Eine beiläufige Beobachtung zur Wahl im Iran

Die Presse ist verdächtig ruhig zum Thema Wahlen im Iran.

Dass es zur Stichwahl kommen wird war absehbar, ebenso, dass es eine hohe Wahlbeteiligung geben wird.

Das war es nur für diejenigen nicht, die ihre Weisheiten aus der deutschen Presse saugen.

Und die fabuliert wieder das alte Klischee aus vom Hardliner und dem Reformer.

Offensichtlich ein Teil der Strategie, die Rabatz nach der Stichwahl vorbereitet.

Irgendeine „Grüne Welle“ mit Sitz in Paris geistert durch Artikel und freilich darf der Papa vom Taxifahrer Fischjockel seiner Nixe nicht fehlen.

Erinnern wir uns an den großmächtig aufgebauten Putsch vom letzten Mal:

Aus Kairo rief Obomba zur Abwahl Achmadinedschads auf.

Das funktionierte nicht.

Noch vor Bekanntgabe des endgültigen Wahlergebnisses tauchten in London und Paris Demonstranten mit sauber gedruckten Schildern „Where is my Vote“ auf. Als Fotograf weiß ich, dass es etwa eine Woche dauert, bis solche Schilder von der Erstellung bis Fertigung des Druckes und Auslieferung etwa eine Woche brauchen.

In Teheran wurde ein Brandanschlag auf ein Kino verübt.

Eine von Hollywood-Stars und anderen begleitete Flutwelle an Twittermeldungen und anderen Internetstrukturen insurgierte einen Aufstand, der Mir Hussein Musawi als Galionsfigur trug.

Wer ist der?

Das Publikum im Westen kannte ihn nicht, die Iraner kennen ihn sehr gut:

Er war der Schlächter von 1989! Die Iraner kennen ihn, sein Wahlsieg war unwahrscheinlich, nur in der westlichen Presse nicht.

Damals im Amt des Ministerpräsidenten nutzte er den Zerfall der UdSSR um mit der Linken im Iran gründlich aufzuräumen: es war das Jahr mit den meisten Hinrichtungen, die die islamische Republik in ihrer Geschichte kennt: tausende Kommunisten und Sozialisten wurden geschlachtet, ihre Frauen ausgepeitscht, weil das Rechtssystem des Iran die Hinrichtung von Frauen aus politischen Gründen verbietet.

Musawi trat die Wahl als Strohmann des Multimilliardärs Rafsandschani an, der seinerseits auf den Posten des Revolutionsführers scharf ist.

Rafsandschani würde auch gerne im Milliarärsclub mit Onkel Dagobert und Mr. Burns Cocktails schlürfen, Achmadinedschad hingegen steht für eine antiimperialistische Politik.

Musawi ist sicher ein Mann nach dem Geschmack des Westens, einer, der die Linke massakriert hat hier viele Fans. Zunächst.

Der Coup scheiterte.

Seither werden Kriege geführt, erst die Vernichtung Libyens als Appetizer und danach gegen Syrien, den Bündnispartner des Iran.

Dieser Krieg gegen Syrien entwickelt sich, wie die Ereignisse in der Türkei auch sichtbar machen, schön langsam zum Boomerang!

Sogenannte Linke wie Teile der Partei Die Linke beten einen Failed State herbei, die Saudis lassen massakrieren und Washington schlingert.

Eine Ankündigung, nun auch offiziell Waffen zu liefern lässt zwar die Herzen der Hobbygeneräle in den deutschen Nachrichten- und Zeitungsredaktionen höher schlagen, drückt aber erst einmal eigentlich nur Hilflosigkeit aus.

Der Rabatz für nach der Stichwahl im Iran wird in Randglossen vorgefühlt.

Während ausländische Presse berichtet, der Bürgermeister von Teheran läge in den bisherigen Auszählungen vorne, kann man in deutschen Magazinen lesen, „der Reformer“ läge vorn.

Was auch immer dem Mann den Titel „Reformer“ einbringt.

Der Großteil der Zeitungen spricht davon, dass die Perser keine echte Wahl hätten, nicht so wie wir, die wir uns zwischen Merkel und ihrem Exminister Steinbrück entscheiden dürfen.

Und wir lesen, dass die Amis meckern, nicht als Wahlbeobachter zugelassen zu sein, was voll fies ist.

Mal gucken, was die kommenden Tage bringen.

Russland jedenfalls hat wissen lassen, dass sie nicht mehr wie die begossenen Pudel daneben stehen werden und staunen.

 

Aktualisierung 15.Juni 13.59h

Nach Angaben von PressTV ist nun der "Reformer" Rohani mit der Nase vorn, es ist sogar möglich, dass er die Wahl in der 1. Runde nimmt.

IRIB's Zahlen sagen das selbe, sind aber älter.

Die Wahlbeteiligung liegt bei 80%.

 

Aktualisierung II, ca 19.05h

Man kann Herrn Hassan Rohani zu seinem Wahlsieg gratulieren.

Da ich eigentlich nichts über ihn weiß, kann ich es nicht kommentieren.

Springers Welt schrieb dazu heute Nachmittag folgendes:

"Bliebe es bei dem Ergebnis, so könnte nach Einschätzung eines israelischen Experten der oberste Führer des Irans, Ajatollah Chamenei, versuchen, den Sieg Rohanis noch zu verhindern. Für Chamenei wäre ein Erfolg Rohanis "undenkbar" und ein "tödlicher Schlag", zitierte die Zeitung "Times of Israel" den Nahost-Experten Ehud Jaari. Der oberste Führer werde die Wahlergebnisse deshalb notfalls fälschen lassen, fügte Jaari den Angaben zufolge im israelischen Fernsehen hinzu."

Harr Harr Harr!

                             

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