Guter Bulle Böser Bulle befrieden Gefangenenaufstand im Völkergefängnis Ägypten

An einer Sache kann es gar keinen Zweifel geben: das ägyptische Volk hat die Regierung Mursi gefeuert, und wir gönnen natürlich den Leuten auf der Straße ihr rauschendes Fest!

Aber wir sind Realisten.

Die Massenproteste haben den Strategen des Imperiums eines gesagt: ihr Mann in Kairo ist nicht zu halten.

Aber diese Massen sind sozusagen politisch nackt.

Sie haben ein bisserl Gewerkschaft, ein bisserl dies, ein bisserl jenes, aber sie verfügen über keine Organisatorische Struktur, über kein Programm, über keine eigenständige Infrastruktur und sie haben keinerlei Kapital.

Das Militär ist seit Jahrzehnten eine Unterabteilung des US-Militärs. Das Militär ist die bestorganisierte Struktur im Land.

Natürlich sorgen jetzt die Generäle dafür, dass alles Kommende nach dem Willen Washingtons verläuft.

Auch die Brotherhood ist eine wohlorganisierte international handlungsfähige Struktur.

Sie besteht aus 3 Elementen: dem klerikalem, dem politisch-sozialem und dem militärischem.

Sie sind eine Untergrundorganisation gewesen und sie hatten in den 90gern bereits zahlreiche Terroranschläge in Ägypten verübt.

In Syrien können wir täglich beobachten, wie weit zu gehen sie bereit sind.

Und sie haben in Ägypten an der Macht geleckt.

Sie werden jetzt nicht einfach sagen: „Ohh, ihr wollt uns nicht. Schade. Also tschüüß dann.!“

Ihre Kleriker halten sich für die einzigen Hüter des wahren göttlichen Willens.

Sie sind die Macht hinter der Macht.

Die Politiker, die Kämpfer, sie tun, was jene sie heißen!

Man wird mit den Amis eine Machtaufteilung aushandeln, vorübergehend, und man wir versuchen Schritt für Schritt die Macht wieder zu übernehmen.

Washington segnet ab, was Washington dient.

Was Washington dient, schadet den Ägyptern.

Ich habe eine Zeit lang in Ägypten, in Kairo,  gelebt, und die Menschen dort als modern und aufgeschlossen mit vielen guten Ideen, was sie aus ihrem Leben machen wollen, erlebt.

Was sie an der Umsetzung der Ideen gehindert hat, war: es hat fast keiner genug Geld, ausreichend Nahrung für den Tag zu kaufen, geschweige denn, irgendetwas anders zu tun, wofür man Geld braucht. Klar, das Café, den Barber-Shop, die Tourismusunterhaltung, irgendetwas zum Geldaufstellen geht, aber nichts, was mit einem selber zu tun hat, nichts Reales.

Dabei wird es bleiben, solange Washington die Herrschaft hat, und es ist Washington egal, ob sie durch das Militär, Großbürger wie el Baradei oder die Brotherhood herrschen.

Die Zeit, dass das ägyptische Volk sich wie Idioten abspeisen lässt ist vorbei.

Washington will den Suez-Kanal, einen ruhigen Hinterhof für Israel und Öl.

Die Brotherhood will ihr Kalifat. Die Herrschaft über Ägypten ist wichtig für die Brotherhood, denn Ägypten ist ziemlich das einflussreichste Land im arabischen Raum.

Gelingt es der Brotherhood in der heutigen Situation nicht, das Land zu halten, laufen die Speckklöpse in Saudi-Arabien und den Golfmonarchien ebenfalls Gefahr, zu stürzen.

Einige, die diese Zusammenhänge erkennen, befürchten ein syrisches Szenario für Ägypten: nun, das sehe ich eigentlich nicht kommen: die Ägypter haben keinen Assad und das Militär – ich sagte es schon, Militär und Brotherhood werden einen Modus finden, der Washington befriedigt.

Man wird, im Gegenteil, Ägypten als Versuchslabor verwenden, welches Szenario nach Assad in Syrien installiert werden könnte: denn die Machtverteilung entspricht in Etwa dem, was die sauberen „Freunde Syriens“ in Sachen Al Nusra-FSA zu organisieren versuchen, der gute und der böse Bulle und ein machtloses Volk ihnen ausgeliefert.

Das bedeutet noch nicht, die Rechnung ginge auf, aber es bedeutet, dass ein Sieg des syrischen Staates über seine Angreifer an Wichtigkeit immens zugenommen hat: durch ihn würde Bashar al Assad zum neuen Nasser!

Für das Imperium eine nicht auszudenkende Katastrophe: Afrika spürt bereits, was es am letzten, der den Weg Nassers folgte, an Gaddafi verloren hat ohne etwas dafür zu erhalten: Assad hat bewiesen, dass das Imperium ihn nicht in die Knie zwingen kann, wohin wird es führen, wenn er noch zeigt, dass er es besiegen kann?

 

 

                                                                                                                                                      

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