Feuer im Palast des Sultans

Ich beginne mit einer kurzen Episode, die mir widerfuhr, als ich mich das letzte Mal, was nun schon ein paar Jahre her ist, etwa 4 Jahre vor dem Angriff auf Syrien, in Istanbul aufhielt.

Eine Beschäftigung dort, die mir sehr angenehm ist, besteht darin, in einem Café am Bosporus zu sitzen, meinen Kaffee zu trinken, und dem Schiffsverkehr zuzusehen.

Als ich ging standen 2 Schuhputzer vor dem Eingang, deren einer mich ansprach.

Ich gab ihm ein paar Scheine und wollte weitergehen – er hingegen nahm das Geld und bestand darauf, meine Schuhe zu putzen.

Das sei mir unangenehm, wollte ich ihm erklären, da kam sein Kollege und sagte, der Mann sei Soldat gewesen, er könne mein Geld nur annehmen, wenn er mir auch die Schuhe dafür putzen würde.

Damals konnte wir in deutschen Zeitungen viel über den EU-Beitritt der Türkei, Erdogans Wirtschaftswunder und die fulminanten demokratischen Fortschritte der Türkei lesen.

Ein Studium der Fakten, ich bin nicht der erste, der darauf hinweist, deutet darauf hin, dass dieses Wirtschaftswunder auf eben des selben Sand gebaut ist, wie die Boom Times in Griechenland, Irland, Spanien, und was man so liest in Portugal, wo ich mich aber nicht auskenne.

Es ist demnach auch das nämliche Ende absehbar!

Wir haben uns lange gefragt, was unseren Sultan aller Sunni-Moslems geritten haben mag, den Krieg gegen Syrien vom Zaun zu brechen: und nun dämmert es: er hört schon das Knistern im Gebälk seines Palastes: der EU-Beitritt lässt auf sich warten und es wird keinen Rettungsschirm für die Türkei geben, wenn die Balken krachen!

Einen äußeren Feind zu erfinden, wenn die Katastrophe naht ist einer der ältesten Politikertricks.

Nebenbei ist Krieg immer bewaffneter Raubüberfall und the Winner takes it all.

Anlass, dass die Menschen in der Türkei rebellieren, war der Bau eines Einkaufszentrums auf dem Gelände eines Parks. Ein Park in Istanbul ist kein Biotop, es ist ein Lebensraum, ein Ort, an dem Familien sich versammeln, grillen etc.

In Istanbul findet viel Handel auf dem Bazar statt, wo kleine Händler ihre Waren feilbieten und somit ihre Familien ernähren.  In diesen Malls überall verkaufen Konzerne ihre Waren über Filialen. Sie verkaufen zu Festpreisen, die Kleinhändler unterbieten. Sie sind eine Methode der totalitären Marktübernahme von Konzernen. Aus Händlern werden Arbeitslose und Verkäufer. Aus Bazarbesuchern werden Kunden, die von zu wenig Personal abgefertigt werden. Das Gespräch zwischen Händler und Käufer wird zum Werbemonolog des Verkäufers.

Was Betriebswirtschafter Effizienz nennen bedeutet für die Menschen Verlust an Lebensqualität.

Menschen spüren so etwas, auch wenn sie es nicht unbedingt formulieren können!

Der Sultan ist schlecht beraten gewesen, ein künstliches Wirtschaftswunder zu schaffen, er ist seinen westlichen Verbündeten in die Falle gerannt und nun schnappt sie zu: die EU schenkt ihm keine Steuergelder, Washington nutzte ihn als Bluthund gegen Syrien und lässt ihn nun im Regen stehen.

Man freut sich über Rebellen bei der Konkurrenz, da Rebellen diese schwächen, die Rebellen in den eigenen Reihen hingegen – sie wissen schon…

Es wird jetzt spekuliert, ob ausländische Insurgenz in der Rebellion der türkischen Bevölkerung eine Rolle spielt, wie sie es in den arabischen Ländern tat.

Ein klares NEIN!

Man kann Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, wie alle wissen.

Wer sich wundert, dass die Leute gegen Erdogan rebellieren, wo der doch das Wirtschaftswunder vollbracht hat, der ist bereits zu westlich abgestumpft, um zu begreifen, dass Zahlen, die an Börsen kursieren, nicht das Leben ersetzen.

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