Kriegsgrund Betriebswirtschaft

Ich will kurz einen Aspekt in die Debatte einbringen, die meines Dafürhaltens die Analyse bereichert.

Jedem, der sich an ernstnehmbaren Lehreinrichtungen Schulungen in Unternehmensführung unterzieht, wird man früher oder später mit aller Kraft eines versuchen einzutrichtern:

Essentiell ist die dreiphasige Unternehmensplanung!

1. Langfristige Planung, die auf 15-20 Jahre geht.

2. Mittelfristige Planung auf 5-10 Jahre.

3. Kurzfristige Planung 1-3 Jahre.

Unterschiedliche Modelle unterscheiden sich in Details, aber im Kern ist es bei allen gleich. Leuchtet ja auch ein.

In diese Planungen werden möglichst alle absehbaren Faktoren mit einbezogen und sie bestehen aus unterschiedlichen Komponenten.

Egal, ob man einen kleinen Ein-Mann-Betrieb oder ein globales Multimilliarden-Unternehmen führt: diese 3 Planungsphasen entscheiden wesentlich darüber, ob ein Unternehmen marktfähig ist und sich halten kann, oder ob es untergeht.

Dass dazu Bedürfnisanalyse der Absatzmärkte, Demographie, Analyse der Rohstoffmärkte, Produktentwicklung, wie auch immer, eben alles was mit Produktion und Handel zu tun hat gehört ist ja klar.

Eine dieser Komponenten ist aber auch das Durchspielen möglicher politischer Szenarien und die Einflussnahme auf politische Entwicklungen, da die Politik die Rahmenbedingungen des wirtschaftlichen Handelns bestimmt.

In diesem Zusammenhang darf man es nicht müde werden, darauf hinzuweisen, dass, wenn die Rede ist von „Die und die Planungsstäbe (von multinationalen Konzernen etwa, aber auch den Superreichen, wie die, die man heute gerne als ‚die Bilderberger‘ bezeichnet) haben das langfristig vorgeplant“ es eben keine Verschwörungstheorie ist, sondern simple Betriebswirtschaft, wenn auch auf höchster Ebene und most sophisticated.

Kurzfristige Planung ist natürlich konkrete Planung, langfristige ist strategische Planung.

Und das Kriegs-Problem, das wir jetzt haben, hat wesentlich mit eklatanten Fehlplanungen dieser Planungsstäbe in den letzten über 20 Jahren zu tun.

Diese Fehlplanungen haben groteske Ursachen: die erste ist, dass die Apologeten des Kapitalismus Opfer ihrer eigenen Euphorie geworden sind.

Sie haben an die Unfehlbarkeit ihrer eigenen Wirtschaftsstrategien nach dem Ende der Sozialistischen Planwirtschaft, wie sie von der UdSSR betrieben wurde, tatsächlich selber geglaubt und sich in ihre Allmachtsphantasien verrannt.

Und das führt zum 2., der systematischen Volksverdummung durch unser Bildungswesen.

Ich kann jetzt hier nicht von Universitäten reden, ich habe keine Wirtschaftsuniversität besucht, ich kann nur von der Betriebswirtschaft reden, wie sie etwa von der Handwerkskammer betrieben wird.

Hier gehören die Nachteile der Planwirtschaft und die Vorteile der Marktwirtschaft zum Unterrichtsstoff.

Ich selbst habe mich viele Jahre mit der sozialistischer Planwirtschaft der UdSSR beschäftigt, autodidaktisch, weil sie im Westen ja nicht gelehrt wurde.

Wenn man also weiß, wovon die Rede ist und sitzt dann im Unterricht oder sieht sich ein Lehrbuch durch, dann kann man sich nur erstaunt und mit heruntergefallener Kinnlade wundern: es hat nämlich nicht das Geringste mit der Realität zu tun. Man wird mit politischen Parolen abgefüllt, die man auswendig lernen muss. Die Leute glauben dann, sie würden Gott weiß was alles wissen, weil sie in der Klausur, in welcher die Parolen abgefragt werden, gute Noten hatten.

Nicht viel anders ist es mit Methoden der Betriebsführung, die gelehrt werden. Das im Einzelnen führt zu weit, aber man kann sagen: diesen unhinterfragt zu folgen ist zu 70% die Garantie, sehenden Auges in den Bankrott zu eilen! Denn auch da geht es mehr oder weniger um weltfremde Dogmen oder künstliche, an irgendwelchen Instituten theoretisch erdachte Modelle. Diese werden denn auch, aufgrund ihrer Erfolglosigkeit, immer wieder ausgetauscht und die Updates in Form sogenannter Weiterbildung weitergereicht. Die kann man dann auch wieder ausprobieren, man kann wieder scheitern und man kann kurz vor der Insolvenz die nächste Weiterbildung machen. Da solche Weiterbildungen den Absolventen Geld kosten, ist es eine recht erträgliche Einnahmequelle für die Kammer. Freilich kann der kleine Handwerker mit seinen bescheidenen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen den immer rasanter von Statten gehenden Veränderungen des strukturellen Wirtschaftslebens kaum folgen. Er läuft ihnen quasi immer hinterher und verläuft sich wie in einem Labyrinth, insofern sind all diese Schulungen und Weiterbildungen auch so etwas wie eine Akkuaufladung, deren Vergeblichkeit zu durchschauen das Prinzip Hoffnung ihn behindert.

Auf der Ebene Planungsstäbe multinationaler Konzerne ist das natürlich professioneller.

Trotzdem ist das eine Ursache: da man im Westen keine Ahnung von sozialistischer Wirtschaft hat, ist man immer davon ausgegangen, im Osten habe man keine Ahnung von kapitalistischer Wirtschaft.

Man hat damit gerechnet, nachdem man in der Jelzin-Zeit die russische Wirtschaft gnadenlos vernichtet hatte, würde Russland als Absatzmarkt funktionieren aber nicht mehr selbst handlungsfähig werden. Russland kauft westliche Produkte und bezahlt mit russischen Rohstoffen.

Das war aber dumm: denn an russischen Wirtschaftsinstituten wurde durchaus eine realistische kapitalistische Wirtschaftslehre vermittelt. Man musste diese nur quasi entpolitisieren. Die eigenen wirtschaftlichen Erfahrungen waren von großem Nutzen und das Studium der politischen Ökonomie ist wertfrei, sobald man den Glaubenssatz von der Überlegenheit des Sozialismus beiseiteschiebt.

Die ganzen Länder, die vom russischen Bildungswesen ausgebildet wurden, nicht nur wirtschaftlich, auch technisch und sonst wie, sind Länder, die bereit sind, sich einen beträchtlichen Anteil des Weltmarktes zu erobern und die eigene Tragfähigkeit zu organisieren, sofern sie nicht westliche Kolonien wurden.

Russland selbst konnte sich sehr schnell erholen, weil es sich sehr schnell eine neue Schicht handlungsfähiger Wirtschafter und Techniker heranziehen konnte.

Alle Planung der Multis beinhaltete, es würde immer so weitergehen wie unter Jelzin.

Die Langzeitplanung wurde nicht anhand der Realität revidiert, wie es Lehre wäre; denn dazu gibt es die mittelfristige Planung: die in ihr vorgesehenen Betriebsziele mit den betriebswirtschaftlichen Ergebnissen zu vergleichen und die langfristige Planung daran auszurichten.

Was mit dem „arabischen Frühling“ begonnen hatte, war der Versuch der gewaltsamen Angleichung der Realität an die langfristige Planung aus den 90ger Jahren.

Das kann nicht gut gehen.

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