Die Stunde des Generals

Werden wir der Mantras nicht müde: taucht in einem Land, auf das es die USA abgesehen haben eine neue Führungskraft auf, dann bearbeitet man sie in 3 Phasen, so nötig:

1. Bestechen und umgarnen

2. Erpressen und bedrohen

3. Angreifen oder töten

Phase 1 im Umgang mit General al Sisi ist schon am Abflauen.

Phase 2 beginnt: es werden keine Kampfflugzeuge aus den USA an Ägypten geliefert und Sorge um die Dömogrodie wird vom Weißen Haus geäußert.

Es beginnt immer damit, dass Demokratie und Menschenrechte beklagt werden – das unfehlbare Zeichen, dass Washington auf Sturm stellt!

Damit will ich blutiges Vorgehen gegen die Bruderschaft nicht vollherzig verteidigen.

Ich darf daran erinnern, dass die Bruderschaft mit dem Sturz Mubaraks nichts zu tun hatte.

Nach getaner Arbeit hatten sie sich an die Spitze geputscht und den Rahm abgeschöpft.

Mursi hatte eine Verfassung im Eiltempo durchgedrückt, mittels eines Referendums, das eben mal 32% Wahlbeteiligung hatte, sich als Präsident diktatorische Vollmachten eingeräumt, ist als Agent der USA auf dem Gipfel der Blockfreien aufgetreten, verkaufte Ägypten weiterhin an den IWF, lies Ausschreitungen seiner Bruderschaft gegen Christen und Linke gewähren, begann einen Einmarsch in Äthiopien vorzubereiten und rief zum heiligen Krieg gegen Syrien auf.

Das ist schlicht die einzige Bilanz von seinem Jahr an der Macht. Das Land ging weiter vor die Hunde und Kooperationen mit Katar und Hamas brachten keinem Nutzen außer der Bruderschaft.

Wen in Ägypten will die Bruderschaft noch damit ködern, dass Mursi gewählt wurde (mit 51% bei unter 50% Wahlbeteiligung). Keiner will’s mehr zugeben, aber auch Mubarak war gewählt, zu seiner Zeit galt Ägypten als „die einzige Demokratie in einem arabischen Land“. Lesen sie alte Zeitungen, am besten in Bibliotheken, die kann man nicht so leicht neuschreiben wie Texte im Internet. Ägypter wissen das noch gut.

Als ich vor vielen Jahren in Kairo unter der Sultan Hassan Moschee gewohnt hatte, galt im Viertel Libyen als das beste Land.

Jeder träumte davon, nach Libyen auszuwandern und dort zu arbeiten.

Libyen ist nicht weit weg von Kairo.

Was aus dem Land mit dem höchsten allgemeinen Wohlstand in Afrika geworden ist kann von dort aus jeder sehen.

Da war wohl mal so etwas wie eine Wahl, aber im Land des Great Man Made River gibt es heute in den Städten kaum Trinkwasser mehr außer das ausländische, welches man in Plastikflaschen kaufen muss.

Glaubt wirklich jemand, man könnte Menschen, die das Leben in der Wüste kennen, aufschwätzen, Wahlen alle paar Jahre seien toller als Trinkwasser?

Über Mursi’s Situation ist unsere Presse mal wieder ein Lehrstück der Logik: keiner weiß, wo er ist, aber man will wissen, dass er dort mehrere Stunden am Tag verhört würde.

Sagen wir: vorstellbar ist das natürlich. Die Anklage gegen Mursi ist eine deutliche Ansage gegenüber USA und IWF – Agent in deren Diensten!

Schwer vorstellbar, dass man jenseits des Atlantik darüber glücklich ist: was hat der Mann alles auszupacken?!

Der General hat dieses Wochenende gezeigt: er kann Bevölkerungsmassen mobilisieren und lässt sich vom Westen nicht einschüchtern. Und natürlich ist er entschlossen, die Moslembrüder von der Macht zu vertreiben. Aus deren Reihen hört man bereits vereinzelt Rufe nach „einer 3. Kraft, die intervenieren muss“. Malaysia wird damit kaum gemeint sein. Was soll’s, einen Angriff auf Ägypten können die Pleiteamis wohl kaum stemmen.

Mal sehen, wie er sich macht, der General!

Es fängt mit kleinen Schritten auf sicherem Terrain an, wer gehen lernen will! Auch jener, welcher zuletzt Olympia läuft.

 

Share This:

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Comments are closed.