Mitläufer, Dosenpfand und Sachsenmaidan

Ihr bemerkt es, wir haben ein Problem: PEGIDA wächst sich zur Plage aus!

I.

Das, wie Lenin es nannte, renitent gewordene Kleinbürgertum hat seinen Feind gefunden und haut mutig mit der Faust auf den Tisch: "Es reicht!" brüllt der allgemache Spießer, natürlich nicht seinem Vorgesetzten in das Gesicht, daran hindert ihn sein feiger Wurm, den er anstelle des Rückgrades hat, nein es reicht ihm, er phantasiert Janitscharenhorden in Asylantenheimen herbei!

"Wir sind das Volk!" – so lautete der Schlachtruf der Antikommunisten, vor denen der Ostblock kapituliert hatte.

Der Mythos der friedlichen Revolution macht bis heute die Runde, friedlich mit Ausnahme Rumäniens, dor wurde der CIA-Agent Ceaușescu samt Weib und Hund noch rechtzeitig bevor er auspacken konnte von seinen amerikanischen Freunden entsorgt.

Wie der Ostblock abgewickelt wurde kann ich hier nicht erörtern, es füllte außerdem Tausende Seiten.

"Jetzt wächst zusammen was zusammen gehört" freute sich Willi Brandt des Sieges über den Osten, ganz die Tatsache ausblendend, dass es dieses Deutschland, das da scheinbar zusammenwächst, erst seit 1871 existiert und dem ein überhaupt nicht so netter preußisch-österreichischer Krieg vorausging.

Inzwischen hat man auch in der DDR begriffen, dass man im Kapitalismus exakt so viel Freiheit hat wie man Geld hat und dass dieses Geld nicht auf den Bäumen wächst.

II.

PEGIDA steht genau genommen in der Tradition dieses 1989.

1989 ging natürlich nicht um "Demokratie und Freiheit" 1989 ging um Geld.

PEGIDA geht nicht um die Verteidigung einer ach so hehren Kultur, PEGIDA geht um Geld!

Welche Kultur sollte das denn überhaupt sein?

Eichendorff und Mallarmé führen bestenfalls ein Nieschendasein und haben noch nicht einmal ein leises Wispern gegen Dschungelcamp und Cineplex zu bieten, Verdi ist allgemein auf ein Grölen der Melodie des Triumphmarsches im Fußballstadion und zum Pausenfüller zwischen Geschäften in Opernhäusern geschrumpft (Sie verstehen meinen tollen Witz: die Aufführung ist die Pause, Harr Harr) und was die einzelnen Feiertage für eine Bedeutung haben weiß nur mehr eine nach und nach verschwindende Minderheit, was ganz sicher nicht an ein paar Moslems liegt.

Kurz, den Leuten ist der Kommunist abhanden gekommen, also muss der Moslem ran.

In der großen weiten Welt und in der kleinen DDR!

III.

Die Jahre 1985 bis 1987 stand Bayern ganz unter dem Eindruck von Wackersdorf.

Es war wirklich eine Menge los hier!

Und von überall kamen die Revolutionstouristen angereist in die Oberpfalz.

Jeder wollte mal einen Molli auf einen Wasserwerfer geworfen oder mit der Zwille über den Zaun geschossen haben, so, wie man weiland auf dem Jahrmarkt mit dem Luftgewehr auf Dosen schießt.

Jedes Wochenende gab es Bauzaunparty und in den Ferien das Camp für Dauergäste.

Es tummelten sich eine Menge Fraktionen herum, die einen nannten sich "Autonome" und redeten von RZ/Rote Zora, die anderen nannten sich "Antiimps" und schwärmten von einer RAF, dann gab es natürlich die ganzen trotzkistischen und stalinistischen und maoistischen und wie auch immer -istischen K-Grüppchen und die dogmatischen Anarchos.

Die GRÜNEN sahen den entscheidenden Push für die Karriere ihrer Partei gekommen.

Ich, nebenbei, begriff mich als eine Art aktualisierte Version von Wladimir Majakowskij und verhielt mich dem entsprechend, ordnete mich irgendwie dem Punk zu und wirkte auf eine Menge Leute dementsprechend unverstehbar, russische Literatur gehörte nicht eben zu den verbreiteten Vorlieben der Generation und das machte meinen Ansatz, nennen wir es mal: exotisch.

Bild A.: Ich in der Wackersdorfzeit:

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Bild B.: Majakowskij:

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Eine Gruppe aber brachte die ganzen wackeren Wackersteine-werfenden Studenten im Wackerland immer ganz aus dem Häuschen, das war der "Kommunistische Bund".

Die hatten eine Zeitung, die hieß "Arbeiterkampf" und die war so eine Art Juwel zwischen dem Papierwald aus Texten, die im Wesentlichen aus den Sätzen "Wir sind antikapitalistisch wir sind antiimperialistisch wir sind antifaschistisch wir sind antipatriarchal" nebst ein paar nichtssagenden Hinweisen, worauf sich das jeweilige Flugi konkret beziehen will, bestanden.

Das war schon interessant, denn eigentlich war ja jeder Mensch, welcher einen auch nur halbwegs geistreichen Satz von sich geben konnte, sofort verdächtig, ein Klassenfeind oder ein Frauenfeind oder sonst etwas zu sein, aber die Publikation des KB wurde mit großem Staunen gelesen. (Nicht von Arbeitern, in deren Vokabular finden sich normalerweise nicht ausreichend akademisch antrainierte Fremdwörter um "Arbeiterkampf" lesen zu können.) – (naja, vielleicht hat man sich die geistreichen Sätze ja auch für das Seminar an der UNI aufgehoben und die vom KB hatten schon ausreichend akademische Weihen um öffentlich etwas über "Wir sind anti…" hinaus formulieren zu dürfen).

IV.

OK, was ich jetzt darstellen möchte ist nicht ganz leicht.

V.

"Aus einem Funken kann ein Flächenbrand entstehen." sagt Mao.

Die Wackersdorfbewegung begann als ein Machtkampf eines SPD-Landrates gegen die Strauß-Regierung, unterstützt von regional Betroffenen und studentischer Anti-AKW-Bewegung.

Dass es eine Massenbewegung wurde hatte als Initialzünder die Havarie im AKW Tschernobyl.

Es bedarf des Initialzünders, der Menschen massenhaft auf die Straße bringt!

Nun beachten wir: plötzlich taucht eine "HOGESA" auf, "Hooligans gegen Salafisten", was man als Außenstehender noch als Clash zwischen Subkulturen beurteilen kann. Es ist sehr konkret, und wenn wir diese ganzen merkwürdigen Prediger wie Sven Lau und Pierre Vogel ansehen und mit einbeziehen und dass ja tatsächlich Gestalten wie Denis Cuspert aka Deso Dogg real auf YouTube und in sonstigen Medien mit Mordlüsternheit hausieren gehen, also eine reale Gefahr darstellen, ist dieser Clash erklärbar, da es ja um zwei ganz konkrete Gruppierungen geht.

Und so plötzlich wie es entstanden ist, ist HOGESA auch wieder von der Bildfläche verschwunden.

Stattdessen taucht in Dresden eine diffuse Bewegung auf, die sich PEGIDA nennt und des deutschen Antikommunisten Parole brüllt "Wir sind das Volk".

Bemerkenswert ist, dass das Magazin Compact zunächst öffentlich überlegt hatte, fürderhin in die Stadien zu gehen, dann stracks auf den PEGIDA-Zug aufspringt und dafür nun des deutschen Spießers Wunderhorn bläst!

VI.

Die 90-ger Jahre, aber vor allem die Zeit der Rot-GRÜNEN Bundesregierung, der "68-ger an der Macht", waren eine Zeit der Klärung.

Vor allem wurde geklärt, dass die westdeutsche Linke in erster Linie eine Bewegung der Mitläufer war.

Mitläufer sind ein Problem. Sie wissen eigentlich gar nicht, worum es geht, erhoffen sich aber irgendetwas und einige der ihren drängeln sich in den Vordergrund, wo sie dann den eigentlichen Sinn liquidieren.

Zahllose der Flugblätter und Heftchen, die mit "Wir sind antikapitalistisch, wir sind antiimperialistisch" geworben haben wurden von Leuten produziert und verteilt, die überhaupt nicht wissen, was Kapitalismus ist!

Nach der Wende haben sie sich dann etwas neues zum Mitlaufen gesucht.

Durch die Rot-GRÜNE Bundesregierung konnten einige profitieren, viele nicht.

Die nun begannen jene, welche wussten, warum sie sich der Linken angeschlossen hatten, welche antikapitalistisch waren, weil sie den Kapitalismus angemessen durchschaut hatten, auf die übelste Art zu bekämpfen.

Der Kapitalismus war plötzlich nicht mehr schlecht, er war nur nicht ausreichend gut gemacht.

Der KB erwies sich als Kernstück des Salonkommunismus.

Ein Teil besagten Kommunistischen Bundes wurde zur böswilligsten geistigen Waffe der Aufstandsbekämpfung überhaupt, es wurden diese Antideutschen, die Kapitalismuskritik an sich zu Antisemitismus erklären. Sie wurden die Sturmtruppe Israels zur Übernahme der Linken und prägten als Kampfbegriff gegen Palästinenser den Begriff "Islamofaschismus".

KB-ler stiegen bis in die Bundesregierung auf, jene Bundesregierung die Jugoslawien mit Bomben Freiheit und Demokratie brachte, Hartz4 einführte, Hedgefonds legalisierte. Der KB-Mann Trittin baute sich ein Denkmal in Form des Dosenpfandes.

Bei Jürgen Elsässer hatte ich wirklich gehofft, er hätte von dem, was er als KB-Mann gepredigt hatte, auch selber verstanden.

Nun wächst zusammen, was zusammen gehört!

Durch sein Eintreten für PEGIDA lässt er die Maske fallen und offenbart sich als das völkisch-kleinbürgerliche Spiegelbild der Antideutschen.

Ja, man grenzt sich ab. Ja, man liefert sich einen Show-Prozess-Prozess-Show mit der Ditfurth.

Ob er meint was er sagt, oder nur ein Medienunternehmer ist auf der Suche nach einem Absatzmarkt spielt keine Rolle.

Der Mitläufer Elsässer hat nur länger gebraucht als andere um etwas neues zum Mitlaufen zu finden.

VII.

Die Aufgabe von PEGIDA ist die Polarisierung der Bevölkerung.

These PEGIDA, Antithese AntiPEGIDA.

Es ist nicht von Ungefähr, dass PEGIDA in Konnotation gesetzt wird mit "RT-Deutsch", etwa in der Sendung Heuteshow, und dem Begriff "Lügenpresse".

Es ist höchste Zeit und wichtig, dass RT sich von PEGIDA entgegen aller journalistischen Ethik der Neutralität drastisch und unmissverständlich distanziert! Tun sie es nicht, tappen sie in die aufgestellte Falle!

Denn die Konnotation, die geschaffen wird, ist: Wer Lügenpresse sagt ist Rassist, PEGIDA ist der Verein der Putinversteher. Compact spielt dabei eine aktive Rolle als Magazin, das Frieden mit Russland und alternative Sichtweise zur Kriegspolitik der GRÜNEN, Gauckler und Merkeles makiert.

PEGIDA ist nicht "Besorgte Bürger erheben endlich ihre Stimme", PEGIDA ist ein Vorschlaghammer, Stimmen gegen die herrschenden Verhältnisse und die ansteigende Kriegspolitik totzuschlagen!

 

 

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