Double Standard existiert nicht

Befassen wir uns mit dem Wort „Double Standard“, oder Doppelmoral, um den deutschen Begriff zu verwenden.

Überprüfbar ist folgendes:

In Südafrika wird seit dem 10 August gestreikt.

Einer der Streikorte ist eine Platinum-Mine eines britischen multinationalen Konzerns 100km nordwestlich von Johannesburg.

Am 16. August überfiel die südafrikanische Polizei die Arbeitersiedlung der Miners und tötete dabei 9 Minenarbeiter.

Bei anschließenden Straßenschlachten kamen 2 Polizisten ums Leben.

Zuletzt schoss die Polizei die versammelten Streikenden mit scharfer Munition zusammen, wobei mindestens 30 Menschen getötet wurden, die Zahl der Verletzten ist unklar.

 

Am 18.08. veröffentlicht Springers Welt einen Artikel unter der Überschrift:

In Südafrika schlägt die Stunde der Populisten

Ein paar Zitate daraus:

„…Die sozialen Gegensätze im Land zeigen, dass die Versprechen der schwarzen Revolution nicht gehalten wurden“

„34 Menschen starben am Donnerstag innerhalb weniger Sekunden in der Nähe der Platinmine des an der Londoner Börse notierten Lonmin-Konzerns.

78 wurden verletzt, 259 verhaftet – die mit Abstand schlimmste Eskalation von Gewalt bei Arbeiterprotesten in der demokratischen Geschichte des Landes. Die Meute hatte die Polizeikräfte angegriffen, das legen Videoaufnahmen nahe, auch wenn einige Minenarbeiter angaben, es habe sich um eine Flucht vor Tränengas gehandelt.“

„…Seit dem Beginn des Streiks vor neun Tagen hatten die Protestierenden extreme Gewaltbereitschaft gezeigt. Schon vor den Schüssen vom Donnerstag waren zwei Polizisten brutal erschlagen worden…“

Das meiste in dem Artikel sind Behauptungen, die sich derzeit nicht überprüfen lassen.

Was die Autoren unter „demokratischer Geschichte des Landes“ meinen, ist unklar. SA war immer eine Demokratie, es war immer nur die Frage, WER zum Demos (Volk) gehört.

Die „schwarze Revolution“ war die Aufhebung der Apartheid-Gesetze, sonst hat sich nichts geändert.

Die Miners arbeiten unter der brennenden Sonne Afrikas für britische und sonstige Konzerne ohne jede rechtliche Absicherung oder Sozialleistung und erhalten nicht genug Lohn um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Es gibt kein funktionierendes allgemeines Bildungswesen. Die meisten Arbeiter sind mehr oder weniger Analphabeten.

Analphabeten, die nicht ausreichend zu essen haben obwohl sie einen Knochenjob machen, interessieren sich kaum für so intellektuelle Fragen wie welche nun die optimale Verwaltungsstruktur des Staates sei.

Klar kann man ihnen sagen, „Wenn ihr Demokratie habt, könnt ihr die wählen, die euch mehr Geld geben“, aber wir befassen uns ja gerade mit einem Beispiel, das deutlich macht, dass es genau nicht so ist.

Die Schwarzen gehören jetzt auch zum Demos dazu, sie dürfen auch Wahlzettel ankreuzeln, aber die Macht über ihr Leben haben trotzdem die Konzerne.

Und wenn sie ökonomische Rechte einfordern, dann setzt der Staat die Interessen der Konzerne gegen sie durch.

Eine Regierung, die sich mit den Konzernen anlegt und ihre Macht einschränkt steht nicht zur Wahl.

Der Artikel bringt zum Ausdruck, dass es völlig rechtens war, die Arbeiter zusammenzuschießen, schließlich habe die Polizei sich bedroht gefühlt, und die „Meute“ sei von „extremer Gewaltbereitschaft“.

Nun, ich denke jeder Dorfbewohner wäre gewaltbereit, wenn die Polizei sein Dorf überfällt und dabei 9 Menschen tötet.

Die Verfasser behaupten nicht, dass die Arbeiter die Polizei angegriffen haben, sie sagen, die Videoaufnahmen legten dieses nahe.

Mir legen sie das nicht nahe, eine Tränengasgranate wird abgefeuert, daraufhin fangen die Leute an zu rennen, daraufhin wird scharf geschossen:

 

 

 

 

In der gleichen Zeitung wird nun unter dem Titel: „Deutsches Spionageschiff hilft syrischen Rebellen“ die illegale Beteiligung Deutschlands am illegalen Krieg gegen Syrien als heldenhafter Vorgang präsentiert.

Ich zitiere: „"Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in Syrien wie der BND", sagte ein US-Geheimdienstler dem Blatt. Laut "BamS" wird innerhalb des BND und der Bundesregierung die Rolle des Dienstes bei der internationalen Zusammenarbeit als große Auszeichnung wahrgenommen. "Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten", erklärte ein BND-Mitarbeiter der "Bild am Sonntag".“

Die Gewalt der Terroristen gegen Syrien brauche ich nicht näher beschreiben. Postangestellte werden vom Dach des Postamtes unter „allahuakbar“-Rufen geschmissen, Kleinkinder gehängt, nachdem sie der Abschlachtung ihrer Familie zusehen mussten, Kindersoldaten werden rekrutiert usw, alles bekannt.

Double Standard? – Nein!

Das gewaltsame Vorgehen gegen die Streikenden in Südafrika und der Terrorismus gegen Syrien dienen ein und dem selben Ziel.

Eine Doppelmoral existiert nicht, es existiert nur die Moral der Konzerne und ihrer Profite.

Und die Journaille geht genau nach dieser Moral vor in der Berichterstattung und in der Wertsetzung durch die Sprache:

Gut ist, was die Interessen der westlichen Konzerne durchsetzt, notfalls mit jeder zur Verfügung stehenden Gewalt.

Böse ist, was den Interessen dieser Konzerne im Wege steht. Und das Böse darf man ausrotten.

Share This:

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Comments are closed.