Elynitthrias Weihnachtsansprache

Wenn uns der Historiker die europäische Antike darstellt, so betätigt er sich recht eigentlich als Gauner.

Was uns aus der Antike überliefert ist sind Bruchstücke, Mythen und Legenden.

Der Historiker bastelt sich daraus "seine" Antike und verkauft sie als Wissenschaft.

Damit sind wir allerdings schon bei der Krux des modernen Wissenschaftsbegriffes überhaupt.

Wissenschaft leitet sich von Wissen ab.

Es ist ein Wort, das seinem Benutzer den Nimbus des Objektiven, allgemein Gültigen verleiht.

Tatsächlich besteht Wissenschaft zu einem guten Teil nur aus Vermutungen, die durch die Anerkennung einer Akademie, einer Universität zu Wissen erklärt werden.

Sie müsste in Wirklichkeit "Vermutenschaft" heißen, wenn auch einiges davon Wissen ist.

Vielem wird Anerkennung dadurch zuteil, dass es funktioniert.

Unser Atommodell beispielsweise funktioniert als Grundlage vieler Produktion und Forschung, obwohl wir seit ca 100 Jahren, seit dem österreichischen Physiker Schrödinger, wissen, dass es falsch ist.

Dennoch wird es gelehrt, als Wissen behandelt.

Eigentlich ist der Begriff "Wissenschaft" ein politischer Begriff!

Er erfuhr seine moderne, heute angewandte Prägung in der Zeit der "Aufklärung".

Das aus dem römischen Reich hervorgegangene christlich abendländische Europa beruhte auf Glauben in die von den Kirchen gepredigte Auslegung einer Religion.

Die Kirche herrschte Totalitär.

Sie bestrafte als Hexerei und Ketzerei nicht den Zweifel in die Religion, der trat kaum auf, sie bestrafte den Zweifel in die Auslegung der Religion.

Hiergegen standen Rebellen des Geistes auf und setzten dem naiven Glauben die Idee von Wissen entgegen!

Erforschung und Hinterfragung alles Wahrnehmbaren ersetzte das Leitbild der aus dem Gefühl geborenen Ergebenheit.

Man klärte sich und andere über die Natur der uns umgebenden Phänomene auf.

Das ist es, was der Begriff "Aufklärung" besagt.

Zu allem Unglück erlebte diese Aufklärung sehr bald ihre Dekadenz.

Stumpfsinn verdrängte Inspiration.

Beispielsweise stellte sich ein Student dem Enzyklopädisten Voltaire vor mit dem Spruch: "Mein Name ist Sowieso, ich bin Atheist!"

"Sehr erfreut", antwortete dieser "Mein Name ist Voltaire, ich bin Deist!"

Wie jeder große Wissenschaftler, so wusste Voltaire, dass es außer dem Ansehbaren und Ertastbaren mehr gibt.

Professor Heisenberg formulierte es einmal so: "Wir können von allem herausfinden, wie es funktioniert, aber wir können nicht herausfinden, warum es funktioniert!"

Dekadenz, Zerfall, erzeugte, dass die Wissenschaft den Platz der Religion einnahm.

Heute wird Wissenschaft in gleicher Weise verwendet, wie vor der Aufklärung der Glaube durch die Kirche: etwas wird interpretiert, die Interpretation zum Absolutum erhoben und Zweifler ausgestoßen.

Nun, wir Zweifler werden nicht mehr ins Feuer geworfen, da haben wir noch einmal Glück!

Der Interpretationen aber sind viele.

Und wir erreichen einen Punkt, an dem sie nicht mehr durch weitere Forschung und Austausch von Argumenten wettstreiten, Gültigkeiten werden schlicht im Machtkampf entschieden.

Was finanziert wird, was Mehrheiten anspricht, was bessere Waffen hat setzt sich als Wahrheit durch.

Zur geistigen Verelendung aller haben in unserem Europa die sogenannten "Kommunikationswissenschaften", ein anderes Wort für "Propagandatechniken", die Herrschaft über die intellektuellen Funktionen der Gesellschaft an sich gerissen.

Kommunikationswissenschaft ist die endgültige Ad-Absurdum-Führung des Wissenschaftsbegriffes der Aufklärung.

Sowohl "Kommunikation", was den Austausch von Bewusstseinsinhalten bezeichnet, erstickt darin, weil darin ja nur ein Monolog mit dem Ziel der Gleichschaltung von Individuen stattfindet, als auch der Begriff der Wissenschaft, weil die zu transportierende Botschaft völlig austauschbar ist; sie ist wie die Eingabe in eine Maschine den Zielgruppen der Botschaft einzupflanzen und duldet keine Hinterfragung!

Der Wissenschaftsbegriff der Aufklärung ist das Eingangstor zu einer abenteuerlichen Reise durch eine unbekannte Welt, die kein festgelegtes Ziel hat.

Eine Reise, die ein Leben lang dauert und im Tode endet.

Und es ist dieser Tod alleine, der jede Frage mit Gewissheit beantwortet.

Hirschgarten (1 von 1)

 

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