicht zu lange wird, beschränke ich mich auf den Begriff der Freiheit. Sie wollen ja heute auch noch etwas anderes lesen, und nicht nur die Exegesen des Herrn Johannes Löw.

    Für sich genommen ist dieser Begriff so sinnfrei, dass er mit jedem beliebigen Inhalt gefüllt werden kann.

    Freiheit an sich meint nur die Abwesenheit von Begrenzungen oder Zwängen.

    Damit drückt die Tatsache des Wortes bereits eine Unfreiheit aus, weil es zwingend nach einem Kontext verlangt: die Freiheit wovon und die Freiheit wofür.

    Als erstes unterliegt der Mensch dem Zwang zu essen und zu trinken.

    Wird der menschliche Körper schlecht genährt, leidet er Schaden, wird er gar nicht genährt, geht er ein. Damit ist dem Menschen von Natur aus ein Zwang gesetzt.

    Weitere Zwänge sind etwa, dass der menschliche Körper nur unter bestimmten Temperaturen funktionieren  kann und folglich nur bestimmte Umgebungen verträgt. Er verträgt nur eine gewiße Elememtardichte, so beschädigt es ihn, zu lange im Wasser zu sein und allzulange zerstört ihn.

    Wir sind daran gewöhnt, Westen hieß Freiheit und Demokratie, Osten hieß Unfreiheit und Diktatur.

    Tatsächlich galt in der UdSSR nur ein anderer Begriff von Freiheit:

    Als erste Pflicht hatte der Staat für die gesamte Bevölkerung Ernährung, angemessene Kleidung und Wohnraum sowie medizinische Versorgung zu gewährleisten.

    Als zweite Pflicht hatte der Staat nach seinen Möglichkeiten den Individuen eine Bildung zu ermöglichen/vermitteln, durch die sie ihre Fähigkeiten optimal entwickeln können.

    Durch die Sicherung dieser beiden Grundlagen der menschlichen Existenz waren aus sowjetischer Sicht wesentlichen Grundlagen erfüllt, die eine „Glückliche“ Gesellschaft ermöglichen. Was diese beiden Grundlagen angreift musste durch die Sicherheitsorgane abgewehrt werden.

    Der Gewährleistung dieser beiden Freiheiten war das gesamte Wirtschaftssystem untergeordnet.

    Was darüber hinaus an Wünschen und Bedürfnissen auftaucht galt als zweitrangig und konnte angegangen werden solange die erstrangigen Punkte gesichert sind.

     

    Die westliche Idee von Freiheit ist dagegen recht simpel: Du kannst alles tun oder konsumieren, was du dir leisten kannst. Der Schwerpunkt liegt aber nicht auf „alles tun und konsumieren“, er liegt auf „sich leisten können“.

    Damit wird das gesamte Leben konsumiert vom Streben nach „sich leisten können“.

    Und zwar buchstäblich das gesamte Leben: Lebenszeit, Energie, Beziehungen, Interessen, Wünsche, Umwelt etc. Sie kennen das: sie kaufen sich etwas, was sie schon immer wollten, sagen wir ein Musikinstrument das sie lernen wollen. Sie haben aber gar nicht die Möglichkeit es zu nutzen, weil ihnen Zeit, Konzentration, Energie usw fehlt, da sie arbeiten. Sind sie arbeitslos haben sie das Geld nicht, es sich zu kaufen, Unterricht zu bezahlen etc.

    Wohingegen die UdSSR auf einem Verteilungssystem beruhte, beruht der Westen auf Verteilungskämpfen.

    Ein weiterer Effekt ist, dass dadurch die gesellschaftliche Ideologie dominiert wird von jenen, die das Streben nach „sich leisten können“ am erfolgreichsten bewerkstelligen.

    Leistung bedeutet in diesem Zusammenhang: erfolgreich Verteilungskampf führen. Sie können andere Maximen haben, die nutzen aber nichts, weil sie der Realität nicht standhalten.

    Und die Erfolgreichsten können sich den Staat leisten. Sie müssen sich sogar den Staat kaufen, denn das ist Bestandteil der Absicherung ihres Erfolges.

    Die Verteidigung des Erfolges ist zwangsläufige Notwendigkeit, da ja eigener Besitz und eigene Macht auf relativer Besitz- und Machtlosigkeit der Anderen beruhen.

    Anders ist es gar nicht bewerkstelligbar, da Ressourcen und Territorien begrenzt sind und somit eine neuerliche Unfreiheit manifestieren.

    Somit sind moralische Appelle, man möge doch bitte nicht so gierig sein, kompletter Unsinn, da die Aufgabe des permanenten Erweiterns und Verteidigens des Besitzes und der Machtposition den eigenen Untergang generiert – die anderen Verteilungskämpfer nehmen mir was mein ist, sobald ich irgendwo stehenbleibe.

    Logischerweise wird denen zuerst genommen, deren Machtmittel am geringsten sind, also welche sich nur die jeweils schwächeren Verteidigungsmittel leisten können.

    Dadurch entsteht die Auslöschung des Individuums, da es gezwungen ist, sich dem anzupassen, was im Verteilungskampf wirksam ist.

    Die Individuen werden selbst Besitz, welcher von denen, die sie besitzen können nach Bedarf verwendet oder abgestoßen werden, verliehen, verkauft oder ganz weggeworfen, es sei denn, es gelingt ihnen ihren Besitzer zu übertrumpfen, bzw. zu übertölpeln, egal wie ihn zu stürzen und sich selbst untertan zu machen.

    Daheraus erhellt auch der Satz des Sokrates: „Keine gute Tat bleibt ungestraft!“ – die „Gute Tat“ ist per se selbstlos und stärkt dem potentiellen Feind im Verteilungskampf, bzw. hilft ihm aus einer Notlage. Im Verteilungskampf gilt: „Was fällt, das soll man auch noch treten!“

    Man darf organisierte Wohltätigkeit (Charity) nicht mit guten Taten verwechseln; organisierte Wohltätigkeit ist Investition in die Verwirklichung eigener Interessen.

    So gesehen hatte das System der UdSSR größere Freiheit garantiert: der Mensch war Teil eines Organismuses: der Nation, ihrer Wirtschaft und ihres Staates, aber als Individuum war er frei. In diesem System ist es egal ob einer Müllabfuhr macht oder Universitätsprofessor, Klemptner oder Komponist, jeder leistet zeitlich begrenzt seinen Beitrag zum Funktionieren des Organismus und kann seine Freizeit nach den vorhandenen Möglichkeiten gestalten.

    Tatsächlich ist der Mensch immer Teil eines Organismuses, und wenn es nur der Planet ist, welcher ein Organismus ist, der Teil eines noch größeren Organismuses, dem Universum ist, usw.

    Aber das Sowjetsystem hatte schlicht den Privatbesitz am Menschen ausgeschaltet.

    Anbei bemerkt: ob die UdSSR als Sozialismus zu bezeichnen sei oder was auch immer oder auch nicht ist mir ziemlich egal; das ist eine Studentendebatte auf die es in der Realität in keiner Weise ankommt.

    Solange es den Ostblock unter der Führung der UdSSR gab und den Westblock unter der Führung der USA war den Verteilungskämpfen eine Grenze gesetzt.

    Auch in den den jeweils anderen Block betrefflichen Doktrinen war die Prinzipielle Definition des Systemes ausgedrückt: der Kalte Krieg war die Doktrin des Westens. Die Friedliche Koexistenz seit Chruschtschow die Doktrin des Ostens. Man kann auf die Idee kommen, dass Stalins Klassenkampfrhetorik hier im Grunde mehr Weitsicht verrät, in der Hinsicht, dass er sich dessen bewusst war, dass die UdSSR und ihr Einflussgebiet selbst Akteur des Verteilungskampfes ist und sobald sie aufhört um die Vorherrschaft zu ringen von den Gegnern niedergerungen wird.

    Der Krieg wurde heiß, indem die Einflusssphäre Moskaus dem System der Verteilungskämpfe untergeordnet wurde. Weil es ja klar ist, dass die neuen Mitspieler im Verteilungskampf sich nicht tatenlos unterwerfen und plündern lassen, sondern selbst sich den Bedingungen anpassen werden. Die Menschen des ehemaligen Ostblocks haben keinen Nutzen daraus, die Einschränkungen des Sowjetsystemes abzuschütteln um willenlose Sklaven des Wesens zu werden.

    Wie sagt Darvin: „Nicht die Art wird überleben, die am Stärksten oder am Intelligentesten ist, sonder diejenige, welche sich Veränderungen am schnellsten anpassen kann.“

    Die Eskalation dieser Verteilungskämpfe in einem Weltbrand ist seither nur mehr eine Frage der Zeit.

     

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