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  • Die Wiederherstellung der Ordnung in Ägypten löst unter Washingtons Nomenklatura Panik aus

     

    Die unheilige Allianz aus Moslembrüdern, westlicher Presse, Washington und linksintellektuellen Revolutionsromantikern hatte so gehofft: ein Freitag der Märtyrer als Antwort auf die Haftentlassung Husni Mubaraks!

    Da werden wieder die Knochen krachen, das Blut spritzen und Panzer rollen, dass es eine Freude ist, davon zu berichten!

    Nun, einen Toten hat man der Presse freundlicherweise gegönnt. So sind sie halt die Ägypter: man schlägt einen angetragenen Gefallen nie zur Gänze aus, das wäre unhöflich.

    Aber das, was geschehen ist, hat unsere Berichterstatter so baff werden lassen, dass sie nahezu verstummten.

    Der Spiegel kriegte sich als erster wieder ein und erklärt die Ruhe im Land mit: Angst schleicht durch die Straßen.

    Was war denn geschehen: eine Studentengruppe, die sich einfallsreicherweise nach einem Datum benennt zog ihren Demoaufruf unter fadenscheinigem Vorwand zurück.

    Von dem hätte ohnehin keiner etwas bemerkt, wenn er von westlicher Presse nicht so gehyped worden wäre.

    Landesweit formierten sich nach den Freitagsgeben etwa 2000 Moslembrüder zu Märschen. Die wurden in Artikeln zu mehreren tausend aufgebläht – keine Lüge, denn 2 sind mehrere 1sen, nämlich 2 davon.

    In Kairo waren es knapp einmal um die 100 Brüder, die blieben von den Sicherheitskräften völlig unbehelligt, als sie jedoch durch Shoubra (شبرا‎)marschieren wollten, wurden sie von den Einwohnern nach Strich und Faden zu Brei geschlagen.

    Damit dürfte ihnen nun endgültig klar geworden sein, dass sie lieber die nächste Zeit die Fresse halten.

    Sogar die ehemalige Spokeswoman der Moslembrüder für englischsprachiges Publikum, weil schließlich weiß man ja, dass man besser Frauen vorschickt, will man sich die Gunst westlichen Publikums erhalten, das werden ihnen die amerikanischen Kommunikationswissenschaftler, welche die PR des Vereins managen, schon eingetrichtert haben, die ausgerechnet von RT ihre Bühne bekommt, nennt sich jetzt lieber „political analyst“. Und freilich mildert es das Flair der ideologisch verordneten Frauenschänderei etwas ab, wenn irgendeines Moslembruders Töchterlein den Kakao, durch den sie gezogen wird auch noch im alternativen Medium trinkt.

    Ja, die lieben Frauen und der Freitagnachmittag des 23. August 2013. In den modernen Stadtvierteln wie Heliopolis ist die Jeanshose heute für sie nicht mehr haram.

    In den Arbeitervierteln treffen sich wie eh und je die Männer in den Straßencafés, rauchen Shisha und quatschen irgendetwas und die Ladies besuchen sich gegenseitig in ihren Wohnungen.

    Für die Schlägerei in Shoubra interessiert sich kaum wer. In einer Stadt mit, einschließlich Dunkelziffer und Palästinenserlager am Stadtrand, um die 18 Millionen Einwohnern ist eine kurze Randale irgendwo kein großes Ereignis.

    Unsere Weltrevolutionäre dürften erstaunt sein, wie unbeliebt vom Ausland über Unis implementierte Revolutionen beim gemeinen Volk sind.

    Man kann, wie unsere Presse, die Entlassung Mubaraks als Zeichen werten, wie es die attraktive junge Britin Bel Trew auf RT tut gleich Springers Blättern, dass das Rad der Zeit, wie man die Revolution gemeinhin in akademisch angehauchten Kreisen sich vorstellt, zurückgedreht wird. Man kann es aber auch, und sorry, Leute, die ihr so gerne von Revolution in fernen Ländern träumt, als die simple Wiederherstellung  des Normalzustandes interpretieren, was die meisten Leute in Kairo tun.

    Zu diesem Normalzustand hatte Jahrzehnte lang eben auch Mubarak gehört. Er war nicht der beste Präsident, er war nicht der schlechteste Präsident, er war halt einfach Präsident, weil immer irgendeiner Präsident ist.

    Kein Nasser. Der war ein Idol, ein Popstar, ein Held, der dem alten Volk der Ägypter das Selbstbewusstsein zurückgegeben hat, das sie sich in ihrer immensen Geschichte verdient hatten.

    Mursi war ein Hochstapler und Usurpator. Ein Niemand. Und dazu ein gefährlicher Fanatiker, der sich in die Belange der Einzelnen einmischt.

    Mubarak stand bis zu jenen verhängnisvollen Tagen am Tahrir einfach nur für leben und leben lassen. Nichts Spektakuläres und auch nicht das schlechteste.

    Und es ist genau diese Ruhe. Diese Gemütlichkeit des Freitagabend, die man in Kairo so wertschätzt, was in Washington Red Alert auslöst!

    DIE BEVÖLKERUNG ÄGYPTENS BESTREIKT DIE REVOLUTION!

    Ein paar Studenten meckern noch, wenn ein ausländisches Fernsehteam sie interviewt; das gehört zum guten Ton.

    Aber eigentlich freuen auch die sich schon darauf, zu ihren Vorlesungen und Büchern zurück zu kehren. Möglicherweise wird ja das Nilprojekt, das „Mubaraks“ Ingenieure in Verarbeitung der Erfahrung des „Great Man Made Rivers“ in Libyen seit Jahren entwickeln, nun wieder aufgenommen. Dann gibt’s auch wieder eine Menge guter neuer Jobs in Ägypten, für sie und für die Arbeiter, denn daran herrschte ja nun wirklich Mangel.

    Gibt es keine Revolution mehr, dann gibt es auch für Washington, Paris und London keine kraft ihrer Menschnrechtshyperentwickeltheit moralische Verpflichtung mehr, die zu Stobe geworfene Menschheit vor gar finsteren Tyrannen zu retten!

    Und exakt aus diesem Grunde legt man jetzt den einzigen Trumpf auf den Tisch, der übrigblieb und den man sich vorsorglich unter der Bezeichnung „Rote Linie“ geschaffen hatte: Giftgas in Syrien!

     

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  • Die Old World Order zeigt Zähne

    Dem neoliberalem Spuck, der als Greater Middle East im Rahmen des Project for a New American Century die halbe Mittelmeerküste in Brand gesetzt hat, und der gerne von einigen als „arabischer Frühling“ und „Revolution“ tituliert wird,  geht langsam die Puste aus.

    In jedem gesellschaftlichen System gibt es Gewinner und Verlierer.

    Viele Faktoren entscheiden drüber, wer hochkommt, wer unten bleibt oder wer fällt, Gerechtigkeit ist keiner davon.

    Und je höher die Karriereleitern gehen, desto dünner sind die Posten gesät, desto härter werden die Bandagen und fieser die Intrigen.

    Mit fast mathematischer Notwendigkeit setzen Volksaufstände Unzufriedenheiten frei, treiben Hoffnungen, diese aus dem Weg räumen zu können. Ägypten ist ein Land, in dem sehr viele Menschen leben, aber das wirtschaftlich kaum etwas hergibt.

    So war es vor knapp über 2 Jahren für von diversen NGOs mit Mitteln ausgestattete, an erfahrenen Instituten ausgebildete Studenten nicht überfordernd, einen Machtkampf auf Ägyptens Straßen zu inszenieren.

    Das Land ist arm, seine natürlichen Ressourcen reichen nicht aus, um die riesige Bevölkerung zu ernähren. Die Regierung war seit Jahrzehnten im Amt und die Hierarchie hatte schon quasi feudalen Charakter.

    Der Westen hatte die Ägypter zu einem Machtkampf angestiftet, der zum guten Teil auf der Straße ausgetragen wurde. Dann wurde das Etikett Revolution draufgeklebt. Eine übereilte Wahl wurde abgehalten und noch übereilter wurde die Verfassung ausgetauscht. Fertig.

    Der Erfolg einer Revolution hängt entscheidend davon ab, welche Verbesserungen sie in das Leben der Menschen bringt. Eine Revolution, die alles verschlechtert und ansonsten verspricht, wenn die Männer nur fleißig beten, die Frauen einsperren und alle paar Jahre Wahlzettel in eine Urne werfen wird irgendwann auch irgendetwas wieder besser braucht keiner.

    Die Moslembrüder, ökonomisch neoliberal, ideologisch rechtsradikal, waren die einzigen Gewinner. Sie haben ihr seit Jahrzehnten verfolgtes Ziel erreicht und regierten.

    So nimmt es nicht Wunder, dass die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung schadenfroh zusieht, wie das Militär die Gewinner der „Revolution“ plattmacht, eine Demonstration gegen die Freilassung Mubaraks gerade einmal, nach Durchsicht aller mir zugänglichen Quellen, 100 Moslembrüder auf die Straße bringt.

    Auch in Tunesien setzt sich dieser Gedanke offensichtlich langsam durch. Volkswiderstand gegen die „Revolutionäre“ mit neoliberaler Wirtschaft unter brutalster religiöser Restriktivität zeigte sich deutlich bereits in einer Aktionsform, demonstrativ im Monat Ramadan öffentlich tagsüber zu essen oder Zigaretten zu rauchen bis hin zum Köpfen eines Biers am Strand. Das ist nicht so pressewirksam wie zerplatzte Köpfe auf dem Straßenpflaster, aber eine entschlossene Ansage an die neuen Herren. Dass populäre Nasseristen die Todeslisten der frei und demokratisch gewählten Moslembrüder anführen fügt sich nahtlos.

    Nicht hoch genug eingeschätzt werden kann die Signalwirkung der ägyptischen Ereignisse nach Syrien.

    Und so ist es nicht von ungefähr, dass ausgerechnet jetzt dort Kinder mit Giftgas verseucht werden.

    So blöd, zu glauben, die syrische Armee würde den Inspektoren der UN einen Giftgasangriff im Raum Damaskus als Begrüßungsgeschenk kredenzen, damit die auch ordentlich Arbeit haben, kann ja nun wirklich keiner sein.

    Besonders da die syrische Armee sehr erfolgreich aufräumt.

    Es gibt hier nur zwei Parteien, die einen Giftgasangriff benötigen: Erdogan und die Hardliner in Washington, die sich sein Monaten bemühen, Obama einen Angriffsbefehl abzuringen.

    Die unvermeidliche Baroness Ashton fordert nun freien Zugang für UN-Inspektoren im ganzen Land.

    Das hat sich schon im Irak als Mittel bewährt, sämtliche militärischen Anlagen des Landes auszuspionieren um einen möglichst verlustarmen Angriffskrieg führen zu können.

    Zu diesen oben erwähnten Hardlinern gehören auch die beiden Senatoren McCain und Graham, die nicht ganz unzufällig vor dem Crack-down der Moslembrüder auf der Straße in Kairo die Wiedereinsetzung Mursi’s als Präsident einfordern wollten und denen man dort kurzerhand die Türe vor der Nase zugeschlagen hat.

    McCain, der ein Treffen mit libyschen Dschihadisten öffentlich zu einem der inspirierendsten Ereignissen seines Lebens erklärte.

    Weitere rätselhafte Ereignisse machten kürzlich die Runde. Ein bedeutenderes davon dürfte das plötzliche Auftauchen des sagenumwobenen Prinz Bandar in Moskau sein, nachdem dieser monatelang die Welt hatte glauben lassen, er sei tot. Und wie es für zwei Veteranen des klandestinen Gewerbes üblich ist, erfuhr die Welt nichts darüber, was der Prinz und der Präsident Russlands miteinander sprachen. Ein blödsinniges Gerücht, Bandar habe Syrien gegen Waffendeals eintauschen wollen konnte zerstreut werden kaum dass es gestreut wurde. Wie oft Prinz Bandar‘s Geist im Kreml spukte ohne dass man es der Presse mitgeteilt hätte, darüber kann man natürlich auch spekulieren. Ein einstündiges Gespräch mit anschließendem Dinner reicht auf solchen Gipfeln der Macht jedenfalls nicht, um Entscheidungen von Tragweite zu treffen.

    Was dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen dürfte: ausgerechnet Saudi Arabien ist es nun, welches den Ägyptern die notwendigen Geldmittel zur Verfügung stellt, welche der EU und den USA  die Erpressungsmöglichkeiten unter den Füßen wegziehen. Man kann die neuen Moves auch als Anzeichen werten, dass Saudi Arabien aus dem Syrienspiel aussteigt, ehe es zu spät ist. In den VAE haben die Moslembrüder gerade einen verheerenden Strafprozess hinter sich. Unterm Strich bleibt in der Region dann nur mehr einer übrig, der den schwarzen Peter im Blatt hat, wenn die Ordnung wieder hergestellt ist – der Moslembruder Erdogan.

     Sie sind gelehrige Schüler Washingtons, die saudischen 7000.

    Im Gegensatz zu Naivlingen wie Mubarak, Gaddafi oder Assad kommt in deren Wörterbuch das Wort „Loyalität“ nicht vor. Dafür die Kombination „Eigener Vorteil“ gleich 5x.

    In diesem Zusammenhang sollte man hellhörig werden, wenn man auf dem Daily Press Briefing des Secretary General der UN, der natürlich grave concerns hat, was Chemiewaffeneinsatz in Syrien betrifft als auch das Entfernen der Moslembrüder von der Macht, ganz nebenbei erfährt, dass ausgerechnet Jeffrey Feltman im offiziellen Auftrag dieses Südkoreaners nach Kairo geflogen ist. Jeffrey Feltman und Bandar bin Sultan galten als die Chefstrategen hinter dem Aufstand gegen Assad und sollen in monatelanger Vorarbeit diesen initiiert haben. Ich erinnere daran, dass ein von diesen beiden entwickeltes Strategiepapier in der internationalen Presse aufgetaucht war, das so hanebüchen war, dass man es aus damaliger Sicht für eine Fälschung hielt, bis die Beobachtung der Realität damit überraschte, dass es Schritt für Schritt umgesetzt wird.

    Diese Realität hatte einige Überraschungen zu bieten, die für gewöhnlich nicht in das Arsenal von Revolutionären gehören. Ich erinnere nur mal wieder an die millionenteure Hollywood-Inszenierung des Sturmes auf Tripolis in der Filmstadt Doha. Cecil B. DeMille hätte seine Freude gehabt, wie da sein Film „The Greatest Show on Earth“ übertrumpft wurde.

    Nicht alleine die gestürzten Machthaber sind die Verlierer einer Revolution, auch diejenigen, welche das Wenige verlieren, was sie sich vor der Revolution erarbeitet hatten.

    Und das haben in Libyen alle verloren bis auf die paar wenigen Gewinner, wie etwa der berüchtigte Abdel Akim Belhaj, der seine Karriere als Drogenbaron von Benghazi angefangen hatte und nachdem er aufgeflogen war über Afghanistan zu einem wahrhaft führenden Terroristen der internationalen Szene avancierte.

    Die Entfernung Mubaraks von der Macht war zwingende Voraussetzung, den NATO-Krieg gegen Libyen und Syrien führen zu können.

    Denn so sehr er Freund und Helfer des Westens war und Protektor Israels, der Mann hatte das, was man heute gerne eine „Rote Linie“ nennt: den Einsatz der ägyptischen Armee als Hilfstruppen der NATO kam für ihn nie in Frage.

    Libyen und Syrien aus der arabischen Liga werfen wäre mit einem Ägypten unter Mubarak unmöglich gewesen und das Experiment, Libyen und Syrien anzugreifen, solange Mubarak an der Macht ist, hätten USA, Frankreich und UK nicht wagen brauchen.

    Es kann ein Zufall sein, da Feltman mittlerweile nicht mehr für das State Department sondern tatsächlich für den Südkoreaner arbeitet, aber man liegt bestimmt auch nicht falsch, den Südkoreaner als Handpuppe des State Departments zu begreifen. Ist in der UN-Bürokratie Ban Feltman übergeordnet, bedeutet das noch lange nicht, dass er auch das Sagen hat. Dass diese beiden Genies der tödlichen Intrige  im Weltmaßstab, Feltman und der Prinz, im Umgang mit Kairo zweifellos  gegensätzliche Lager repräsentieren und genau beide in Sachen Kairo aktiv sind, sollte man jedenfalls auf seine Beobachtungsliste setzen.

    Saudi Arabien wie wir es heute kennen ist ein Land ohne Zukunft. Gehen wir davon aus, dass die saudischen Prinzen das wissen und Pläne schmieden. Und dass diese Pläne nicht von einer Zuverlässigkeit Washingtons abhängig gemacht werden, das kann man denen zutrauen.

    Wenn Washington sogar einem Mubarak das Messer in den Rücken stößt, dann erkennt ein saudischer Prinz seine Lage.

    Einen Giftgasanschlag verursachen um Handhabe zu militärischem Handeln zu bekommen – das ist Schwäche und Kontrollverlust.

    Es ist Zynismus der menschenverachtendsten Sorte.

    Es ist der Anfang vom Ende eines imperialen Größenwahns.

     

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  • Manipulation und kritische Öffentlichkeit

    Unsere sogenannte kritische Öffentlichkeit leidet unter 2 Problemen:

    1. redet sie täglich von Demokratie, eine Mehrheit ihrer scheint aber tatsächlich keine andere Definition dafür zu haben, als alle paar Jahre mal nen Fetzen Papier in eine Urne zu werfen. Ägypten macht das offensichtlich: man argumentiert, die Herrschaft der Moslem-Bruderschaft ist aus freien Wahlen hervorgegangen, damit ist sie gut. Es interessiert dabei nicht, wer sie sind, was sie tun, was sie wollen, die Menschen in Ägypten haben ihre Herrschaft zu dulden.

    Bei einer solchen Argumentation kann man sagen: dann beschwert euch auch nicht über Merkel und Obama, die sind auch aus freien Wahlen hervorgegangen.

    Das führt uns zu

    2. Viele Leute scheinen zu meinen, wenn Obama sich explizit gegen etwas äußert, dann müssen sie dafür sein. Äußert er sich nicht explizit oder nur zurückhaltend, ist man verpflichtet dagegen zu sein.

     

    Man mag sagen: Merkel und Obama kann man abwählen; darüber hinaus verlassen wir uns darauf, dass es komplett egal ist, wer in einem Amt hockt, weil diese Person eh nichts zu sagen hat. Wir bekommen den nächsten Politikdarsteller nach der Wahl, über den wir ebenso herzerfreut wehklagen und schimpfen können und alles entwickelt sich zuverlässig weiter, wie zuvor.

    Was die Ägypter wissen aber nicht die westlichen Mursi-Fans ist: man kann die Bruderschaft zwar wählen, aber man kann sie nicht abwählen.

    Sicher, der Kairo-Splatter ist schrecklich. Aber es wäre spätestens zu einem nächsten Wahltermin, hätte es den überhaupt gegeben, dazu gekommen. Nur hätten die Brüder bis dahin zwei Kriege mindestens vom Zaun gebrochen, gegen Syrien und Äthiopien, sie hätten Millionen dem Hungertod anheimfallen lassen und tausende getötet, weil sie sich nicht ihrer Ideologie unterwerfen.

    Zwei Argumente sind oft zu hören: vor dem Sturz Mursis habe Obama mit al Sisi telefoniert. Keiner weiß, was geredet wurde, aber es spricht schon mal gegen al Sisi. Möglicherweise hat Obama ja gesagt, er solle die Brüder in Ruhe lassen und al Sisi hatte geantwortet. „Nein!“ Schon mal daran gedacht?

    Dann: Obama friert die 1,4 Milliarden Militärhilfe nicht ein. Leute, man könnte glaube ihr lest keine Zeitung: 1,4 Milliarden, das ist in der Upper Class Economy heut zu Tage gerade mal ein besseres Trinkgeld! Mariah Carey hat das, die kleine Miley Cyrus hat mit 20 schon halb so viel. Um die Soldaten ein Jahr lang mit Getränken, Reis und Bohnen und Freitags ein Huhn dazu zu verpflegen verbraucht die ägyptische Armee mehr Geld. Ein Gesetz würde das verbieten, wenn Washington nur zugäbe, dies war ein Militärputsch. Naja, wenigstens war es ein Militärputsch, der von 33 Millionen Menschen aktiv unterstützt wird. OK, es gibt ein solches Papier, das dies empfiehlt, nicht mehr, die Entscheidungsgewalt liegt beim Präsidenten: und kann mir bitte jemand ein einziges Beispiel nennen, dass dieses Papier die Washingtoner Regierung abgehalten hat, eine Militärregierung, die den USA nutzt, zu unterstützen; Süd-Korea etwa, Pinochet, Saigon?

    Die Regierungen, die gemeinhin gut informiert sind, wissen, dass Ägypten ihnen wegfällt, wenn sie die Bruderschaft zu intensiv unterstützen. Westerwelle unterstützt Terrorismus, wenn er behauptet, es habe eine friedliche Lösung gegeben und die Übergangsregierung hätte sie nur nicht wahrgenommen.

    Als Mubarak abtrat, gab es eine friedliche Lösung. Die war in dem Moment obsolet, als die Bruderschaft die „Revolution“ gehighjacket hat. Ihr Programm in Libyen war: zurück zu den Zeiten des Königs Idris, in Ägypten ist ihr Programm: zurück zu den Zeiten vor Nasser.

    Die, welche jetzt gegen die Bruderschaft vorgehen hätten auch vormals die Proteste gewaltsam zerschlagen können, als Mubarak Präsident war. Warum taten sie es damals nicht und tun es aber jetzt? Seit dem Sturz Mursis hatte die Bruderschaft über einen Monat Zeit, an den Verhandlungstisch zu kommen – warum taten sie es nicht? Die ganze Zeit über haben sie gesagt, Mursis Wiedereinsetzung sei die Voraussetzung für alle Gespräche.

    Der Vorgang ist schließlich der gleiche, ein gewählter Präsident wird gestürzt. Geht in die Bibliotheken, lest alte Zeitungen, wenn ihr es nicht mehr wißt! Wie kommt man dazu, eine vom britischen Geheimdienst aufgebaute Bande von Protofaschisten zu unterstützen gegen das Volk? Unsere kritischsten Kritiker brauchen sich über Daladier und Chamberlain nicht mehr wundern.

    Eine umfangreiche Pressekampagne versucht Druck auf die Regierungen auszuüben sowie die Bevölkerungen zum Nutzen der Bruderschaft aufzuwiegeln und verfängt.

    Die Bruderschaft redet von „Revolution“. Sie war nicht dabei, als Mubarak gestürzt wurde, sie trat erst in Aktion, als das Land führungslos war.

    Unsere Presse unterschlägt seit Tahrir hartnäckig, dass Mubarak gewählter Präsident war, weil es die „Demokratie und Freiheit“ ist, die sie überall propagieren, der Wahlzettel alle paar Jahre. Plus die moralische Belehrung durch Studentengruppen, sogenannten „NGOs“. Man hat kein Argument, das rechtfertigt, Mubarak vor Ablauf der Amtszeit zu stürzen und Mursi aufgrund einer Wahl zum einzig legitimen Präsidenten zu erklären. Aber man kann argumentieren: wenn wir das Ende der Amtszeit Mubaraks nicht abgewartet haben, dann müssen wir das Ende von Mursis Amtszeit auch nicht abwarten, der ein weit schlimmeres Regime betreibt als Mubarak.

    Mursi setzte einen Provinzgouverneur ein, auf dessen Konto die Ermordung unter anderem von einer Gruppe österreichischer Touristen geht, um Ausländer abzuschrecken in Ägypten Urlaub zu machen. Als Rache für die Zerschlagung ihrer Protestcamps brennen sie Kirchen und Amtsgebäude nieder. Nichts als willkürlicher Terror gegen die Bevölkerung. In Zukunft werden wir von Autobomben und Selbstmordattentaten in Ägypten hören. Im Irak haben wir täglich 60 bis 80 Tote, die auf das Konto der Brüder gehen. Angst ist die Essenz ihrer Ideologie. Angst, wenn sie an der Macht sind vor den drakonischen Strafen der Scharia; Angst vor den willkürlichen Akten, wenn sie es nicht sind. Sie sind wie die Landsknechte der Hexenjäger: es kann immer und überall jeden treffen.

    Leute, überlegt euch gut, mit wem ihr euch solidarisiert!

     

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  • Erde an die westlichen Mursi-Fans: „Jetzt kommt mal wieder auf den Boden zurück!“

    Ägypten ist ein sehr komplexes Land mit einer sehr vielschichtigen Gesellschaft.

    Es ist erschreckend, wie gerade auch Geister, die durch die Fähigkeit kritischen Denkens auffallen in der Causa Mursi sich ein geradezu infantiles Weltbild basteln.

    Ich finde es aber vor allem eine Frechheit, den Ägyptern, welche die Bruderschaft ablehnen, zu unterstellen, sie wären hirnlose „Bimbos“, die gerne Ami spielen wollten. Solche mag es ja geben, weil es sie überall gibt, aber das ist tatsächlich eine verschwindende Minderheit. Ägypten ist keine DDR, wo lauter Maiks und Mandys und Susans und Kevins rumlaufen, die von Cadillacs träumen.

    Und man fällt auf den Demokratie-Trick rein: es stimmt schon, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung hinter der Bruderschaft steht, aber ein Viertel ist eben nur ein Viertel, eine Minderheit, der alle Rechte einer Minderheit zustehen, aber der es absolut nicht zusteht, sich die restlichen 3/4 zu unterjochen!

    Dieses Viertel hat Mursi gewählt und dieses Viertel hat die Verfassung der Bruderschaft gewählt.

    Ein Referendum abzuhalten, durch das eine Verfassung verabschiedet wird, ohne dass es überhaupt die Chance gab, diese Verfassung gesellschaftlich zu diskutieren, weil die meisten Leute sie gar nicht zu Gesicht kriegen und gar nicht die Zeit gegeben wird, sie zu lesen und zu besprechen ist formal vielleicht nach den Maßstäben westlicher Demokratien korrekt, aber de Facto ist es Betrug; eine Verfassung ist ein etwas komplizierteres Produkt als eine Simpsons-Folge.

    Darum sind die Leute auch nicht wählen gegangen. Sie kannten den Text, über den sie abstimmen sollten ja gar nicht.

    Aber Mursi ist ein demokratisch gewählter Präsident.

    So wie Merkel eine gewählte Bundeskanzlerin ist, und darum die Deutschen brav Ja und Amen sagen zu Lissabon, ESM etc. Man lebt dann halt in der EU unter dem Vertrag von Lissabon ohne zu wissen, was da überhaupt drin steht. Mit einem Finanzdirektorat, das über alle Gesetze erhaben ist.

    So ist das in einer Demokratie. „Wer seine Stimme abgibt hat nichts mehr zu sagen“ kommt einem in den Sinn.

    Übrigens haben 2/3 der Ägypter ihre Stimme zur Verfassung eben gar nicht abgegeben, über 50% haben bei der Präsidentschaftswahl ihre Stimme nicht abgegeben. Sie haben ihre Stimme sozusagen behalten.

    Und in den vergangenen Wochen sind sie wieder auf die Straße gegangen und haben sie erhoben.

    Mursi hatte lange genug Zeit, auf sie zuzugehen. Aber er hatte eben darauf bestanden, dass er der Big Boss ist und keiner ihm dreinzureden hätte: zu blöd für den Herrn, dass er das Militär nicht gegen die Bevölkerung einsetzen konnte, denn, oups, das hatte von ihm genauso die Schnauze voll!

    Mursi wollte das Militär einsetzen, um einen Damm-Bau in Äthiopien zu verhindern.

    Natürlich ist es berechtigt, darauf zu bestehen, dass Äthiopien das nicht einfach entscheiden kann ohne sich mit der ägyptischen Führung abzusprechen – aber so etwas regelt man ja wohl diplomatisch, was die Generäle ihm auch klargemacht haben. Schön blöd, für einen Präsidenten, wenn das Militär ihm klar macht, für seinen Kriegsplan nicht zur Verfügung zu stehen.

    Aber wie blöd muss man eigentlich sein, darauf hin Reden zu schwingen, selbiges Militär gegen Syrien werfen zu wollen, wobei ja offensichtlich ist, dass Ägypten seine Soldaten verheizen soll, um die NATO zu entlasten. War ja klar, dass die Militärführung ihm sagt: „Nix da, Alter!“

    Wenn ein Präsident zum heiligen Krieg gegen ein Land aufruft, dann ist das eine offizielle Kriegserklärung. Ist den Mursi-Fans das eigentlich klar?

    Und ihr könnt verdammt froh sein, dass selbiges Militär sich entschieden hat, diesen Psychopathen aus dem Amt zu jagen, anstatt seinem Geheiß zu folgen!

    In einem weinerlichen und vor allem wirren Fanartikel in der für gewöhnlich durchaus lesbaren „Berliner Umschau“ findet sich folgendes:

    „Auch mit der Absetzung des Generalstaatsanwalts Mahmud hatte Mursi wenig Glück. Nach dem er diese zunächst nach gewalttätigen Protesten hatte zurücknehmen müssen, versuchte er es nach ersten diplomatischen Erfolgen (Vermittlung eines Waffenstillstands zwischen Israel und der Hamas – also ein böses Zeichen der Selbstständigkeit) erneut. Daraufhin hieß es, damit werde die Gewaltenteilung negiert und Mursi „geriere sich wie ein Pharao“ (Originalton des „Friedensnobelpreisträgers“ Mohammed al-Baradei) . Merke: die „Gewaltenteilung“ zwischen einer von Mubarak eingesetzten und ihm jahrzehntelang treu ergebenen Justiz und eines Militärs, in dem kaum eine Person ausgetauscht worden war und einer aus freien Wahlen hervorgegangenen Regierung! Man stelle sich vor, Adenauer hätte seinen Amtseid vor dem Volksgerichtshof ablegen müssen!

    Da isser mal wieder der Deutsche, der sich die ganze Welt als deutsch vorstellt. Und natürlich heißt er Charly. Unser Charly macht den NAZI-Vergleich. Natürlich war das Mubarak-System eine höchst unerfreuliche Diktatur und ich hatte darauf bereits bestanden, als alle Welt Mubaraks System noch als Demokratie gefeiert hat und seine Partei Sektion der Sozialistischen Internationale war, der auch die SPD angehört.

    Aber es war erstens kein faschistischer Staat und zweitens bestehen sowohl Militär als auch Richterschaft aus unterschiedlichen Fraktionen; Mubarak musste immer die Nasseristen fürchten und es kann keineswegs von „treu ergeben“ die Rede sein.

    Sorry Charly, deine Lust auf Säuberung geht völlig an den ägyptischen Verhältnissen vorbei! Genauso gut könnte man fordern, jeder, der unter Mubarak Zahnarzt war, solle seine Zulassung verlieren.

    Äh – und Charly: die Hamas wurde von Israel kreiert um Arafat zu schwächen, nur so nebenbei.

    Es zeichnet sich gerade ab, dass unter Führung von Abdel Fatah al Sisi jene Nasseristen im Militär das Heft in die Hand genommen haben.

    Hört auf, den Quatsch der Moslembrüder nach zu plappern, das Militär habe Schuld, wenn in Ägypten Bürgerkrieg ausbricht.

    Der Bruderschaft wurde angeboten, sich an zukünftigen demokratischen Entwicklungen zu beteiligen.

    Es wurde festgelegt, dass für nächsten Februar Wahlen geplant sind.

    Ohne Mursi. Denn man muss wirklich kein Einstein sein, um zu erkennen, dass der Mann ein paar Schrauben locker hat.

    Nun, die Brüder haben an der Macht geleckt. Das Kalifat war schon so greifbar nahe! Es sieht nicht danach aus, dass sie sich in den Prozess einfügen. Es sieht danach aus, dass die Dinge nicht friedlich verlaufen werden. Das ist schlimm. Aber das macht die Bruderschaft noch nicht zur richtigen Seite.

     

     

     

     

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  • Die Stunde des Generals

    Werden wir der Mantras nicht müde: taucht in einem Land, auf das es die USA abgesehen haben eine neue Führungskraft auf, dann bearbeitet man sie in 3 Phasen, so nötig:

    1. Bestechen und umgarnen

    2. Erpressen und bedrohen

    3. Angreifen oder töten

    Phase 1 im Umgang mit General al Sisi ist schon am Abflauen.

    Phase 2 beginnt: es werden keine Kampfflugzeuge aus den USA an Ägypten geliefert und Sorge um die Dömogrodie wird vom Weißen Haus geäußert.

    Es beginnt immer damit, dass Demokratie und Menschenrechte beklagt werden – das unfehlbare Zeichen, dass Washington auf Sturm stellt!

    Damit will ich blutiges Vorgehen gegen die Bruderschaft nicht vollherzig verteidigen.

    Ich darf daran erinnern, dass die Bruderschaft mit dem Sturz Mubaraks nichts zu tun hatte.

    Nach getaner Arbeit hatten sie sich an die Spitze geputscht und den Rahm abgeschöpft.

    Mursi hatte eine Verfassung im Eiltempo durchgedrückt, mittels eines Referendums, das eben mal 32% Wahlbeteiligung hatte, sich als Präsident diktatorische Vollmachten eingeräumt, ist als Agent der USA auf dem Gipfel der Blockfreien aufgetreten, verkaufte Ägypten weiterhin an den IWF, lies Ausschreitungen seiner Bruderschaft gegen Christen und Linke gewähren, begann einen Einmarsch in Äthiopien vorzubereiten und rief zum heiligen Krieg gegen Syrien auf.

    Das ist schlicht die einzige Bilanz von seinem Jahr an der Macht. Das Land ging weiter vor die Hunde und Kooperationen mit Katar und Hamas brachten keinem Nutzen außer der Bruderschaft.

    Wen in Ägypten will die Bruderschaft noch damit ködern, dass Mursi gewählt wurde (mit 51% bei unter 50% Wahlbeteiligung). Keiner will’s mehr zugeben, aber auch Mubarak war gewählt, zu seiner Zeit galt Ägypten als „die einzige Demokratie in einem arabischen Land“. Lesen sie alte Zeitungen, am besten in Bibliotheken, die kann man nicht so leicht neuschreiben wie Texte im Internet. Ägypter wissen das noch gut.

    Als ich vor vielen Jahren in Kairo unter der Sultan Hassan Moschee gewohnt hatte, galt im Viertel Libyen als das beste Land.

    Jeder träumte davon, nach Libyen auszuwandern und dort zu arbeiten.

    Libyen ist nicht weit weg von Kairo.

    Was aus dem Land mit dem höchsten allgemeinen Wohlstand in Afrika geworden ist kann von dort aus jeder sehen.

    Da war wohl mal so etwas wie eine Wahl, aber im Land des Great Man Made River gibt es heute in den Städten kaum Trinkwasser mehr außer das ausländische, welches man in Plastikflaschen kaufen muss.

    Glaubt wirklich jemand, man könnte Menschen, die das Leben in der Wüste kennen, aufschwätzen, Wahlen alle paar Jahre seien toller als Trinkwasser?

    Über Mursi’s Situation ist unsere Presse mal wieder ein Lehrstück der Logik: keiner weiß, wo er ist, aber man will wissen, dass er dort mehrere Stunden am Tag verhört würde.

    Sagen wir: vorstellbar ist das natürlich. Die Anklage gegen Mursi ist eine deutliche Ansage gegenüber USA und IWF – Agent in deren Diensten!

    Schwer vorstellbar, dass man jenseits des Atlantik darüber glücklich ist: was hat der Mann alles auszupacken?!

    Der General hat dieses Wochenende gezeigt: er kann Bevölkerungsmassen mobilisieren und lässt sich vom Westen nicht einschüchtern. Und natürlich ist er entschlossen, die Moslembrüder von der Macht zu vertreiben. Aus deren Reihen hört man bereits vereinzelt Rufe nach „einer 3. Kraft, die intervenieren muss“. Malaysia wird damit kaum gemeint sein. Was soll’s, einen Angriff auf Ägypten können die Pleiteamis wohl kaum stemmen.

    Mal sehen, wie er sich macht, der General!

    Es fängt mit kleinen Schritten auf sicherem Terrain an, wer gehen lernen will! Auch jener, welcher zuletzt Olympia läuft.

     

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  • Guter Bulle Böser Bulle befrieden Gefangenenaufstand im Völkergefängnis Ägypten

    An einer Sache kann es gar keinen Zweifel geben: das ägyptische Volk hat die Regierung Mursi gefeuert, und wir gönnen natürlich den Leuten auf der Straße ihr rauschendes Fest!

    Aber wir sind Realisten.

    Die Massenproteste haben den Strategen des Imperiums eines gesagt: ihr Mann in Kairo ist nicht zu halten.

    Aber diese Massen sind sozusagen politisch nackt.

    Sie haben ein bisserl Gewerkschaft, ein bisserl dies, ein bisserl jenes, aber sie verfügen über keine Organisatorische Struktur, über kein Programm, über keine eigenständige Infrastruktur und sie haben keinerlei Kapital.

    Das Militär ist seit Jahrzehnten eine Unterabteilung des US-Militärs. Das Militär ist die bestorganisierte Struktur im Land.

    Natürlich sorgen jetzt die Generäle dafür, dass alles Kommende nach dem Willen Washingtons verläuft.

    Auch die Brotherhood ist eine wohlorganisierte international handlungsfähige Struktur.

    Sie besteht aus 3 Elementen: dem klerikalem, dem politisch-sozialem und dem militärischem.

    Sie sind eine Untergrundorganisation gewesen und sie hatten in den 90gern bereits zahlreiche Terroranschläge in Ägypten verübt.

    In Syrien können wir täglich beobachten, wie weit zu gehen sie bereit sind.

    Und sie haben in Ägypten an der Macht geleckt.

    Sie werden jetzt nicht einfach sagen: „Ohh, ihr wollt uns nicht. Schade. Also tschüüß dann.!“

    Ihre Kleriker halten sich für die einzigen Hüter des wahren göttlichen Willens.

    Sie sind die Macht hinter der Macht.

    Die Politiker, die Kämpfer, sie tun, was jene sie heißen!

    Man wird mit den Amis eine Machtaufteilung aushandeln, vorübergehend, und man wir versuchen Schritt für Schritt die Macht wieder zu übernehmen.

    Washington segnet ab, was Washington dient.

    Was Washington dient, schadet den Ägyptern.

    Ich habe eine Zeit lang in Ägypten, in Kairo,  gelebt, und die Menschen dort als modern und aufgeschlossen mit vielen guten Ideen, was sie aus ihrem Leben machen wollen, erlebt.

    Was sie an der Umsetzung der Ideen gehindert hat, war: es hat fast keiner genug Geld, ausreichend Nahrung für den Tag zu kaufen, geschweige denn, irgendetwas anders zu tun, wofür man Geld braucht. Klar, das Café, den Barber-Shop, die Tourismusunterhaltung, irgendetwas zum Geldaufstellen geht, aber nichts, was mit einem selber zu tun hat, nichts Reales.

    Dabei wird es bleiben, solange Washington die Herrschaft hat, und es ist Washington egal, ob sie durch das Militär, Großbürger wie el Baradei oder die Brotherhood herrschen.

    Die Zeit, dass das ägyptische Volk sich wie Idioten abspeisen lässt ist vorbei.

    Washington will den Suez-Kanal, einen ruhigen Hinterhof für Israel und Öl.

    Die Brotherhood will ihr Kalifat. Die Herrschaft über Ägypten ist wichtig für die Brotherhood, denn Ägypten ist ziemlich das einflussreichste Land im arabischen Raum.

    Gelingt es der Brotherhood in der heutigen Situation nicht, das Land zu halten, laufen die Speckklöpse in Saudi-Arabien und den Golfmonarchien ebenfalls Gefahr, zu stürzen.

    Einige, die diese Zusammenhänge erkennen, befürchten ein syrisches Szenario für Ägypten: nun, das sehe ich eigentlich nicht kommen: die Ägypter haben keinen Assad und das Militär – ich sagte es schon, Militär und Brotherhood werden einen Modus finden, der Washington befriedigt.

    Man wird, im Gegenteil, Ägypten als Versuchslabor verwenden, welches Szenario nach Assad in Syrien installiert werden könnte: denn die Machtverteilung entspricht in Etwa dem, was die sauberen „Freunde Syriens“ in Sachen Al Nusra-FSA zu organisieren versuchen, der gute und der böse Bulle und ein machtloses Volk ihnen ausgeliefert.

    Das bedeutet noch nicht, die Rechnung ginge auf, aber es bedeutet, dass ein Sieg des syrischen Staates über seine Angreifer an Wichtigkeit immens zugenommen hat: durch ihn würde Bashar al Assad zum neuen Nasser!

    Für das Imperium eine nicht auszudenkende Katastrophe: Afrika spürt bereits, was es am letzten, der den Weg Nassers folgte, an Gaddafi verloren hat ohne etwas dafür zu erhalten: Assad hat bewiesen, dass das Imperium ihn nicht in die Knie zwingen kann, wohin wird es führen, wenn er noch zeigt, dass er es besiegen kann?

     

     

                                                                                                                                                          

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  • Wenn Sultan und Pharao erkennen müssen, dass Scheherazade doch keine Geschichte der 1002. Nacht mehr erzählt

    Langsam komme ich dahinter, warum die NATO jene Scharia-Soziopathen überall an die Macht putschen will:
    Sharia Law ist das islamische Pendent zur christlichen Inquisition, sie zielt auf 2 Dinge ab:
    es soll einschüchtern und unbedingten Gehorsam erzwingen!
    Auch in Ägypten wurden die schlicht an die Macht geputscht.
    Irgendeine, keine Ahnung mehr, gelbrosa oder veilchenblaue Revolution stürzte Mubarak, die völlig unorganisiert war. Sie erzeugte also schlicht ein Machtvakuum.
    Dieses nutzte die einzige organisierte Kraft, die Muslimbruderschaft, welche zudem über Erfahrung von 4 Generationen verfügt, aus und stahl die Führung.
    Gleiches gilt für Tunesien.
    Es lässt sich gut und ruhig Geschäfte machen mit der Spitze der Pyramide in einem von der Scharia tyrannisierten Land.
    Die Drecksarbeit erledigen die Kannibalen.
    Die Türken haben das Steuer herumgerissen: Sultan Mehmet „Der Großschnauzige“ Erdogan, welcher sich schon als Herr des wiedererrichteten osmanischen Reiches fühlte, hatte die Leute verwirrt: ‚wenn es in der Türkei klappt, dann lassen wir es geschehen‘, war wohl die allgemeine Stimmung.
    Die Strategen des Imperiums verstehen Pyramiden nicht.
    Oben liegt ein schwaches Steinchen auf.
    Je tiefer man kommt, desto breiter und massiver wird sie.
    Das Steinchen oben splittert oft und wird ersetzt oder auch nicht.
    Das untere Massiv ruht gewaltig und unzerstörbar. Haut man da und dort ein paar Brocken ab, kratzt das nur die Oberfläche.
    „Aus eine Funken kann ein Steppenbrand entstehen“ lehrte der berühmteste aller Chinesen.
    Der Funke, in Istanbul aus dem Feuerstein geschlagen, hat gezündet!
    Mursi war erledigt, als er mit Erdogan gen Damaskus zu marschieren versprach. Er wusste es nur noch nicht. Die Völker sind sich einander näher als die Herren sich untereinander.

    Ein osmanisches Reich unter der Knute der Muslimbruderschat wird es nicht geben. Riad hat’s noch nicht kapiert. Washington hat’s noch nicht kapiert. Brüssel und Rattenschwanz nicht.
    Aber am Fundament der Pyramide weiß man schon bescheid.
    Es ist der Anfang, endlich.
    Die Erdogans und Mursis, vor 20 Jahren hätte man sie die Kerenskijs unserer Zeit genannt: imperiale Marionetten, die nach der Macht greifen, wenn die Massen sich bewegen, aber eben nur brüchiges Gestein sind, das auf dem Gipfel liegt bis es fällt.
    Und machen wir uns nichts vor: es ist die Erschütterung, das Erdbeben, welches sie stürzen lässt! Das Wanken der Pyramide, die in sich selbst stabil bleibt.
    Es ist immer wieder erstaunlich, aber ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass die westlichen Eliten auf ihre eigene Propaganda reinfallen.
    In der BRD z.B. mag das so einfach gehen, ab und zu Namen in Führungsämtern auszutauschen und alles beim Alten zu lassen.
    Das Land ist immer noch reich, der Wohlstand für die Mehrheit immer noch ausreichend, dass die Leute kein Risiko eingehen.
    Probiert man das in einem Land, wie Ägypten, wo das Knurren des Magens lauter ist als fromme Sprüche, ist es unweigerlich so, dass wenn die Machttektonik einmal angegriffen ist, sich die Dinge erst beruhigen, wenn genug Essen auf den Tisch kommt.
    Wahlen hatte auch Mubarak abgehalten.
    Wahlen, die keine Resultate bringen, gehen den Ägyptern sonstwo vorbei.
    Wahlen, die wie die ägyptischen, zum sozialen Elend eine geistige Kastration addieren, wer hätte Grund, deren Ergebnis zu respektieren?
    Denn noch einmal: Auch Mubarak war gewählt! Und wie es ausschaut, wurden die Dinge im Land seit Beginn des „arabischen Frühlings“ weit schlimmer, nicht besser.
    Danke Volk der Türkei! Ihr habt im richtigen Moment das Richtige getan!

     

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  • Erdogan wird pathetisch und ein Muslimbruder lässt die Hosen runter

    Sehen wir uns diese Ausgabe von News Analysis an:

     

     

    Wer bitte würde wollen, dass derartige Soziopathen wie dieser Muslimbruder aus Beirut über sein Land herrscht?

    Bedenken sie: das sind die Leute, welche die Bundesregierung unterstützt!

    In ihrem Namen!

    Wer verfolgt hat, wie Syrien im Laufe der letzten 2 Jahre Parzelle für Parzelle von den Insurgenten in Schutt und Asche gelegt worden ist wo immer sie auftauchten: kann der Erdogan noch als normalen Menschen ansehen, nachdem dieser den Satz aussprach: "Geburten sind immer schmerzhaft, in Syrien findet eine heilige Geburt statt!"

    Oder erkennt er ihn als eine menschenverachtende Bestie?

    Es gibt nur eine einzige vernünftige Erklärung, warum es der Regierung Assad gelungen ist, eine derartig massiv vom Imperium und seinen Ausläufern in Türkei, Saudi Arabien, Katar, etc. unterstützte Attacke gegen das Land zurückzudrängen: das syrische Volk lehnt die Angreifer ab!

    Was Erdogan hier sagt, ist: das Abschlachten des syrischen Volkes sei eine heilige Geburt!

    Wir sehen gerade die Entwicklung, wie viele auch aus dem antiimperialistischen Lager beginnen, mit Mursi zu sympathisieren.

    Mir hat das Verfassungsreferendum in Ägypten gesagt: Mursi ist ein ägyptischer Erdogan!

    Noch sitzt er schwach im Sattel, noch setzt das Imperium auf mehrere Pferde in Ägypten, auch Erdogan musste langsam anfahren ehe er volle Fahrt aufnahm.

    of-Saudi-Arabian-Wahhabists

    Die Muslimbrüder können strategisch arbeiten, sie haben jahrzehntelange Erfahrung darin, eine Generation schulte die nächste.

    Der Muslimbruder aus Beirut in dem Video macht keinen Hehl daraus: er will die Herrschaft der Muslimbruderschaft über alle islamisch dominierten Länder, er will sie alle in ein Saudi Arabien verwandeln.

    Er ist nur etwas weniger diplomatisch als andere, er leistet sich das, weil er Mursi und Erdogan auf Erfolgskurs sieht!

    Sehen sie ihn sich an: so einen würden sie doch noch nicht einmal in ihrer Nachbarschaft haben wollen, wenn sie ehrlich sind.

    Verweigern sie es, zu unterstützen, dass den Syrern solche als Herrscher aufgezwungen werden.

    Wenn sie es schon nicht für die Syrer tun wollen, dann tun sie es für sich selbst: denn diese Leute kennen keine Grenzen: gehört ihnen die Umma, kommen die ehemals christlichen Länder als nächstes dran!

    Sie können nicht anders, es ist ihre Ideologie: die Ordnung der Welt nach ihrer Vorstellung von Islam, der Ausprägung Saudi Arabiens, gilt ihnen als die Ordnung der Welt nach dem Willen Gottes, dem sie gehorchen.

    Sie verfügen über Kämpfer, die Ungläubige zu töten für heilige Pflicht halten und den eigenen Tod nicht fürchten!

    Und ungläubig ist, wer anders lebt als sie!

    Ihre Kämpfer rekrutieren sie aus Gesellschaftsschichten, die nichts zu verlieren haben.

    Und die in Libyen sehen konnten, dass sie sich mit Waffen alles nehmen können, was sie wünschen!

    Sie haben nichts gelernt, was geeignet ist, eine Gesellschaft aufzubauen, aber jetzt wurden und werden sie an Waffen trainiert.

    Haben sie ein Land zerstört, gibt es dort bald nichts mehr zu holen für sie, dann ziehen sie weiter zum nächsten.

    Mag sein, ihre imperialen Unterstützer glauben, sie dann erst einmal Richtung Russland kanalisieren zu können.

    Aber glauben sie, es nutzt ihnen etwas, wenn Russland von Terror überzogen wird?

    Und glauben sie mir, die Gewalt steigt exponentiell an: je instabiler die anderen Länder werden, desto instabiler wird auch ihres!

    Sie können gar nichts daraus gewinnen!

    Brave New World 2013.

     

     

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  • Ägyptische Opposition verweigert Dialog

    Dass ich von Mursi nicht begeistert bin dürfte bekannt sein.

    Aber ein Angebot, den Dialog zu beginnen zu verweigern, das macht mich dann doch skeptisch.

    Das habe ich in der letzten Zeit einfach zu oft gehört.

    Die russische Regierung bietet der Moskowiter Politschickeria um Udalzow/Navalni mehrfach den Dialog an und wird zurückgewiesen.

    Gaddafi, Assad…

    Man kann den Dialog führen und zu dem Ergebnis kommen, dass man zu keinem Ergebnis kommt.

    Aber ihn gar nicht erst führen zu wollen stinkt…

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