Israel-Loop and Government Shutdown

Es gibt Umgangsformen und Verhaltensweisen, von denen man sagt: Das gehört sich so.

Teenager in der rebellischen Phase tun sich schwer damit, jeder kennt das von sich selbst, für sie sind diese Umgangsformen und Verhaltensweisen Heuchelei, also handeln sie ihnen absichtlich zuwider, Papa oder Mama schimpft, möglicherweise grinst sich ein anderer eins, keinen stört's wirklich, früher oder später gehört es zu den Zeichen der Erwachsenheit, selbst sich gemäß dieser meist ungeschriebenen Regeln entsprechend zu verhalten. Sie haben nämlich Sinn: ihre Aufgabe ist es, eine Form zu schaffen, innerhalb derer der respektvolle und gepflegte Umgang möglich ist, auch wenn Leute, die sich nicht mögen oder in einigen Dingen Gegner sind aufeinandertreffen und miteinander zu tun haben müssen. Es ist quasi das gesellschaftliche Pendant zu sportlichem Verhalten, etwa wie zwei Boxer, die im nächsten Moment mit aller ihnen zu Verfügung stehenden Gewalt aufeinander einschlagen, sich erst einmal voreinander verbeugen.

Menschen, die sich nicht so verhalten können, erachtet man als ungebildet oder nennt sie ungezogen.

Ein Teenager, der sich nicht ab und zu eine Ungezogenheit leistet, der tut einem schon fast leid und die heutige Jugend nennt solche "Opfer". Das ist ein gutes Wort dafür, denn Opfer sind sie: eines Zuchtverfahrens, das ihnen keine eigenständige Persönlichkeitsentwicklung zugesteht.

Aber Benjamin Netanjahu ist kein Teenager. Und wenn er in seinem 2000$-Anzug auf die Rednertribüne tritt und nicht die minimalste erwartbare Höflichkeitsform einhält, dann drückt es nicht Rebellion aus, es drückt Verachtung und Arroganz aus.

Man beginnt eine Rede vor der General Assembly indem man die Amtsträger grüßt und dem gewählten Präsidenten der Vollversammlung gratuliert. Das gehört sich so.

Netanjahu übergeht das und beginnt seine Rede damit, wie phantastisch, alt und großartig doch die Juden seien. Er sagt damit: wir sind etwas Besseres als ihr, wir haben keinen Grund euch zu respektieren und ihr habt nach unserer Pfeife zu tanzen. Ich habe die Litanei, warum die Welt ihm in einen Krieg gegen den Iran folgen soll teilweise übersprungen. Man muss sich seine widerwärtigen verbalen Absonderungen anhören, um informiert zu sein; aber man muss sich nicht die gequirlte Kacke zur Gänze antun, sobald man festgestellt hat, dass sie eh nichts neues bringt.

Man muss inhaltlich auch nicht darauf eingehen. Aber man muss sie einordnen.

Und Teil der Ordnung, in die sie gehört, ist der sogenannte Government Shutdown der USA.

Dass die Abgeordneten mehrere Hunderttausend Menschen vorläufig und möglicherweise dauerhaft aus Lohn und Brot werfen unter dem Vorwand, eine staatliche Krankenversicherung verhindern zu wollen ist pervers genug. Aber es steht mehr dahinter.

Es geht darum, Obama aus dem Weißen Haus zu werfen. Ihn in seiner Hilflosigkeit und Handlungsunfähigkeit vorzuführen und allen Future Presidents zu zeigen, wer das Sagen hat, und dass das nicht sie sind.

Obama war sichtlich nicht unglücklich darüber, den Angriff gegen Syrien vorläufig abblasen zu können und er ist auf das Gesprächsangebot Hassan Rouhanis eingegangen.

Obama reagiert auf den KongreSS wie erwartet: er hat wie immer keinen Plan B. und schließt erst einmal alle Einrichtungen, die dem amerikanischen Volk zu Gute kommen und tastet Überwachungs- und Militärapparat, die ungleich teurer sind als ein paar Bürgerämter, Museen, Vergnügungsparks, Zoos etc. nicht an.

Obama ist schwach, eitel und er hat keine Linie.

Auch Bush war schwach, eitel und hatte keine Linie. Bush hatte einfach nur besser den eigentlichen Lords of the Western World gehorcht und mehr Gewinn daraus gezogen. Die Bushs sind im Ölgeschäft, Obama ist von Beruf Sozialarbeiter.

Natürlich ging es genau darum, parallel zur UN-Vollversammlung, als die USA von 2/3 der Welt abgewatscht wurden, Obama auch in Domestic Affairs ein Bein zu stellen und wir irren uns sicher nicht, wenn wir die AIPAC dahinter vermuten.

Es geht darum, das Volk gegen den Hollywood-Präsidenten Obama aufzubringen und ihn handlungsunfähig zu machen, und gegen einen Israel-gehorsameren zu ersetzen.

Danach kann die Dollar-Druckerpresse wieder angeworfen werden.

Der Government Shutdown ist keine gute Nachricht. Sie erinnerte mich spontan an eine Geschichte, die der Dirigent Otto Klemperer erzählte. Der war Ende der 20ger, Anfang der 30ger Jahre musikalischer und künstlerischer Leiter der Kroll-Oper zu Berlin. Diese wurde von Reichskanzler Brüning geschlossen. Klemperer machte ihm seine Aufwartung um dagegen zu protestieren. "Verehrter Herr Dr. Klemperer", erwiderte ihm Brüning, "Ich bin froh ein Opernhaus schließen zu können, denn wo soll ich denn sonst Geld herbekommen?"

Dass die Einsparungen aus einem Opernhaus nur der Tropfen auf den heißen Stein war wissen wir, und wir wissen auch alle wie es weiterging.

 

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