Euromaidaniks provozieren Straßenschlachten in Kiew

Zuallererst: man liest von 100 000, 200 000, sogar 500 000 Demonstranten. Diese Zahlen kommen von dem Onlinemagazin „Ukrainska Pravda“, das sich in letzter Zeit auch öfter mal „Europska Pravda“ nannte, aus Lviv/Lemberg.

Nach meinen Informationen waren es heute zur Höchstzeit 20 000 bis 30 000.

Darunter ein harter Kern von etwa 6000, die gut vorbereitet und ausgerüstet mit Werkzeug, Zwillen, Stahlrohren, abgesägten Starkstromkabeln, Schilden und Gasmasken, am frühen Nachmittag mit äußerster Entschlossenheit Straßenschlachten vom Zaun brachen.

Tiahnybok, Jatenjuk und Klitschko riefen dazu auf, ein Gegenparlament aus den Abgeordneten ihrer Parteien zu gründen und die Regierung für abgesetzt zu erklären.

Unser Oberpolitiker Klitschko rief die Sicherheitskräfte dazu auf, sich ihnen anzuschließen und gab zum Besten, dass Janukowitsch das „Schicksal Gaddafis“ drohe.

Im zeitlichen Umfeld dessen durchbrach ein Pulk aus mehreren Hundert vermummten Bewaffneten die Polizeiabsperrung am Hrushevskoho Boulevard und Demonstranten versuchte das Parlament zu stürmen.

Dabei schlugen sie beispielsweise das Fenster eines Polizeibusses ein und warfen Molotov-Cocktails in den Innenraum.

Sie warfen Brandbomben, Gasgranaten, schossen Feuerwerkskörper auf die Polizei ab etc.

Zwei Feuerwehrfahrzeuge, die zum Löschen der Schäden anfuhren, wurden von friedlichen Demonstranten zerstört.

Behauptungen, die Polizei habe Wasserwerfer eingesetzt, wies das Innenministerium am Abend zurück.

Klitschko, der irgendetwas von „friedlichem Vorgehen“ faselte wurde ausgepfiffen.

Mehrere über den Platz verteilte Gruppen skandierten „Tiahnybok, Tiahnybok!“

Als Klitschko sich unter die Menge mischte und über ein Megaphon Einfluss zu nehmen suchte, bekam er eine volle Ladung Feuerlöscherfüllung ins Gesicht.

Ein Polizist wurde in das besetzte Gewerkschaftshaus verschleppt und dort verprügelt bis seine Einheit ihn befreien konnte.

Insgesamt wurden 70 Polizisten in das Krankenhaus eingeliefert, 40 werden weiterhin stationär behandelt.

Die Polizei hatte mal wieder die Anweisung, Angriffe abzuwehren, selbst aber keine auszuführen.

24 Demonstranten wurden eingeliefert, 3 behalten.

Die Auseinandersetzungen dauern zur Stunde an, 4 Festnahmen wurden bisher berichtet.

Hier ein Screenshot von Swoboda-Aktivisten, die einen Sturmversuch runternehmen.

Swoboda-Aktivisten stürmen PolzeiabsperrungWoher die Swoboda-Aktivisten überhaupt die Schilder haben?

Offiziell bestreiten die 3 Matadore mit den Ausschreitungen etwas zu tun zu haben, was angesichts des hohen Organisationsgrades unglaubwürdig scheint.

Vor allem, da man Klitschkos „Gaddafi-Äußerung“ problemlos als Morddrohung interpretieren kann.

Klitschko trifft sich zur Stunde mit Präsident Janukowitsch.

Samstag Abend verbreitete Swoboda eine seltsame Erklärung, dass „Provokateure der Regierung mit Swobodakennzeichnungen“ beabsichtigten, einen Waffenladen auszurauben, Swoboda würde aber keine Waffen einsetzen.

Nebenbei bemerkt: in Donezk wurde eine Kundgebung zur Unterstützung der Regierung von Swoboda-Kämpfern, wie sie sich jetzt nennen, mit Eisenstangen und Schlagstöcken angegriffen.

 

Der Beitrag wird laufend aktualisiert werden wenn nötig.

 

Die Webseite der regierenden Partei der Regionen wurde gehackt und ist nicht derzeit mehr erreichbar.

Präsident Janukowitsch vereinbarte mit Klitschko die Einrichtung einer Krisenkommission aus Mitgliedern der Regierung und der Opposition.

Mittlerweile rühmt sich die Gruppe Rechter Sektor die „Kämpfe“ initiiert zu haben.

Rechter Sektor ist eine militante faschistische Organisation, die mit Swoboda verbündet ist, aber als radikaler gilt.

Kann Taktik sein.

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Rechter Sektor(Posting auf deren Webpage von heute, vor einer Stunde)

In Verbindung zu dieser Gruppe steht auch die rechtsradikale Bloggerin Olena Bilozerska, die von Journalisten ohne Grenzen gefördert wird und den Deutsche-Welle-Preis „Best Blog Ukrainisch“ erhielt, der allerdings nach zahlreichen Protesten annulliert wurde.

Rechter Sektor sind Euromaidanisten der ersten Stunde und manifestieren ihre Beteiligung so:

„Ja, ich stürmte die AP. Also bin ich „Provokateur“. Und gestern war ich auf dem St. Michaels-Platz und auch da trug einer Maske und einen Stock in der Hand. Doch da wurden wir nicht als Provokateure bezeichnet. Da klatschten wir, wir hatten gehofft, für … Ich war kein „Provokateur“, auch an diesem Nachmittag, als einer der ersten, der den Maidan erstürmt. Aber dann wurde ich ein „Provokateur“ … Warum trugnen ich und die meisten meiner Geschwister Masken? Weil wir nicht den Wunsch haben, morgen im IVS zu sein, und dann, nach ein paar Tagen – im Gefängnis Lukyanovka. Warum brauchen wir Stöcke, Steine ​​und ähnliche Werkzeuge? Denn es ist ein Straßenkampf, und gehen Sie auf bewaffnete „Berkut“ nackt los ist sehr unklug … Wir kümmern uns nicht, wie wir genannt werden: Provokateure oder Helden. Wir kümmern uns nicht, weil wir sind – die Soldaten der Nationalen Revolution.“

(veröffentlicht auf Bilozerskas Blog)

 

23.57h

Klitschkos heutiges Rendezvous mit einem Feuerlöscher scheint ihm gut getan zu haben.

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Er ließ über seine Sprecherin verlauten, der Dialog mit den Autoritäten sei unausweichlich, nachdem er das Treffen mit dem Präsidenten verlassen hat.

Auf dem Hrushevskoho Boulevard brennen mittlerweile alle Fahrzeuge, Privat PKW, Busse, Lastwagen, die nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Feuerwehr kann aufgrund der Auseinandersetzungen nicht löschen.

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Der Präsident hat den nationalen Sicherheitsrat beauftragt, eine ad-Hoc-Lösung anzugehen.

 

Zwischenreflexion: die Schwachköpfe von EU und USA, welche sich um die Ukraine kümmern, hatten ihre Lieblingstierchen Tianhybok, Klitschko und Jazenjuk mit der Ausrufung des „Gegenparlamentes“ samt Gegenregierung beauftragt. Was ein weiterer Putschversuch ist. Tianhyboks Leute allerdings hatten ihr eigenes Süppchen gekocht, da es offensichtlich war, dass dieser „friedliche“ Putsch ebenso erfolglos wird wie der Versuch im November/Dezember.

(Das erklärt auch die höchst dubiose Mitteilung des Vorabends, dass ein Waffenladen geplündert werden solle, dies aber auf die Kappe der Regierung ginge.)

Klitschko&Co hatten das auch brav gemacht.

Am Montag hätte dann auf dem anberaumten Treffen der EU-Außenminister, welches Schwedens Bildt angekündigt hatte, diese „Gegenregierung“ als von der EU anerkannt legitimiert werden sollen.

Nun blöderweise haben sie jetzt selber auf die Fresse gekriegt und das Muffensausen geht los.

 

00.15h

Lviv-Aktivisten vom Rechten Sektor blockieren mit ca 50 Fahrzeugen die Ausfahrt der Kaserne in der Stryiska Straße, um die Sondereinheiten des Innenministeriums am Eingreifen in die Situation zu hindern.

Das erinnert mich an die friedlichen Demonstranten, die in Benghazi friedlich Polizisten geköpft und verbrannt haben.

1.30h

Die Polizei hat 7 Busse vor Lviv gestoppt, die sich nach Kiew aufmachten.

Die Insassen nennen sich Banderiwets und präsentieren sich unter amderem so:

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Rechter Sektor verteilt einen offenen Brief in Kiew und anderorten, der zum „Kampf gegen das innere Besatzungsregime mit allen Mitteln“ aufruft.

 

2.03h

Nun lässt das Weiße Haus in Washington die Katze aus dem Sack hüpfen:

Ein Caitlin Hayden vom US National Security Council beschuldigt die Behörden der Ukraine die Situation eskaliert zu haben und forderte, Sonderkräfte aus dem Zentrum von Kiew zurückziehen und einen Dialog mit der Opposition zu beginnen, andernfalls drohen Sanktionen.

Er fordert die Regierung der Ukraine auf, die „antidemokratischen Gesetze“, welche am Donnerstag verabschiedet wurden, zurückzuziehen.

Ihm zufolge sei die  Protestbewegung auf Maidan geprägt vom  „Geist der Gewaltlosigkeit.“

„Wir unterstützen die Forderung der heutigen Oppositionsführer, dieses Prinzip wieder herzustellen“, – sagte der Vertreter des Weißen Hauses.

„Die Vereinigten Staaten werden weiterhin zusätzliche Schritte, einschließlich Sanktionen als Reaktion auf die Anwendung von Gewalt betrachten“ – schloss Hayden.

Entsprechend gedenke ich meine Zwischenüberlegungen dahingehend zu revidieren, dass die Eskalation der Gewalt durch den Rechten Sektor gar keine unbeabsichtigte Entwicklung ist, sondern bewusster Teil der Strategie.

Mag ja möglich sein, dass der Preisboxer nicht eingeweiht war, aber Zweifel daran, dass eine Shock & Awe-Situation die weiteren Entwicklungen beeinflussen sollte, sind wahrscheinlich Anzeichen rührender Naivität.

Das wird dadurch bestätigt, dass Radio Free Europe Mitglieder des Rechten Sektor zu Wort kommen lässt, die sich als Schutzmacht der Maidan-Demonstranten darstellen.

Aktivisten von Rechter Sektor und Swoboda nennen die Nacht vom 19. auf den 20. Januar eine „Taufe durch Blut“.

Es stand von Anfang an außer Frage, dass es zu rechtsradikalen Übergriffen kommen wird, es war nur nicht klar wie.

Jezt wissen wir es.

Der Saufbold Juri Luzenko, welcher unlängst erst von sich reden machte, indem er sich an einer Aktion zur Befreiung rechtsradikaler Terroristen beteiligte, äußerte in einer „Rede an die Nation“: „Janukowitsch versteht nur die Sprache der Gewalt!“

 

Und mit der Nachricht, dass die friedlichen Demonstranten für Demokratie und Freiheit Brandsätze in das Stadion von Dynamo Kiew geworfen haben beende ich den heutigen Tag.

 

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