Saddam Erdogans heilsamer Schock

Falsche Freunde sind schlimmer als echte Feinde.

Als echte Feinde standen sich die Warschauer-Vertrags-Staaten und der NATO-Pakt gegenüber.

Sie waren echte Feinde, denn sie basierten auf miteinander unvereinbaren Wirtschaftskonzepten und waren an gegensätzlichen Staatszielen orientiert.

Sie folgten unterschiedlichen Philosophien.

Man nennt diese Welt heute bipolar. (Das klingt irgendwie nach manisch-depressiv.)

Genau genommen war die damalige Welt aber multipolar.

Neben oder zwischen diesen beiden Machtblöcken – – –

Ich sollte das besser formulieren: der Planet Erde war multipolar aufgeteilt.

Die beiden traditionell Machtblöcke bezeichneten Gebilde, sie waren 2 Welten auf einem Planeten. Dazwischen gab es aber die im Wesentlichen von der Bundesrepublik Jugoslawien geführte "Gemeinschaft unabhängiger Staaten", ein lockerer Zusammenschluss auf unterschiedlichste Weise organisierter Länder, und es gab als nochmals eigenständige Welt die Volksrepublik China.

Es gab kleinere und größere Länder, die eigentlich nirgendwo verbindlich dazu gehörten.

Beide großen Machtblöcke, der sogenannte Ostblock und der komischerweise normalerweise nicht Westblock genannte Westblock buhlten um die Gunst der Länder, die nicht zu ihnen gehörten oder nutzten die internen Klassenkämpfe, um sie auf ihre jeweilige Seite zu ziehen.

Dabei nutzte der Westen die jeweils herrschende Klasse, der Osten die Befreiungsbewegungen als Verbündete im Land.

Sehr grob, linolschnittartig dargestellt. Die Aussage, um die es dabei geht ist, dass mit einigen Ausnahmen jeweils die nationalen Kräfte, die dem einen oder andern Block nahestanden, unterstützt wurden, es sich aber, wenn man so will, vor allem um Manipulationen der internen Kräfteverhältnisse handelte.

Direkte Interventionen, wie beispielsweise der Vietnamkrieg, waren selten.

Mit der Kapitulation der KPdSU und dem Zerfall erst des Ostblockes und dann der UdSSR änderte sich das schlagartig.

Da nun global Verwirrung herrschte und dem Westblock kein nennenwerter Feind mehr gegenüber stand, ging der Westblock zur offenen Aggression über.

Als Symbolfigur dieser Entwicklung kann man Saddam Hussein sehen.

Als CIA-Agent hatte er die Aufgabe zunächst die Politik der Baath-Partei im Sinne des Westens zu beeinflußen und dann als Präsident für den Westen eine Stellvertreterpolitik im Nahen Osten zu betreiben.

Aber Saddam war auch sein eigener Herr.

Er stellte sich mit dem Westen ebenso wie mit der UdSSR gut.

Das Land führte er autoritär, sehr brutal aber auch sehr erfolgreich. Der Irak erreichte unter ihm das Niveau westlicher Industrienationen.

Der Westen hielt ihn, weil er für ihn den Stellvertreterkrieg gegen den Iran führte.

Saddam hatte aber auch das Problem, das alle haben, die in kurzer Zeit große Erfolge zeitigen, nämlich sein Land in die Schuldenfalle getrieben.

Warum diesen ganzen Sermon noch einmal erzählen?

Weil eben unser verehrter Sultan Recep Tayyip Erdoğan erstaunliche Ähnlichkeiten aufweist!

Für mich reichen die Anhaltspunkte, die wir mittlerweile zusammentragen können, aus, um meine Vermutung, die USA hatten versucht ihn wegzuputschen, bestätigt zu sehen.

Die wichtigsten dabei sind die Reaktionen des Westens.

Zunächst in der Putschnacht, als eine offensichtlich vorbereitete Berichterstattung von vollendeten Tatsachen ausging, der zu Folge Erdogan sich auf der Flucht nach Deutschland befände und das Militär die Kontrolle habe.

Die Begründung der Putschisten, das Widerholen der immer gleichen Floskeln von wegen "Demokratie" und Glump und Zeug, die mal wieder verteidigt würden.

Davor konnte Erdogan eigentlich tun und lassen, was er wollte, die Presse war immer auf seiner Seite, die westliche Politik unterstützte ihn in allem.

Er hat sich immer Verbündete gesucht, die ihm bei der Erreichung seiner Ziele nutzen.

Nun wird er nach und nach zum schrecklichen Diktator, obwohl er sich eigentlich in keiner Weise anders verhält als vorher und auch keine anderen Ziele verfolgt.

Der sogenannte Flüchtlingsdeal wird in der für diplomatische Hergänge üblichen Geschwindigkeit liquidiert.

Das Dementi des türkischen Außenministeriums, die US-Atomwaffenstation Incirlik auch für Russland zu öffnen, war kein Dementi: „Wir werden mit jedem kooperieren, der gegen die Daesh kämpft. Wir tun dies schon für eine Weile, und wir öffneten die Luftbasis Incirlik für diejenigen, die im Kampf gegen die Daesh aktiv vorgehen." wird der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zitiert.

Für meine Ohren klingt das nach Diplomatensprech für "Amis verpisst euch!"

Besonders wenn man es in Zusammenhang mit weiteren Formulierungen des türkischen Außenministers bringt: „Putin sagt ihnen (den westlichen Ländern – Anm. d. Red.) die Wahrheit ins Gesicht, die Wahrheit über ihre Irrtümer und Fehltritte. Ihrerseits halten sie Russland und die Türkei für Länder der zweiten Sorte. Und sie ärgern sich, wenn diese ‚zweitklassigen Staaten’ es wagen, Kritik gegen sie zu richten.“ (zitiert nach Sputnik-News)

Im gleichen Interview nimmt er eindeutig Stellung zu den Ereignissen in der Ukraine: " „Schauen Sie, was mit der Ukraine passiert ist. Sie haben das Land stets bedroht und gezwungen, zwischen ihnen (dem Westen – Anm. d. Red.) und Russland zu wählen. Sie sagten, ‘du wirst entweder mit uns sein oder mit Russland’. Diese Herangehensweise taugt nichts. Was heute in der Ukraine passiert, ist die Widerspiegelung des Hauptproblems in der Region“.

Das ist besonders wichtig! Ich habe dieses Jahr mehrfach darauf hingewiesen, dass die NATO einen Krieg gegen Russland entweder auf der Krim oder in Syrien provozieren will.

Um Krieg über Syrien zu forcieren müsste sie von der Türkei aus agieren.

Wahrscheinlich war der Putsch im Rahmen der Vorbereitungen dazu gedacht.

Sein Scheitern machte diesen Plan zunichte.

In den letzten Tagen hörten und lasen wir von Terroranschlägen, die auf der Krim geplant und vereitelt wurden. Was auch immer es war, es geschah etwas, das die Spannungen zwischen Moskau und Kiew anheizen sollte!

Die Stellungnahme des türkischen Außenministers lässt keinen Zweifel offen, dass mit einer Kollaboration der Türkei nicht gerechnet werden kann.

Aus meiner Sicht hat die Türkei außenpolitisch die richtigen Konsequenzen aus dem Putsch gezogen.

Ich begrüße das sehr!

Innenpolitisch ist die Frage nicht so leicht zu beantworten.

Zunächst muss der interne Krieg gegen die Kurden schleunigst aufhören und der Friedensprozeß wieder aufgenommen werden.

Natürlich hat der Putsch auch die politische Handlungsfähigkeit der fortschrittlichen Kräfte in der Türkei extrem geschwächt.

Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt, aber klar ist, dass man sie nicht aus geopolitischen Interessen dem Sultanat opfern darf.

 

 

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