Putin Frage und Antwort im Fernsehen

Ich persönlich mag ja die BILD-Zeitung. Nirgendwo sonst kann man sich zu den aktuellen Themen innerhalb von 5 Minuten mit der jeweiligen dazugehörigen Propagandalinie vertraut machen, also ohne sich ewig lang durch intellektuelles Geschwurbel quälen zu müssen, das in seiner Essenz auf BILD reduziert werden kann, oder, noch schlimmer, weinerliches Gesülze dazu reinziehen zu müssen, wie etwa in einem Interview der BILD-Zeitung für Besserverdienende, Springers Welt, mit Herta Müller über Putin.

Manchmal beschleicht mich der Gedanke, dass es das Nobelpreiskomitee nur noch gibt um uns zu ärgern. MARVEL-Comixe sind geistreicher als Herta Müller, eine Frau, für die Hühneraugen-Pflaster, Ohrenstäbchen und Tampons Ausdruck des Respekts für den Menschen sind. (Ich unterstreiche: das geht jetzt nicht gegen Herta Müller, die ist mir egal, das geht gegen die Osloer Chefakademisten:-)

Natürlich gehöre ich zu jenen, welche auf diejenigen, welche sich ihre Meinung von der BILD bilden lassen verächtlich herabschauen.

Noch mehr Verachtung ringen mir aber jene ab, welche sich ihre Meinung von der Welt bilden lassen und dabei dem Eigendünkel verfallen sind, sich BILD-gebildeten überlegen zu wähnen.

Die Ausgabe zum Thema Böser-Putin-zeigt-sich-in-der-Glotze ist wieder ein Highlight deutschen Journalismuses!

Wir haben einen Michael Stürmer beispielsweise – und wer sich an deutsche Publikationsgeschichte erinnert muss bei dem Namen in dem Blatt unwillkürlich lachen wie über einen schwarzhumoristischen britischen Witz –  der entdeckt, Putin sei gewaltbereit.

Putin Stürmer

Als Leser werde ich sofort zum Gegenteil des geneigten Lesers, als welcher der Leser in alten Romanen vom Verfasser angesprochen wird und kann den Rest des Artikels kaum überfliegen, geschweige denn lesen!

In Wirklichkeit ist Putin nämlich gar nicht Präsident eines Konzertvereins, sondern eines Staates.

Gewaltbereitschaft is DAS wesentliche Charakteristikum eines jeden Staates, welcher Konstruktion er sich auch bedient, Diktatur einer Person, Diktatur einer Partei, Diktatur von Banken und Konzernen, Diktatur von 2 oder mehreren Parteien – gewitzte SchülerInnen der 3. Klasse Grundschule munkeln sich etwas vom Gewaltmonopol des Staates zu, wenn sie sich gruseln wollen.

Ohne Gewalt kein Staat, also muss der Präsident eines Staates ja gewaltbereit sein!

Selbst wenn wir es auf Gewaltbereitschaft im Umgang seiner Regierung mit anderen Staaten reduzieren, was der Schlaumeier uns scheint's sagen möchte, so bleibt es ein britischer Witz wie der Name des Verfassers selbst, da der Vorwurf aus einem Springerblatt heraus erhoben wird, dessen Schreibtischtätern regelmäßig, sobald seitens der USA ein Krieg vom Zaun gebrochen wird, einer in der Hose abgeht und die mit dem Überfall der perversen Saudis (die Familie, nicht die Bevölkerung des Landes ist gemeint) auf den Jemen d'accord gehen.

Aber sie sind eben Schreibtischtäter. Sie schreiben die Gewalt ihrer bevorzugten Seite schön, als sei es keine Gewalt sondern Hilfe in der Not, natürlich nur, bis besagte Seite selbst fällt und durch eine andere Macht ersetzt wird, dann ziehen sie im Dienste der neuen Macht gegen die bisher bevorzugte vom Leder und inszenieren sich, posthum sozusagen, als deren Opfer.

Wie oft haben wir das schon beobachtet!

Ist ja nicht so wichtig. Aufgabe eines Staates jedenfalls ist es durch Androhung oder Ausübung von Gewalt eine spezifische Ordnung aufrechtzuerhalten, und warum das in Russland anders sein sollte leuchtet einem gesunden Menschenverstand nicht ein.

Journalisten sind Teil dieser Ordnung, und so meinen eben unsere deutschen Journalisten, die durch ihre Ordnung ausgeübte Gewalt geht schon in Ordnung und die von anderen ist böse.

Gähn!

Putin Stürmer 2

Fazitiert unser Herr Stürmer.

Hab ich's nicht eben gesagt? Die durch den Westen ausgeübte Gewalt heißt plötzlich liberal.

Die Smirnow-vernebelte Julia der Springerpresse rümpft die Nase. Nein, nicht weil sie unversehens Moskowskaja erwischt hatte, weil sie findet, Putin zöge da eine Show ab, die seinen Wählern gefallen soll.

Boh! Was ein Glück, dass es Julia gibt, endlich habe sogar ich mal was gelernt!

Also ich hab jetzt wirklich die ganze Zeig geglaubt, und das all die Jahre, in denen er das schon macht, dass der Putin das veranstaltet, weil es ihm im Kreml immer so langweilig ist und er mal raus wollte und sich durch so einen Bürgerdialog den trögen Alltag mit etwas Abwechslung aufpeppen will!

Die Fragen, so beklagt sich Julchen, seien sorgfältig aus 3 Millionen Zuschriften ausgewählt worden.

Naja, so langweilig ist es ihm dann halt doch nicht, dass er den Rest seines Daseins damit zubringen möchte, diese Fragen zu beantworten.

Smirnoww

Aha, Putin inszeniert den Anschein wohingegen irgendwelche Fernsehduelle zwischen schnapsnasigen Präsidentschaftskandidaten der USA, die sogar im deutsche Fernsehen ausgestrahlt werden, wo gar kein amerikanischer Präsident gewählt wird, da das Kolonialvolk zwar zusehen aber nicht mitreden darf, Ausdruck von Demokratie sind.

Oder erinnern Sie sich, geneigter Leser, geneigte Leserin, noch an die Schnarchstunde mit Merkel und Steinbrück? In gewißer Weise war es sogar lustig zuzusehen, wie 2 Kandidaten nicht wissen, worüber sie streiten sollen, weil sie eh in allem einer Meinung sind. Britisch lustig jedenfalls.

Dass unsere Presse über die Session einhellig zetert ist Ritual wie der Event Ritual ist.

Und da Deutschland eine amerikanische und keine russische Kolonie ist, wird das Publikum mit so geistreichen Artikeln wie den hier erwähnten für ausreichend gefüttert betrachtet.

Da sind wir doch froh, dass der Staatssender RT die Show ungekürzt zeigt und wir uns selbst ein Bild machen können:

 

 

 

 

 

 

 

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