Grau in Grau ist das neue Bunt

Beim Autofahren lasse ich in der Regel einen Sender laufen, der mit "Der beste Mix aus Oldies und Hits" wirbt.

Die 4. Schostakowitsch etwa nachts bei Regen auf der Autobahn hören geht nicht, da bekomme ich Angst.

Physisch betrachtet ist Musik organisiertes Geräusch.

Der "Mix" liefert also altbekannte Geräusch-Gebäude angereichert durch unbekanntere oder gar neue, was wenig Aufmerksamkeit vom Verkehr abzieht aber vor Müdigkeit schützt.

Dazwischen Nachrichten und Geschwätz von Moderatoren. Wochenlang Gelaber über irgendwelches Zeug im Dschungelcamp, dass Dschungelcamp dieses Jahr aber langweiliger sei als sonst, und ich entnahm den Beteuerungen "also bei uns in der Redaktion ist Dschungelcamp ja Dauerthema", dass die Mitarbeiter des Radiosenders dennoch kein besseres Thema haben, worüber sie sich unterhalten könnten.

So habe ich erfahren: Dschungel-Camp ist over now, denn ich besitze keinen Fernsehapparat um  sich selbst überzeugen zu können.

Jetzt geht es permanent um "50 Shades of Grey".

Das sei der Renner im weiblichen Teil der Bevölkerung. Ein Top-Bestseller! Alle sind schon ganz aufgeregt: "Hurraahhh, endlich die Verfilmung!"

Inhaltsabgabe: eine junge, sexuell wenig erfahrene Studentin interviewt den erfolgreichen Unternehmer Grey, den sie nach anfänglichen Bedenken voll scharf findet und lässt sich auf eine Sado-Maso-Geschichte mit ihm ein, was sie scheint's total aufgeilt und die Leserinnen dazu. Demnächst die Kino-Besucherinnen.

Keine wirkliche Neuerung im Softporno.

Als ich Teenager war, hieß die Storyline "Geschichte der O".

Später hieß sie "9 1/2 Wochen".

Jetzt heißt sie "50 Shades of Grey".

Die Autorin wird sich wohl doch besonders schlau vorgekommen sein. Hihi, kein Schwarz-Weiß, alles Graubereiche, 50 Graustufen (wie das im Fachjargon eines Fotografen heißt) und, "wow! bin ich originell, ham Sie's bemerkt, voll cool ey, der Mann im Buch heißt Grey! Also, der Mann heißt Grau, und der Sex findet in Graubereichen statt: versteh'n se?!"

Was sich geändert hat? Als ich Teenie war, fanden die Mädchen solches Zeug abstossend. Ich nebenbei auch.

Wäre ein Junge einem Mädchen mit "Geschichte der O" gekommen, hätte sie sich angewidert von ihm abgewandt und des Rest ihres Lebens mit ihm kein Wort mehr geredet.

Sie hätte sich bedroht gefühlt und andererseits auf den Status konsumierbaren Fleisches reduziert.

Was sagt es über unsere feministisch erzogene Frauengeneration aus, wenn genau diese Phantasie anturnt?

In der Dschungekcampzeit, also letzte Woche, kam in den Nachrichten, dass München einen neuen Umweltreferenten genau einen Tag hatte. Der Mann war danach ausgewählt worden, der fachlich am besten geeignete Bewerber gewesen zu sein.

Dann stellte sich aber heraus, dass er als Teenager in einem Verein war, der sich gegen Abtreibung richtet.

Also wurde er nach einem Tag gefeuert!

Man braucht also im heutigen katholischen Bayern kein Kommunist mehr sein, um von einem kalten Berufsverbot betroffen zu sein, es reicht, gegen Abtreibung zu sein oder in seinem Leben damit einmal auffällig geworden zu sein!

Sein-sein-sein.

Am besten redet man über gar nichts mehr, prahlt aber mit sexueller Abartigkeit.

Und ist man dann noch rücksichtslos in der Beschaffung von Privateigentum: Alter, dann geniest Mann noch Anarchie und die "weiblichen Exemplare" der Menschheit unterwerfen sich lustvoll…

"Mach mich zum Fleisch! Eventuelle Föten kann man ja abtreiben und der Wissenschaft zur Verfügung stellen!" Oder einfach absaugen wie mit dem Staubsauger – ich bin voll kinky, hey, meet you at the upper floor!

Ansonsten macht der Nachrichtenteil des Senders natürlich kräftig Propaganda für die Auslöschung des Donbass.

Wir aufgeklärten, weltoffenen Bürger der Sub-USA wollen schließlich in der Aneignung von Privatbesitz nicht eingeschränkt werden, schon gar nicht von so ein paar doofen russischen Bergarbeitern!

 

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