Pirinçci und ich

Ich erzähle ihnen eine Geschichte.

Ich habe sie noch nie erzählt, sie ist die Wahrheit, und ich bin bereit vor Gericht zu beschwören, dass sie wahr ist!

Vor wenigen Jahren begab ich mich als Fotografengeselle nach Berlin, um bei der sogenannten Innung der Fotografen die Meisterprüfung abzulegen.

Da gibt es dann so ne Vorbereitungskurse, ich komme noch darauf, was die wert sind.

Am ersten Tag saß die Klasse bei einer Einführung in den Kurs, da kam der Obermotz, Herrn Schumann Senior, herein und setzte sich.

Ich hatte den Mann bis dahin nur ein einziges mal gesehen, am Morgen, als er die Treppe hinauf ging, und "Guten Morgen" zu ihm gesagt, wie es sich gehört.

Der setzt sich also hin – und zeigt dann auf mich unter den Worten: "Mit dem habe ich politische Probleme!"

Er beschimpft mich als Anhänger Hitlers mit dem Hinweis, in München wären sie ja sowieso auf Hitler abgefahren, während die Berliner Hitler abgelehnt hatten.

Ich war zunächst völlig sprachlos und verwirrt!

Der Obermotz einer sogenannten Bildungseinrichtung der Handwerkskammer, mit dem ich mein ganzes Leben noch nichts zu tun hatte, den ich vorher nie gesehen hatte, beschimpft mich als NAZI!

Am Abend überlegte ich, wie ich damit umgehen solle, kam dann zu dem Schluss, es wäre nicht so schlimm, das ist Berlin, da kann es einem an jeder Straßenecke passieren, dass man von irgendeinem Junkie als NAZI beschimpft wird, wenn auch der Boss einer Einrichtung der Handwerkskammer etwas bessere Manieren haben sollte.

Heute würde ich sofort gehen und einen Rechtsanwalt beauftragen.

Damals war ich noch nicht so weit!

Ich dachte mir, lass es auf sich beruhen, man kennt sich nicht, wird sich aber wohl noch kennen lernen, schließlich dauert die Sache um die 3 Monate.

Das war ein schwerer Fehler!

Fortran war ich als NAZI gebranntmarkt.

Und wurde so von den anderen behandelt.

Wer als NAZI gebranntmarkt wird, ist in eine Defensive gedrängt, aus der er sich nicht mehr befreien kann.

Später wurde einiges nach und nach klar.

Die Focon, Innung der Fotografen, ist eigentlich keine echte Schule.

Es ist die Familie des Herrn Schumann plus etwas Anhang, die hier eine Masche durchziehen, die es ihnen ermöglicht, in einer teuren Villa zu leben, Mercedes Benz zu fahren und einigen Luxus mehr.

Die Bestimmungen der Handwerksordnung machen's möglich.

Ich hatte ein Bild mit einem Flacon von Christina Aguilera abgegeben nach spezifischen Gestaltungskriterien, die an der Schule unbekannt waren.

5 Tage später macht Schumann Söhnchen, sich als Dozent darstellend, Spross des Obermotzes, exakt das gleiche Bild mit einer Wodkaflasche und geht damit bei seinen Schülern hausieren.

Es war nicht eigentlich ein klassisches Plagiat, ich hatte diese Gestaltungsmittel nicht erfunden, sie selbst woanders gelernt und nur angewendet: aber was für ein armseliges Würstechen muss ein Mann sein, der sich als Dozent ausgibt, einen Schüler mobbt aber dessen Arbeiten imitiert?

Der Laden bekommt Geld von der EU.

Das Haus Schumann bekam damals Geld vom Verteidigungsministerium um Soldaten durch die Meisterprüfung zu mogeln.

Das gesamte Ding wurde den Bedürfnissen der Soldaten angepasst, Ansprüche, die ich gestellt hatte, wurden niedergebuttert.

Aber mein Geld für den Kurs haben sie natürlich genommen!

Bei der Prüfung wurde ich reingelegt.

Die Biologie kennt für solche Lebewesen ein Wort, das beginnt wie Parapsychologie, aber nach Para- anders weiter geht.

Ich habe dann abgebrochen.

Es gäbe mehr dazu zu sagen, aber das gehört nicht zum Thema. Vielleicht noch so viel: ich habe mittlerweile ganz mit dem Fotografenberuf gebrochen, das hier ist nicht die einzige Erfahrung, die mich zu der Erkenntnis gebracht hat, dass ich, will ich mich in dem Metier ökonomisch etablieren, zu einem Menschen mutieren müsste, der alles repräsentiert, was ich verachte.

 

Akif Pirinçci ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit.

Als Türke schreibt er deutsche Bücher. Joseph Conrad, der englisch schreibende Pole, kommt einem in den Sinn.

Akif Pirinçci ist kein Akademiker, kann aber vom Bücher-schreiben leben. "Ja darf der das denn überhaupt?" wütet es in manchem Akademiker. "Nur wir dürfen Bücher verkaufen!"

Akif Pirinçci hasst sichtlich und hörbar den Islam.

Als Mensch aus dem Kulturkreis ist er dem Islam entkommen und hat sich in Deutschland eine Karriere aufgebaut.

"Ja darf denn ein Mann aus dem islamischen Raum sich gegen den Islam wenden, der muss doch den Deutschen den Islam beibringen!" scheint die allgemeine Ideologie.

Schließlich hat es nach neudeutscher Lesart gar nichts mit dem Islam zu tun, wenn Sultan Erdogan das osmanische Reich wieder errichten will und überall, wo der Islam herrscht, die Hölle auf Erden im Namen Mohammeds losbricht.

So denken aber nur Leute, die entweder den Koran noch nicht gelesen haben oder funktionale Analphabeten sind, die ihn zwar gelesen haben, aber nicht verstanden haben was sie lesen.

Akif Pirinçci hat eine Verbalattacke über den Umstand abgelassen, dass er ein Mensch ist, der dem Islam entkommen ist und der nun befürchten muss, dass der Islam ihn dort, wo er nun lebt, einholt.

Er hat es den politisch Verantwortlichen gesagt.

Er sagte nicht, was die Presse verbreitet und die Politiker und Justizknechte, dass Flüchtlinge in KZs gehören, er sagte, umformuliert, die Politiker würden am liebsten diejenigen, die sich gegen den einwandernden Islam wehren, in KZs stecken.

Das ist eine Unterstellung, die heute durchaus berechtigt ist.

Aber sie bauen keine KZs mehr. Sie vernichten ökonomisch und diffamieren.

Ich kenne diese Haltung, die heute Mainstream ist, durchaus aus meinen Zeiten unter Linken.

Was damals die kranke Seite der linken Subkultur kennzeichnete ist heute Mainstream.

Ich sagte, ich schäme mich, Linker gewesen zu sein?

Seit Akif Pirinçci ob seiner Rede die Existenz vernichtet wird geht es weit darüber hinaus.

Ich fühle mich wie einer, der in der 20-ger Jahren bei der SA mitmarschiert ist, ein 150%iger, und der in den 30-ger Jahren erkennen musste: "Oh mein Gott, was hab ich getan?!"

Aber es war schon zu spät!

 

Appendix: das im Beitrag erwähnte Foto:

Flacon

 

 

Der Vollständigkeit halber das dazu gehörende Foto:

endgültiges Bild nass

 

 

 

 

 

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