Nutznieser des Todes

Viele Menschen, die gute Absichten haben und sich ein Ende von Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung wünschen stellen sich die Weltpolitik leider immer als eine Art riesengroße Augsburger Puppenkiste vor, in der die Washingtoner Eliten die Puppet Masters sind.

Das führt zu Fehleinschätzungen.

Die Reaktion der amerikanischen Neocons "Hurrah, voll geil, jetzt marschieren wir in Syrien ein" und der NATO-Generalsekretär Stoltenberg mit seinem "Juppheidi, Juppheida, der Bündnisfall ist da!" bedeuten nicht, dass diese Leute hinter dem Angriff auf Paris stecken, sie bedeuten, dass diese Leute die Anschläge für sich nutzen wollen.

In einem lesenswerten Artikel erwähnen die DWN einen Professor, der darauf hinweist, es würde möglicherweise nicht der IS, sondern Al Kaida als Drahtzieher in Frage kommen.

Das ist aber völlig egal. Die Gruppen unterscheiden sich nur darin, wem ihre Kämpfer die Treue geschworen haben. Angenommen, Assad fällt und sie werden die Herrscher über Syrien, werden sie ihre Konkurrenzkämpfe hintanstellen.

Das von der Presse verbreitete Bild von den durchgeknallten Psychokillern täuscht.

Diese Gruppen interpretieren den Islam als Staatslehre.

Sie streben eine Herrschaft an, die nach ihrer Auffassung gottgewollt ist und müssen dafür die Ungläubigen überwinden, die im Dienste des Shaitan dieses Reich Gottes verhindern wollen.

Ihr Atem ist lang und sie haben, wie Paris wieder einmal zeigt, hervorragende Strategen und Taktiker in ihren Reihen.

Hauptziel des Angriffes auf Paris war es nach meiner Erkenntnis, wie im letzten Artikel dargelegt, muslimische Minderheiten und Migranten und "ungläubige" Einheimische gegeneinander aufzuhetzen und so Europa zu destabilisieren.

Sie rechnen damit, dass die Migranten, die nicht zu ihnen gehören, scheitern, unglücklich werden, und dann IS, Al Kaida usw als Hoffnung annehmen werden.

Seit Russland mit der syrischen Armee und gemeinsam mit kurdischen Kämpfern die Offensive gegen den IS und Al Kaida/Al Nusra erfolgreich angetreten sind, haben sie dort nicht viel zu verlieren. Die Expansion nach Europa liegt auf der Hand, denn ihrer Vorstellung nach gibt es nur die Umma, es gibt nur Moslems oder Ungläubige, nationale Kulturen sind ihrer Ansicht nach Dekadenz.

Die Blödheit der amerikanischen Kriegsgeiler, einen solchen Anschlag ausnutzen zu wollen und möglichereise in Syrien mit Russland zusammenzustoßen ist nahezu ein Naturgesetz, wie das Aufgehen der Sonne am Morgen und ihr Untergehen am Abend.

Dieser Effekt wird mit eingerechnet, er nutzt ihnen gegen Assad und Russland.

Man muss aber klar erkennen, dass sie nicht im Dienste Washingtons handeln sondern ungläubige Psychopathen für ihre Zwecke einsetzen.

So gesehen sind IS un d Al Kaida dem Amis sogar überlegen, denn die sind blöd genug trotz der Misserfolge der vergangenen 2 Jahrzehnte im Umgang mit den islamistischen Terroristen sich auf ihren eingebildeten Exeptionalism weiterhin einen runter zu holen und zu meinen, sie könnten die Islamisten verwenden und am Ende ausbooten.

Das aber ist unmöglich!

Ein Amerikaner kämpft für Geld. Er will seinen Gewinn sofort und er will ihn verprassen.

Ein Islamist kämpft für den Gottestaat. Und kommt der erst 5 Generationen nach ihm, so hat er doch seinen Teil dazu beigetragen.

Wenn jetzt in Antalya der G20-Gipfel tagt, so sollten wir nicht auf die blöden Cowboys von jenseits des Atlantik achten.

Es ist ein ganz anderer Spieler, dessen Stunde hier gekommen ist, der Muslimbruder Sultan Erdogan!

Seine Ideologie und die der IS ua. sind ebenfalls identisch, nur ist er der intelligenteste Führer und der mit den besten Vorteilen!

Sind die Führer von IS ua nur Isnoguds, die toben "Ich will Kalif sein an Stelle des Kalifen", so ist Erdogan der Kalif!

iznogoud 20123

Jetzt schon ist er es, der sich als Erfolgreichster darbieten kann, er hat das "ungläubige Weib" Merkel in der Tasche, über die er sich die EU-Mitgliedschaft greifbar machen konnte, und somit, historisch-symbolistisch gesprochen, das Tor nach Wien aufgestoßen, er hat die EU als Verbündeten gegen die Kurden, er hat die Möglichkeit, das historische Erbe des osmanischen Reiches aufleben lassen zu können, die Mutter der Umma.

Damit werden alle Menschen in der Türkei, die nicht Erdogans Ideologie teilen, sehr bald schon Ungläubige oder Verräter, gegen die alles erlaubt ist. Sie werden alle Assad!

Gelingt es Erdogan, in der Türkei einen Gottestaat in der Tradition des osmanischen Reiches zu etablieren und diesen international zu legitimieren, werden die anderen Islamistischen Verbände wie der IS sich ihm auf Dauer fügen.

Sein Gepoltere gegen den Terrorismus ist nicht mehr als die Instrumentalisierung des vor Arroganz verblödeten Westens im Ringen darum, sich potentielle Konkurrenten um die Führung unterzuordnen.

 

 

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