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  • Nach einem Konzert von Hilary Hahn

    dachte ich mir "Long time no see" und schreibe ein kurzes Lebenszeichen.

    Ich bin, sozusagen, beruflich befasst und komme nicht zum Bloggen.

    Möglicherweise wird das noch verstärkt durch eine leichte Blogging-Sinn-Krise.

    Wir schreiben das Internet voll und hoffen, es möge eine Wirkung haben.

    Sehen wir uns den heutigen Abend an: Hilary spielte das Konzert von Erich Wolfgang Korngold von 1945.

    Es ist kein Krieg in diesem Konzert enthalten. Schon gar nicht wenn sie spielt.

    Dennoch markiert es irgendwie das Ende des 2. Weltkrieges.

    Es markiert aber auch viel mehr.

    Er gehört einer Typographie des Künstlers an, die mit seiner Generation ausgestorben ist.

    Die der 2. Weltkrieg hinweggespült hat.

    Der Künstler, der mit einem Jenseitigen korrespondiert und nicht Konsumgüter produziert, sondern die innere, sozusagen seelische Architektur der Welt, des Universums, wie auch immer, in seinem Werk spürbar werden lässt. Oder es versucht. "Der Künstler wird selten erreicht" sagt Nietzsche.

    Und er reicht bereits in die neue Generation hinein, ich erinnere, dass er einen Oskar für die Filmmusik zu "Robin Hood" mit Errol Flynn erhielt.

    Auch Hilary ist ein bisschen etwas von beidem. Das macht sie in der gegenwärtigen Kulturwelt so wertvoll.

    Mein letzter Eintrag davor war ein Link zum (nord)-koreanischen Fernsehen.

    Inzwischen kocht die Presse die Auseinandersetzungen zwischen Nordkorea und den USA hoch, ich weiß, die Nordkoreaner sind nicht blöd genug, USler anzugreifen und die USA ist zu pleite Nordkorea anzugreifen. Viel Lärm um Nichts.

    Der Sozialist an der Spitze Frankreichs eskaliert in einem Größenwahn, der Carla Bruni's Dackel noch übertrifft und wünscht nun einen 2-Fronten-Krieg in Mali und in Syrien.

    Die Syrer verteidigen ihre Nation wacker gegen die saudischen Killersöldnerbanden, aber das Land gehr vor die Hunde.

    Wir bloggen dagegen an, seit Jahren kommt mir vor, aber dringen nicht in die Köpfe der Bevölkerung.

    Die Bundesregierung verbleibt im Merkelstiel, ein wenig auf allen Hochzeiten tanzen. Tun, was gut fürs Geschäft ist.

    Wie schon gesagt, mir immer noch lieber, als seien die GRÜNkohls an der Macht, die humanitär morden wollen und sich dabei zu Pazifisten erklären.

    Ich checke die Nachrichten, füge aber derzeit keine hinzu.

    Der Blogger hat nicht die Mittel einer Zeitung, eigenständig ausreichend gesicherte Information beschaffen zu können, welche die Wahrheit umreißt um täglich aktuell zu sein. Die Zeitungen haben sie aber verschwenden sie.

    Sinnkrise im Blogging. Hilary, eine deutsch-amerikanische Frau,  spielt ein Konzert vom Ende des Krieges inmitten des Krieges. In der Münchener Philharmonie die wie ein friedlicher Ort wirkt, weit weg allen Geschehens.

    Ich halte mich derzeit hauptsächlich in Berlin auf, ein heruntergekommener Ort verglichen mit München.

    München ist irgendwie das deutsche Singapur.

    Die Finanzkrise dümpelt ebenfalls vor sich hin. Keine Lösung und die Butter ist schon wieder teurer geworden, seit ich den letzten Eintrag gemacht hatte.

    Und… Hat sich sonst irgendetwas Bemerkenswertes ereignet, das dem Lauf der Welt eine Änderung gegeben hätte????

    Sie ist die Gleiche wie vor ein paar Wochen.

    Hilary war ein Highlight.

     

     

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  • Gespräch mit Hilary Hahn, Mannheimer Morgen, Donnerstag, 27.09.2012

    Vor über zwei Jahren haben Sie begonnen, den sicheren Boden klassischer Musik für kurze Zeit zu verlassen und mit Hauschka zu improvisieren. Was fasziniert Sie an der freien Improvisation?

    Hilary Hahn: Ich würde nicht sagen, dass es Faszination oder ein Verlassen war. Volker und ich lernten uns durch einen Freund kennen und wollten gemeinsame musikalische Erfahrungen machen, die in dieser Art von Arbeit Gestalt annehmen sollten.


    Wie sah die Arbeit konkret aus?

    Hahn: Wir begannen, uns für Jamsessions zu treffen. Ohne irgendein Ziel im Blick zu haben. Es war musikalische Forschung. Ich wollte mehr wissen über die Erschaffung von Musik, noch besser verstehen, wo die Töne herkommen, bevor sie auf dem Papier landen. Das war der einzige Punkt der Entwicklung von Musik, den ich nie durch eigene Erfahrung kennengelernt hatte.

    Wie kamen Sie auf die Idee, diese Forschungen anzustellen?

    Hahn: Ich arbeite mit einer großen Zahl von Komponisten. Der Versuch, etwas Musikalisches von Grund auf zu formen, war mir wichtig, auch wenn es niemals in die Welt hinausgelangen würde. Dadurch konnte ich eine neue Perspektive für meine Interpretationen gewinnen.

    Hätten Sie nicht auch gemeinsam komponieren können?

    Hahn: Meine Beziehung zur Musik entsteht durch das Instrument und nicht durch ein leeres Blatt Papier – Hauschka geht es genauso. Und so stellte es sich heraus, dass es das Beste für uns war zu improvisieren. Gemeinsam zu komponieren, war nicht das, was wir erreichen wollten.

    Wie ging es dann weiter?

    Hahn: Nach einigen Jahren des „Probens“ war die nächste Phase der Zusammenarbeit, ins Studio zu gehen und zu schauen, was in einer anderen Umgebung und vor Mikrofonen passiert. Das führte zu interessanten Ergebnissen, also war das Nächste, der Welt die Aufnahmen zu zeigen. Danach fingen wir an, live aufzutreten. Diese Arbeit dauert noch an und ist sehr aufregend. Ich hätte am Anfang, als wir uns kennenlernten, niemals erwartet, dass wir mit unserem Projekt einmal zu diesem Punkt kommen würden. Wir machten – getrieben von Neugier – immer nur einen kleinen Schritt nach dem anderen.

    Welche Rolle spielte und spielen Improvisation und Jazz nun in Ihrer musikalischen Karriere?

    Hahn: Sie geben mir eine Möglichkeit, gleichzeitig mit meinen Freunden, die als Singer/Songwriter arbeiten, aufzutreten und etwas über ihre Art der Kreativität zu lernen. Musik insgesamt ist Ausdruck. Einige schreiben, einige interpretieren, einige kommunizieren, einige initiieren sehr persönliche Projekte, andere drücken sich selbst durch ihr Instrument oder ihren Gesang aus. Und einige machen alles zusammen. Jeder hat sein eigenes Profil und wir können alle voneinander lernen. Kreativität ist niemals begrenzt auf den Weg, den man bisher gegangen ist. Der Weg kann sehr lang und lohnenswert sein, wenn man ihn durch andere Interessen bereichert.

    Wie haben Sie das Improvisieren gelernt?

    Hahn: Das war „Learning by doing“. Und ich lerne immer noch. Es ist genauso wie bei der Interpretation notierter Musik, man lernt sein Leben lang niemals aus. Ich höre sehr viel Musik und ich versuche, jeden Tag an neuen Dingen zu arbeiten.

    Was ist das für ein Gefühl für einen klassisch ausgebildeten Musiker, plötzlich völlig frei vor Publikum zu spielen, ohne zu wissen, was als Nächstes passieren wird?

    Hahn: Das erste Mal spielte ich so vor ungefähr zehn Jahren bei einem Konzert von Josh Ritter. Mir schlotterten die Knie, ich zitterte und war enorm aufgeregt, bevor ich die Bühne betrat, weil ich Angst hatte, seinen Song zu zerstören. Doch anschließend konnte ich das nächste Konzert kaum erwarten. So geht es mir nach jedem Auftritt – ich weiß genau, was ich beim nächsten Mal besser machen möchte, und ich warte sehr ungeduldig darauf, es so schnell wie möglich auszuprobieren.

    Haben Sie Angst davor, dass Ihnen die Ideen ausbleiben?

    Hahn: Nein. Wenn man plötzlich keine Ideen hat, muss man nach ihnen suchen.

    Ihr einziges Konzert in Deutschland findet im Rahmen von Enjoy Jazz statt. Planen Sie weitere Tourneen?

    Hahn: Wir werden in der nächsten Konzertsaison weiter touren. Mal hier, mal dort. Es passt einfach alles – wir sind noch lange nicht fertig.

    Der Titel Ihres Enjoy-Jazz-Konzertes am 16. Oktober im Pfalzbau entspricht dem Ihrer neusten CD „Silfra“. Wie sind Sie darauf gekommen, die CD nach einer Verwerfung zwischen zwei Kontinentalplatten in Island zu benennen?

    Hahn: Wir kamen immer wieder zurück zum Namen „Silfra“, weil es ein sehr magischer Ort ganz in der Nähe unseres Aufnahmestudios ist. Island war für unsere musikalische Gestaltung ausschlaggebend. Es hatte einen atmosphärischen Einfluss und war aus symbolischen Gründen interessant. „Silfra“ vereinte alles in einem Ort.

    Welche Rolle spielte diese raue, naturbelassene Gegend Islands für Ihre Inspiration?

    Hahn: Ich weiß nicht, inwiefern das Land selbst uns inspirieren konnte, aber die positive, kreative Energie der isländischen Künstlergemeinschaft konnte es. Die Menschen, mit denen wir im Studio zusammenarbeiteten, die ruhige Umgebung, die Energie, die Weite des Ortes und das Licht in dieser Jahreszeit versetzten uns in die Lage zu spielen, was immer wir wollten. Das war befreiend.

    Die programmatischen Titel Ihrer Lieder lassen vielfältige Assoziationen zu. Wie sind Sie auf sie gekommen? Haben Sie erst angefangen, zu improvisieren und die Titel anschließend hinzugefügt? Oder haben Sie nach bestimmten Themen improvisiert?

    Hahn: Ersteres. Als wir uns die einzelnen Aufnahmen anhörten, kamen uns sofort die Titel für die Stücke in den Sinn. Die Improvisationen erinnerten uns an eine Person, ein Gefühl, einen Platz oder ein Buch. Es ist schwer zu sagen, warum genau, aber sie waren uns sehr schnell klar.

    Die Improvisationen auf der CD erzeugen eine großartige Atmosphäre. Einige hören sich wie Minimal Music an, andere jedoch, „Krakow“ etwa, scheinen von osteuropäischen Melodien beeinflusst zu sein. Haben Sie klassische Schemata oder Formen in Ihre Improvisationen aufgenommen?

    Hahn: Nicht absichtlich! Aber natürlich ist alles, was wir in der Vergangenheit gespielt und gelernt haben, in unsere musikalische Sprache eingegangen, auch wenn wir nicht explizit versucht haben, beim Spielen dieses Wissen abzurufen.

    Wie haben Sie zu einer musikalischen Form gefunden?

    Hahn: Wir haben begonnen mit einer Note oder der Entscheidung, wer beginnt. In einigen Fällen haben wir eine Stimmung oder einen gesamten Bogen festgelegt; von dort sind wir aus- und weitergegangen.

    So werden Sie in Ludwigshafen vermutlich ebenfalls vorgehen. Was erwartet das Publikum bei Ihrem Konzert im Pfalzbau?

    Hahn: Wir haben lose einige Ausschnitte aus dem Album zusammengestellt, im Prinzip eine Art Live-Remix. Aber darüberhinaus werden wir ebenso wie im Studio improvisieren. Wir haben herausgefunden, dass das die Wirkung der Aufnahme am besten wiedergibt. Und außerdem können wir uns dadurch als Duo weiterentwickeln.

    Eine letzte Frage zur Originalität – haben Sie den Anspruch, immer gänzlich neue Improvisationen zu spielen oder gibt es Modelle, die Sie gemeinsam ausgearbeitet haben?

    Hahn: Wir haben wahrscheinlich einige Patterns, also Muster, dennoch versuchen wir, das, was wir gemeinsam erarbeitet haben, weiterzuentwickeln. Jedes Mal, wenn wir spielen, kommt etwas Neues hinzu. Aber wir müssen nicht immer alles neu erfinden. Beständigkeit ist wertvoll.

     

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