All Hell break loose

Stellen sie sich vor, es geschieht folgendes:

Der Hollywood-Star Tom Cruise erhält die deutsche Staatsbürgerschaft.

Er  gründet eine Partei, die zur Bundestagswahl antritt.

Viele Menschen in Deutschland sind mit der 4-Parteiendiktatur unter linker Partizipation unzufrieden.

Mr. Cruise verfügt über ausreichend Mittel und Kontakte, einen schlagkräftigen Wahlkampf zu machen.

Bei geringer Wahlbeteiligung gewinnt er die absolute Mehrheit.

So weit hergeholt ist das nicht.

Kaum an der Macht tut er das was alle tun, wenn sie die Macht erobern, er verteilt die Pfründe unter seinen Kameraden/Kameradinnen.

Nach einiger Zeit fängt er den gesellschaftlichen Umbau im Sinne der Scientology an.

Und nach und nach fängt Scientology an, jeden Nicht-Scientologen zu tyrannisieren, zu mobben, zu bedrohen, etc.

Zuletzt erklärt der Führer von Scientology jeden, der sich nicht an die Regeln von Scientology hält, zum lebensunwerten Leben und Bundeskanzler Tom Cruise habe Sorge dafür zu tragen, diese Leute zu bekehren oder aus dem Land, wie auch immer, durch Vertreibung oder Mord, zu entfernen.

Damit fängt er dann auch an. Erst mal nicht hardcore. In kleinen Schritten, jeweils so groß, wie seine Macht es ihm erlaubt.

Das ist es, was in Ägypten geschah, nur eben mit Moslembrüdern anstatt mit Scientology.

 

Es war unvermeidlich: wo die Bruderschaft als Kraft auftritt, wird es früher oder später eine Eskalation der Ereignisse geben.

Viele Analysten werfen den Demonstranten gegen die Bruderschaft, und die Mursis Inhaftierung begrüßt oder wenigstens toleriert haben, vor, an der Explosion der Gewalt in Ägypten mit Schuld zu tragen.

Im Umkehrschluss sagen sie damit: sie hätten sich schikanieren, unterwerfen und misshandeln lassen sollen, um die Brüder nicht zu provozieren.

Das kann es ja nun auch nicht sein.

Die Brüder leben von Gewalt. Sie hatten ihr Jahr friedlichen Übergang, sie haben den weitgehend friedlichen Sturz Mubaraks für sich zu nutzen gewusst.

Eröffnete der friedliche Sturz Mubaraks Wege eines friedlichen Neuanfangs, haben die Brüder diesen verbaut.

Sie traten nicht einfach ab, nachdem sie heruntergewirtschaftet hatten, und gaben dem Land eine zweite Chance.

Sie wussten, dass es nach einem Jahr ihrer Herrschaft kein Zurück an die Macht geben wird.

Sie wussten, was zu tun ist, um die für ihre Härte berühmte ägyptische Polizei herauszufordern, damit sie zuschlägt. Es war ihr einziger Weg, sich in Position zu halten, als Opfer können sie nun versuchen im bewaffneten Kampf weiter zu machen.

Das rechtfertigt nicht, dass diese Polizei reagiert wie erhofft, aber das Verheizen von „Märtyrern“ gehört zur Strategie der Bruderschaft. Diese Polizei schlägt nicht gegen Aufstädische, sie schlägt auf eine Gruppierung ein, die an der Macht war, diese missbraucht hatte und nun buchstäblich in die Wüste geschickt wurde.

Moslembrüder fackeln landesweit Kirchen ab. Und das hat jetzt mit: sich gegen Polizeiübergriffe wehren – was zu tun?

Ein Sky-News-Kameramann wurde von einem Scharfschützen getötet an einem Ort abseits des Geschehens. Das trägt die Handschrift der Bruderschaft. Der Spiegel interpretiert: es sei das Militär gewesen, weil dieser Kameramann über Polizeigewalt berichten wollte; eine blödsinnige Argumentation eingedenk dessen, dass derzeit mehrere tausend ausländische Journalisten in Ägypten unterwegs sind und davon berichten.

Der Krieg ist da in Ägypten. Aber es ist kein Krieg Unterdrücker gegen Unterdrückte, es ist ein Krieg zwischen verschiedenen Fraktionen der Machtelite, just, was Graham und Mac Cain wollten.

Sie hätten ihren Einfluss auf die Bruderschaft geltend machen können, um sie zu Kompromissen zu bewegen. Sie taten es nicht. Sie gossen Benzin ins Feuer.

Will jemand Partei ergreifen, dann soll er das für die tun, die ohnmächtig von dem Geschehen überrollt werden, die nie eine Stimme hatten, aber deren Leben von den kommenden Ereignissen zermalmt wird.

Positiv zu bemerken wäre: unser Sultan von Konstantinopel ist auch einer der Verlierer. Hatte er doch so darauf gehofft, das ägyptische Militär für sich über die Bruderschaft nutzen zu können. Natürlich schreit er jetzt mal wieder nach ausländischer Intervention. Ein wenig erinnert es ihn wohl auch noch daran, wie labil er selbst im Sattel sitzt.

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