Alle weinen um Revolution in der Ferne

Von allen Seiten ist’s zu hören: in Ägypten wird Konterrevolution gemacht!

Packen wir unser Aluminiumhämmerchen aus und klopfen es ab:

Zu Beginn hatten wir einen durch von Soros‘ Instituten trainierten Studenten initiierten Aufstand gegen den langjährigen Verbündeten der USA Husni Mubarak. Bis dahin stets als das Muster eines arabischen Demokraten beworben mutiert er über Nacht zum Ritter Hadubrand, dem schröcklichen Barbur.

Diese globale Color-Revolution-Gang, das hat hoffentlich mittlerweile jeder begriffen, agiert vor allem anderen im Interesse der Wall Street. Ich nehme an, die in ihr tätigen Studenten dürfen auf einen guten Start in die Wirtschaft hoffen, wenn sie mal die Uni abgeschlossen haben. die Frage, welche man sich meines Erachtens stellen sollte an dieser Stelle ist: warum knallen die amerikanischen Wirtschaftsmagnaten einen zuverlässigen Verbündeten der USA ab?

Gespensterspuk bei Nacht und Graus
Hält nicht der stärkste Ritter aus

und so stürzte Mubarak.

Gleiches geschah in Tunesien. Dort wurde ein langjähriger Verbündeter der USA gestürzt, der so unscheinbar gewesen ist, dass bis dahin kaum jemand seinen Namen Ben Ali kannte. Diesmal eine Blumenrevolution namens Jasmin.

In beiden Fällen wurde eine erzreaktionäre, menschenverachtende religiöse Sekte, welche der britische Geheimdienst aufgebaut hatte, die inzwischen von der CIA geerbt wurde, an die Macht gespült, die Moslembruderschaft.

Hmm. Ob da nicht ein Zusammenhang besteht?

Die erste Amtshandlung des ägyptischen Moslembruders an der Macht Mohammed Mursi bestand darin, nach Teheran auf den Gipfel der Blockfreien zu eilen, eine Unterstützungserklärung für die syrische Regierung zu verhindern und sogar zum Sturz selbiger Regierung aufzurufen.

Diese, die syrische Regierung, hat das Problem, dass sie sich mit bewaffneten Einheiten, die mit den Moslembrüdern verwoben sind, im Kriegszustand befindet, die von USA, UK und Frankreich unterstützt werden über die Türkei, wo der Moslembruder Erdogan Staatsboss ist. Und in Istanbul haben die bewaffneten Einheiten sogar eine politische Vertretung, die dominiert wird von – Moslembrüdern!

Ach ja, das hab ich ja ganz vergessen, das Stück Wüste, das zwischen Ägypten und Tunesien liegt wurde zwischenzeitlich 7 Monate lang von der NATO bombardiert. Da gab’s damals nämlich einen Staat, der Libyen hieß und dessen Chef Gaddafi in die Wege geleitet hatte eine panafrikanische Währung auf der Basis des Goldstandards einzuführen. Gaaanz nebenbei bemerkt. Ist ja völlig unwichtig, nur der Vollständigkeit halber. Das konnte gerade noch mal verhindert werden und seither versuchen auch dort die Moslembrüder zu obermackern, was aber irgendwie nicht so gut klappt; weil dort spielt man lieber „Per un pugno di dollari“, nur ohne Clint Eastwood. Bietet sich landschaftlich ja auch an, ist ganz ähnlich wie New Mexico.

Zurück zu Mursi: der flog von Teheran aus nach China: Jubel Trubel Heiterkeit in der anti-US-imperialistischen Szene. Kein Sterbenswort war offiziell zu vernehmen, was dort geredet wurde, aber schon schloss man Mursi ins Herz: HihiHaha, der Obama würde sich schwarz ärgern, wenn er’s nicht schon wäre!

Wieso eigentlich, der fährt doch auch dauernd nach China. China ist nicht nur schärfster Weltmarktkonkurrent, sondern auch bedeutendster wirtschaftlicher Partner der USA. Die USA und die VRCh sind so abhängig voneinander, dass das eine Land ohne das andere kollabierte, fiele es plötzlich weg.

Der nächste wichtige Schritt, den Mursi ging, war: Kredite vom IWF zu Bedingungen des IWF aufzunehmen. Mann is‘ der revolutionär!

Das bedeutet: die Subventionen für Nahrungsmittel und Energiestoffe aufzuheben. Was eine Verdreifachung der Lebenserhaltungskosten in Ägypten bedeutet. Ist ja nicht so schlimm, wenn man reich ist. Wenn nicht, was die meisten Ägypter sind, und man so schon nicht ausreichend hat, bedeutet das eine Katastrophe.

Sollen sich doch nicht so haben, die Egittos, die Griechen machen es doch vor, dass das kein Ding ist. Mursi war China besuchen, was beweist, der Mann ist den Amis ein Dorn im Auge, das zählt – – – Was ist los, ihr habt Hunger? Redet doch nicht immer so negativ daher. Das heißt: Wir machen kollektive Diät gegen den US-Imperialismus!

Männer Ägyptens, was ihr braucht sind nicht billiges Brot und billiges Benzin, was ihr braucht sind schwarze Tücher, in die ihr eure Weiber wickeln könnt! Täten am Ende noch dem falschen Boy zuzwinkern, wenn man sie nicht bei Zeiten züchtigt, denn merkt euch: alles Nutten außer Mutti! Es sei denn, man ist ein Hurensohn. Und wollt ihr, dass eure Erben Hurensöhne werden?

Was jetzt so antiimperialistisch ist an Krediten vom IWF müsste man mir auch erst einmal erklären, ich hab’s nämlich nicht kapiert.

Genauso wenig, wie ich kapiert hab, was so antiimperialistisch daran ist, zum heiligen Krieg gegen Syrien aufzurufen.

Wer für Mursi ist, müsste, so er zur Konsequenz befähigt, für die Bundesregierung sein, denn sowohl Merkels Austeritätspolitik als auch die Aggression gegen Syrien sind sich deckungsgleich. Merkel hat das verstanden, darum setzt sie ihre Möglichkeiten gegen die Übergangsregierung Ägyptens auch ein. Hmm. Ist Merkel jetzt auch antiimperialistisch?

Et Cetera pp.

Ganz Deutschland jubelte Hurra Hurra der arabische Frühling ist da!

Und was hat er gebracht?

Hunger, Tod, Flüchtlingsströme, Gewalt in den Straßen, Plünderungen, Niedergebrannte Amtshäuser, zerstörte Religiöse Einrichtungen, zerstörte Infrastrukturen, Einbruch der Produktion, Chaos und Unsicherheit.

Was das ägyptische Militär gerade tut nennt man juristisch die Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand.

Ist das etwas Gutes? Nein. Es ist, wie meistens in der Politik, das geringere Übel.

 

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