Steigerung des Irrsinns – anlässlich des Todes von Ivana Hofmann

I.

Am 7.März diesen Jahres, so heißt es, ist Ivana Hofmann, eine Teenagerin aus Duisburg mit togolesischem Vater und deutscher Mutter, so heißt es, im Krieg der USA und ihrer verbündeten Golfmonarchien gegen Syrien  und Russland gefallen.
Ich beginne sofort damit, worum es in diesem Artikel wesentlich gehen wird, und wem das nicht passt, der braucht gar nicht erst weiterlesen:
Was soll das werden? Sammelt sich jetzt jede Winz-Clique, die um einen Schnipsel vom Kuchen der politischen Macht ringt, ihre Söldner im Ausland zusammen und wirft sie in's Feuer, bis von der Region nichts mehr übrig ist oder Uncle Sam seinen erhofften Krieg zwischen EU und der Russischen Föderation bekommt?
Wikipedia sülzt einen schmalzigen, (vorwiegend im Konjunktiv verfassten, was gelinde gesagt, eine Karikatur auf lexikalische Einträge ist) Artikel heraus, der sie zur "ersten Frau aus Deutschland", die für Kurdistan im Kampf gegen ISIS gefallen sei, hochjubelt und die DKP brüllt ein sprachlich-ästetisch nur schwer ertragbares Heldenlied in's Internet, telepolis schwadroniert studentisch-links.
Oder sage ich besser: Heldinnenlied?
Die feministische Ideologie eskaliert als Einheitsfront von radikaler Linker bis zu Uschi von der Leichen: modern und aufgeklärt sein heißt: werft die Frauen in den Krieg!
Oder haben die einfach zu viel ferngesehen?
An der Front werden die nämlich schnell darüber belehrt werden, dass Buffy und Lara Croft keine Realitätsbeschreibungen sind und mit wenigen Ausnahmen Frauen gegen militärisch trainierte Männer körperlich keine Chance haben!
Ich weiß, das ist entgegen aller modernen Glaubensbekenntnisse, sich dergestalt zu äussern, aber es muss gesagt werden um Leben zu retten: WIE PERVERS MUSS MAN SEIN, JETZT AUCH NOCH DIE FRAUEN IM KRIEG ZU VERHEITZEN!?!
Krieg ist kein sportlicher Wettkampf, der nach Regeln funktioniert und es ist auch kein zufälliger Streit, wo einigermassen erzogene Männer angehalten sind, sich Frauen gegenüber rücksichtsvoller zu verhalten als unter Geschlechtsgenossen, im Krieg geht es darum, dass ein Gegner den anderen vernichtet!
Gelaber von Kriegsverbrechen etc. sind Dinge, über die man in warmen Stuben diskutiert, im Feld geht es alleine um: entweder du oder ich…
Natürlich hätte das 19-jährige Mädchen in Duisburg einen Beitrag leisten können, meinetwegen auch ihrer Clique an die Macht zu verhelfen, sie als Söldnerin in den Krieg gegen entschlossene Islamisten zu schicken war Mord!
Es kursierten Fotos von Gaddafis vergewaltigten und zerstückelten Leibgardistinnen und ihre Schänder prahlten mit ihren Untaten, unterstützt von SZ, FAZ und Springerpresse.
Wenn diese trainierten Frauen keine Chance hatten – kann wirklich jemand so blöd sein, zu glauben, eine Schülerin aus Duisburg richtet etwas aus?
Eine Teenagerin ist durch die, zu welchen sie aufschaut, leicht beeinflussbar. Junge Menschen wollen sich beweisen, ihre Kraft erproben und sich Ansehen derer erwerben, die sie bewundern. Sie suchen ihren Platz im Leben. Sie sind leichte Beute!

II.
Lassen wir den pathetischen, revolutionsromantischen Rotz beiseite. Ein junger Mensch fühlt Unbehagen an der Welt in die er hineinwächst und neigt zum Idealismus. Diese Menschen wollen sich engagieren, etwas bewegen. Alle Menschen diesen Schlages stellen bald fest, dass ihr Engagement Rennen im Hamsterrad ist.
Gibt eine Gruppierung ihnen die Möglichkeit, das "echte"zu tun, fallen sie darauf rein. Ihnen fehlt der Überblick und die Lebenserfahrung, einschätzen zu können, worauf sie sich einlassen!
Man erzählt ihnen von der revolutionären Zukunft, von der neuen Welt, die sie bauen können und sie haben ihr Leben noch vor sich, sie träumen eine Welt, in der sie leben wollen, und durch solche politischen Gruppierungen, die irgendwo in der Fremde Krieg führen, bildet sich die Illusion, diese Welt sei zum Greifen nahe.
Natürlich fühlt es sich intensiv an, die Gemeinschaft der SchicksalsgenossInnen und die tägliche Gefahr.
Egal ob die demokratische Peschmergakumpanei des Reichstages, Juden und Jüdinnen, die für Israel sterben würden, ein Kalifat für Moslems, irgendwelche MLs für solche, welche eher zum Sozialismus neigen oder neuerdings eine Christliche Miliz – für jeden Geschmack existiert irgendein Bataillon oder ein "befreites Gebiet" im Schmelztiegel der Hölle, wo einst die Staaten Syrien und Irak gewesen sind.
Was diese Leute nicht wissen, ist, dass ihre erträumten Zukunftswelten gar nicht auf dem Programm stehen. Kein Kalifat, kein Gelobtes Land, kein Kommunismus, keine Demokratie.
Der Tag wird kommen, an dem die Führer der stärksten der politischen Gruppierungen sich in einem Festsaal in New York oder einer anderen Metropole zusammensetzen und die Pfründe untereinander verteilen.
Oder so ein Tag kommt nie und der Krieg dauert ewig, wie im Falle Israel/Palästina.
Klar, fallen die eingesammelten SöldnerInnen, singen die "Brüder und Schwestern" ihnen beim Begräbnis Ständchen und halten hochtrabende Reden.
Das zielt auch auf einen Rekrutierungseffekt ab.
An Jahrestagen wird der Gefallenen gedacht.
Diejenigen, welche den Krieg überleben werden nach dem Tag der Einigung ihr blaues Wunder erleben.
Sie sind nämlich überflüssig geworden und haben nichts gelernt, das für irgendetwas gut ist.
Man wirft sie weg wie Müll.
Ganz davon abgesehen, dass Menschen, die aus dem Krieg heimkommen, in der Regel derart einen in der Klatsche haben, dass sie das soziale Leben stören.
Was glaubt ihr: warum sind die Hälfte der amerikanischen Obdachlosen ehemalige Angehörige der Streitkräfte?
In Istanbul arbeiten ehemalige Soldaten als Schuhputzer.
Ivana Hofmann schrieb irgendetwas von Hoffnung auf ein befreites Kurdistan. Das einzige befreite Kurdistan, das realistisch möglich ist, ist ein befreites Kurdistan von Washingtons Gnaden in Absprache mit Israel und Ankara.
Eine fanatisierte Linksradikale aus dem Pott ist da nicht eben die Wunschgenossin.
Wie verantwortungslos kann man sein, wenn man eine Jugendliche einfängt für einen Krieg, der nicht ihrer ist?
Wenn ein Mädchen in den Kampf ziehen will, oder ein Junge, und die Kontaktleute sagen nicht: "Halte dich da raus! Du kannst agitieren oder Spenden sammeln, um die Leute vor Ort zu unterstützen, aber das Land ist nicht dein Land und der Krieg ist nicht dein Krieg;" dann wißt ihr, diese Leute meinen es nicht gut mit euch, sie benutzen euch!

III.
Linksradikale, Anarchos wie Kommunisten, schwadronieren gerne in Phantasien vom Spanischen Bürgerkrieg.
Sie reden über Durruti und Orwell, der übrigens als Agent des britischen Geheimdienstes dort war, und manchmal hört man die LP von Ernst Busch.
Wenn ihr eine Darstellung haben wollt, die ganz ohne politische Voreingenommenheit die Realität beschreibt, dann lest Heminways "For whome the Bell tolls". Lest den Roman, schaut nicht den Film. Der Film ist Hollywood. Der Roman schildert wie und warum die Front der 2.Republik zusammengebrochen ist.
Nichts am Spanischen Bürgerkrieg war spannend, feierlich, heldenhaft, es war schmutzig, brutal und deprimierend. Viele sind nach Spanien gegangen, weil sie die letzte Hoffnung darin suchten, die Faschisierung Europas aufhalten zu können.
Sie konnten es nicht.

IV.
Einen gewißen Unterschied macht es, wenn aus der Armee entlassene Soldaten in einen Krieg ziehen, der sie nichts angeht.
Sie können den Menschen, die sich vor Ort gegen Angreifer verteidigen müssen im Handwerk des Todes unterrichten. Und allemal besser, als verdingten sie sich für Söldneragenturen des Typs Blackwater.
Ebenfalls ist es etwas anderes, wenn Menschen aus der Russischen Föderation den Gegnern der Kiewer Junta zu Hilfe kommen.
Die Grenze zwischen Russland und Ukraine ist eine künstliche, im Dienste politischer und wirtschaftlicher Eliten gezogene.
Sie existiert seit 22 Jahren und hat davor während der gesamten Menschheitsgeschichte nicht existiert.
Sie durchschneidet Familienzusammenhänge, sie durchschneidet was in Jahrtausenden an gemeinsamer Geschichte, Kultur und Wirtschaft gewachsen ist.
Die 22 Jahre ukrainischer Staat haben den Menschen in der Ukraine nur Elend und Unglück gebracht.
Gelaber von "Völkerrecht" und "staatlicher Integrität" ist Hirnmasturbation für Akademiker und was übrig bleibt sind nichts weiter als Pokerkarten auf dem geostrategischen Schlachtfeld.
In der Ukraine selber wird der Krieg sich ausdehnen, das ist unvermeidlich.
Ein Beispiel?
Monsanto wird sich das Areal unter den Nagel reißen, welches von den Nachfahren der Machnotschnina bewohnt wird.
Deren Vorfahren hatten es sich erkämpft unter der Parole: "Das Land denen, die es bebauen!"
Es ist das Erbe der Menschen, die dort leben und es ist das Vermächtnis für ihre Kinder und Kindeskinder.
Aus freiheitlich demokratischer Menschenrechtssicht des Westens ist es eine simple Privatisierung in einem Nachfolgestaat der UdSSR.
Es ist den Menschen dort aber herzlich egal, welche Wirtschaftstheorie oder politische Ideologie an westlichen Universitäten gerade up to date ist.
Kommt Monsanto, werden sie als Invasoren empfangen, die das Land rauben wollen.
Das Witzparlament Rada kann beschließen, was es will, gefällt den Leuten nicht, was beschlossen wird, erkennen sie die Autorität nicht an.
Natürlich werden die Schergen der westlichen Konzerne es mit Waffengewalt durchsetzen wollen.
Aber das sind keine Indios in den Anden oder am Amazonas, die man einfach so wegballern kann und verscharren, wenn sie nicht spuren.
Sie werden wie der Donbass die Heimat verteidigen, und sie haben eine Lobby, die Russland heißt!
Unsere Aufgabe hier in Deutschland ist es nicht, dort hin zu gehen und mit Knarren herumzufuchteln!
Als Sani hingehen, Hilfslieferungen organisieren, auch als Berichterstatter um der Lügenpresse dokumentarisches entgegensetzen zu können macht Sinn.
Am wichtigsten aber ist es, zu begreifen, dass dies ein Krieg ist, den die USA forcieren um Europa und Russland aufeinander zu hetzen, damit sie einsammeln können, was übrig bleibt.
Alles tun, damit der Krieg in der Ukraine beendet wird, damit die Rechnung Washingtons nicht aufgeht, die Bevölkerungen in den EU-Ländern aufgeklärt werden und die Regierungen der EU uns, und mit uns meine ich EU-Bürger, Bürger der Ukraine und Russen, nicht in dieses Feuer werfen.
Hetzt die Presse zum Krieg auf, kündigt die Abos und spuckt ihnen in das Gesicht!
Zahlt keine GEZ!
Kommen Befehle und Verordnungen, die hier antreiben, verweigert den Gehorsam!
Erhöht den Druck auf die Regierungen, zur Vernunft zurückzukehren!
Lasst euch nicht verhetzen von Kotzbrocken wie den Becks und Harms!
Und lasst euch nicht in einen Krieg hineinziehen, egal mit welcher Propaganda, keiner GRÜNEN, keiner faschistischen, keiner demokratischen, keiner linken!
Aus der Antike ist überliefert, dass der Diktator von Syrakus, Dionysos, einen Gesangswettbewerb veranstaltete, auf welchem Gesänge aus der "Ilias" des Homer mit Gesängen aus "Tage und Taten" von Hesiod wetteiferten.
Der Diktator, für den Plato das Gesetzbuch schrieb und den Schüler aus Schillers "Bürgschaft" kennen, krönte den Hesiod zum größten Dichter Griechenlands, denn Homer, so befand er, jubelt nur dem Sterben in der Schlacht zu, der Hesiod jedoch feiert die wahren Helden einer Nation, die Bauern, welche in täglicher Mühsal den Kampf gegen sengende Hitze und quälendes Eis aufnehmen, um die Menschen am Leben zu erhalten.

Hemingway

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