Die ägyptische Revolution findet erst noch statt

Wer schon öfter hier gelesen hat weis, ich mag Morsi nicht und ich traue Morsi nicht.

Sein Auftritt in Teheran zu Gunsten der antisyrischen Terroristen und des EUUSA-Imperiums war Aussage genug.

Dass er keine Sozialprogramme einleitet und mit der Umgestaltung der Wirtschaft im Interesse der schrecklich verarmten Volksmassen beginnt, sondern beim IWF zu Kreuze kriecht, besagt, dass er weder Patriot ist noch das Wohl der Allgemeinheit im Sinn hat.

Jetzt wird er dafür kritisiert, sich diktatorische Vollmachten anzueignen.

Viele, darunter die Besten, sagen: er verrät die ägyptische Revolution, die Demokratie ersehnte.

Ich will eine klärende Anmerkungen dazu machen:

Die Errichtung der Diktatur ist das zwangsläufige Resultat einer Revolution, das war immer so, das wird immer so sein.

Die Jakobiner, die Bolschewiki, die Khmer Rouge, die KP Chinas; wir können sogar die NAZIs als notwendiges Ergebnis der Revolution von 1918/19 werten, ich habe bereits darüber hier geschrieben.

Einer der stärksten Instinkte des Menschen ist der Wille zur Macht.

Das ist nicht so primitiv, wie es klingt und vielschichtig.

Nietzsche, der sich sehr viel damit befasst hat, differenziert hier auch sehr genau.

Dieser Instinkt ist ein sehr wichtiger und notwendiger im Leben eines Menschen. Ist er nur schwach ausgeprägt, wird man der, mit dem alle alles machen können: und werden, denn Menschen riechen Schwäche und nutzen sie für ihren Vorteil aus.

Der Wille zur Macht des Philosophen ist es nicht, andere zu beherrschen, sondern seine Ideen durchzusetzen und andere dazu zu bringen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Der Wille zur Macht des Künstlers ist es, seine Methoden und sein Werk durchzusetzen. Die Schwächlinge gehen hier den Weg der Anpassung und Reproduktion. Intriganz, nach oben dienen, Verleumdung Talentierterer etc. sind ihre Mittel des Machtkampfes. Die Starken schaffen gegen die Zeichen der Zeit und erringen Macht durch ihr Werk oder gehen zu Grunde. Nietzsche etwa ringt ein Leben lang mit dem Titanen Richard Wagner. Wir können aber auch aktuellere Beispiele nehmen: Kaum einer ahnt, wieviel Kraftaufwand, Kampf, Leid, Rückschlag und Durchsetzungskraft, kurz: wieviel immens ausgeprägten Wille zur Macht Männer wie Abel Ferrara, Robert Rodriguez oder Zag Snyder benötigen, um es in den USA mit dem, was sie tun in das Mainstramkino zu schaffen und nicht zu korrumpieren.

Etc.

Revolution ist die Zerschlagung einer etablierten Ordnung.

Politik ist Machtkampf und nur Machtkampf. Innerhalb einer Ordnung finden die Machtkämpfe gezügelt statt. Jetzt sind alle Kräfte freigesetzt. Da die vorherige Ordnung zerschlagen ist, ist dieser Machtkampf eine blutige Schlacht der Kräfte, bis die mächtigste, die am besten organisierte und selbstsicherste sich durchsetzt. Diese benötigt dann die Gewalt der Diktatur, um neue Ordnung zu schaffen und ihre Konkurrenten unter Kontrolle zu bringen.

Morsi ist nur ein Zwischenspeicher, ein Dienstnehmer der alten Ordnung wie Mubarak es war. Denn Mubarak war nur das Gesicht der Ordnung und nicht die Ordnung. Diese selbst ist noch intakt. Auch Baradei ist nur ein Repräsentant der Ordnung, für die Mubarak stand. Sein Griff nach dem Sessel Mubaraks kurz nach dessen Untergang ging ins Leere und Morsi hat sich hineingesetzt. Wenn Baradei jetzt meckert, ist das nur ein Mittel seines Kampfes um diesen Sessel. Und der Fraktion der ägyptischen Oberschicht, die er vertritt.

Aber die Ägypter lassen sich nicht mehr abspeisen. Die Lords of the Western World haben noch gar nicht begriffen, was da begonnen hat…

 

 

 

 

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