In the Age of Fake

Die diesjährige UN-Generalversammlung ist nun über eine Woche her, und ich habe ziemlich lange gebraucht, um mir darüber klar zu werden, was das eigentlich war.

Europäische und amerikanische Offizielle wurden es nicht müde, von der "besonderen Bedeutung" der 69 Generalversammlung zu lamentieren.

In der Tat hat diese aber nur scheinbar stattgefunden!

Entgegen den Gepflogenheiten hatte der "mächtigste Mann der Welt", der Washingtoner Präsident, zu Beginn geredet, vor ihm nur Dilma Rousseff für Brasilien.

Obamas Rede war eine Kriegserklärung an die Welt.

Entsprechend war der Gipfel als öffentliches Ereignis, auf dem Staatschefs und Außenminister Friede auf Erden und Essen für alle hochleben lassen im eigentlichen Sinne nur noch simuliert worden.

Die Länderberichte wurden pflichtgemäß abgeliefert vor einem in der Regel leeren Plenarsaal, einige der Politiker ließen sich durch Sekretäre oder Stellvertreter, tja, eben stellvertreten.

Auch die Arbeitsgruppen, die sich high level nennen, bestanden aus Referenten, 2-3 Pflichtabgestellten und ein paar Journalisten.

Es bestand augenscheinlich kein Interesse, den Schein aufrechtzuerhalten, obzwar die Präsidenten, Premierminister  und Außenminister in New York weilten.

Meine Vermutung ist, da ohnehin jeder weiß, wer was sagt, man hinter den Kulissen sich bespricht, wenn schon einmal alle da sind.

Die europäisch-amerikanische Front baute sich unter der Führung Israels gegen den Rest der Welt auf.

Mehr war nicht.

Interessant ist dadurch eher das Umfeld des Gipfels.

In Deutschland startet eine Kampagne durch, die den Bürger überzeugen soll, die Bundeswehr sei nicht ausreichend gerüstet, Hubschrauber flögen nicht, etc., Transalls könnten nicht einmal ein paar Fallschirmspringer von A nach B bringen, Nachtigall ick hör dir trabsen, wir sollen einverstanden für höhere Rüstungsausgaben gemacht werden.

Poroschenko stellt seine polnisch-baltisch-ukrainische Truppe auf, die das Rumgelose im Donbass im Krieg gegen die dortige Bevölkerung beenden sollen wird.

Soweit alles erwartbare Routine.

Auffälligkeiten entstehen im Pressekrieg gegen die Länder, die offen Ungehorsam gezeigt hatten.

Gegen Dilma Rousseff haben unsere Propagandakrieger so gut sie konnten eine Unterstützungskampagne für die Frau Washingtons Marina Silva betrieben – und muss sich nun etwas verschämt aus der Affäre ziehen, mit einem "Oups, der Überraschungskandidat, Silva galt lange Zeit als…" nachdem die aus dem Rennen ist; überrascht war wohl hauptsächlich die Presse, dass die hauptsächlich in der Presse als Gefahr für Rousseff geltende Kandidatin weit abgeschlagen ist und die Propagandashow nicht verfing.

Fast spurlos an der Weltöffentlichkeit ging der Versuch vorüber, Christina Fernandez de Kirchner die Hölle heiß zu machen.

Unsere sämtlichen Medien haben sich auf einen Zwischenfall in Buenos Aires gestürzt, bzw. den Reuters-Video davon, dort würde nach dem höchst merkwürdigem Tod eines 13-jährigen der Volksaufstand losbrechen.

Eigentlich zeigt der Video nur, wie die lokale Gang vor einer Polizeistation randaliert, danach die Polizei kommt und den Schaden beseitigt.

http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article132641028/Gewalttaetige-Proteste-nach-Mord-an-13-Jaehrigem.html

Das ganze wirkt noch nicht einmal sehr aufgeregt, eher wie lateinamerikanische Routine. (Falls das Ganze nicht überhaupt nur eine Inszenierung ist, erst prügeln ein paar Jugendliche auf ein Polizeiauto ein, werfen auch mal nen Molli ohne besondere Begeisterung, dann kommen Bullen angeschlendert und spritzen mit nem Feuerlöscher rum, es sieht alles aus wie ein Filmstudenten-Musikvideo ohne Sound.)

Auffällig ist lediglich die Sprache der Berichterstattung, die den Übergriff einer lokalen Gang mit Molotow-Cocktails und Baseball-Schläger gegen ein Polizeifahrzeug und ein Gebäude zu berechtigtem Protest friedlicher Bürger gegen die mangelnde Sicherheitslage im Land stilisieren will:

BA 13jähriger

Nachdem die 15 bis 20 Jugendlichen, aus welchen die Gang besteht, sich abreagiert hatten, waren die "schweren Ausschreitungen" auch schon wieder Geschichte: das ist Lateinamerika, natürlich sind die Leute, die den Jungen kannten wütend, aber bei dem Gewaltlevel auf dem Kontinent ist so ein Vorfall nichts, womit die Bevölkerung agitiert werden kann.

Wie auch immer die Hergänge gewesen sind, zufällig nach Frau Fernandez de Kirchners Rede oder absichtlich, der bittere Beigeschmack von False Flag haftet an, sie ist nicht auszuschließen, der argentinische Frühling, ihre Mimosen-Revolution blieb jedoch aus.

Man ist dort eher wütend darüber, dass es rechtens sein soll, wenn ein New Yorker Gericht aufgrund eines Gesetzes, das die USA mit der Militärdiktatur ausgekuhhandelt hatten, zur Beschädigung der argentinischen Wirtschaft in Anwendung bringt, und obendrein die Frechheit hat, Argentinien der "Missachtung des Gerichtes" anzuklagen, da Frau Fernandez de Kirchners Regierung diesen Akt des Imperialismus nicht so ohne weiteres hinnimmt.

Der Hass auf die Arroganz der Yankees wiegt in diesem Land zu viel, um eine Farben- und Blümchen-Revolution so leicht aufziehen zu können.

Ebenfalls in das Umfeld der Generalversammlung stelle ich die Hergänge von Hongkong.

Nahezu jeder Sender und jede Zeitung gönnt einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin eine Exklusiv-Reise in die Metropole.

Die Berichtchen von vor Ort sollen den Anschein des gut informierten vermitteln, und da es gegen China geht, schließen sich auch manche linken und alternativen Medien an, es geht ja schließlich darum, die heilige Kuh "Freie Wahlen" gegen die böse Kommunistische Partei durchzusetzen…

Wenn es gegen China geht, dann sind sich Teile derjenigen, die sich permanent beschweren, dass ihnen die frei gewählte deutsche Regierung nicht passt mit dem National Endowment for Democracy (NED) des amerikanischen Außenministeriums einig einiger am einigsten!

Seit das UK die Kronkolonie räumen musste, wurde alle Hoffnung darauf gesetzt, den Angriff auf Peking von Hongkong aus starten zu können.

Das weiß Peking, und darum legt man dort Wert darauf, die Kandidaten, welche Hongkong's Gouverneure werden wollen, vorher genau durchzuchecken.

Der gesamte Studentenzirkus mit Regenschirm wirkt schon alleine darum grotesk, weil: "wir wollen einen Kandidaten unabhängig von Peking…" – aber wer soll das eigentlich sein?

Der 17-jährige Rotzlöffel Joshua Wong von der britischen Schule etwa, die als christliche getarnt ist?

Oder Chris Pattens ehemaliger Kuli Martin Lee, der für den Sturz de Kommunistischen Partei Propaganda macht und eine "Democratic Party" anführt?

Wie dem auch sei, mein Eindruck ist folgender: In Hongkong gibt es gefühlte Millionen von kleinen Lädchen, über die die Leute ihren Lebensunterhalt verdienen.

Die Studenten kommen alle aus der reichen Schicht, ansässig in den New Territories und ähnlichen Luxusbezirken.

Umbrella Revolution

Über Tage blockieren die Kinder aus wohlhabenden Häusern nun die Innenstadt, weil sie irgendjemanden frei wählen wollen, von dem sie noch gar nicht wissen, wer dafür überhaupt in Frage käme.

Ein Martin Lee, der als Kuli Chris Pattens gilt, hat gute Chancen in die Presse zu kommen, in das Office zu gelangen hat er allerdings gar keine.

Nun  ist es so, dass die Leute in den Lädchen pro Demotag kein Geld verdienen. Sie sind davon abhängig, dass ständig Lieferfahrzeuge vorfahren können, und die Kunden, die bei ihnen einkaufen würden, kommen auch nicht durch, kaufen also woanders.

Am Ende des Monats ist es aber trotzdem so, dass die Immobilienfirmen, welche die Lädchen vermieten, ihre Kohle sehen wollen, und da es um Geld geht, wird der Ladenbetreiber nicht damit argumentieren können "Sorry Landlord, leider kann ich nicht bezahlen, weil ich diesen Monat nichts verdient habe, da die Söhnchen und Töchterchen der Immobilienbesitzer die Innenstadt blockeiert haben und ich nix verdienen konnte!"

Und somit ist das gesamte Gerede von wegen "Peking schickt Schlägerbanden" Bullshit – das müssen die gar nicht, Chinesen sind bekannt für ihre Geduld, aber das Hongkonger Szenario ist so absurd, dass auch mal nem geduldigen Chinesen der Geduldsfaden reißt. Und wenn die Reisschale leer ist, wird man schon auch mal so nem Studentchen gegenüber unhöflich!

Und so kommen diese Gegendemonstranten zustande, die unsere Kämpfer für Demokratie und Freiheit dorthin vertreiben, wo sie hingehören, in den Hörsaal zurück, wo sie Seminare über freie Wahlen und Demokratie und Freiheit und Menschenrechte aller Art abhalten können, so viele sie Lust haben, und niemanden dabei behindern, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

BigBrotherCheng

 

Kurz und bündig: was von den Demokratiemachern des Westens als Demonstration der Macht gegen Brasilien, Argentinien und China geplant war um Obombas UN-Auftritt zu unterstreichen, gerann zur Tragikomödie! – immerhin ist ja doch Blut geflossen, wäre das nicht gewesen, hätten wir alle herzlich gelacht!

 

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