Der sonntägliche Jahrmarkt zu Kiew

Also Leute, erst das Vergnügen und dann die Arbeit.

Wie der interessierte Beobachter bestimmt weiß, war ja auf dem Maidan heute eine dieser berühmten Vollversammlungen.

Da bin ich natürlich auch hingegangen.

Viele Bildchen, ich sag auch was dazu, danach muss ich aber doch noch unangenehme Themen anschneiden.

In der Presse werdet ihr wahrscheinlich gelesen haben: 70 000 demonstrieren gegen Janukowitsch…

Also ich glaub ja, es waren 70 Milliarden, inklusive aller ukrainischen Generationen bis zur finalen Sonneneruption…

Stellvertretend Screenshots, einmal Google News und dann SZ.

Auf den SZ-Artikel komme ich am Schluß zurück.

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Ich war fast den ganzen Nachmittag dort, und so im Laufe des Tages haben sich bestimmt ein paar tausend Leute blicken lassen.

Es war ein ständiges Kommen und Gehen.

Aber nicht zum Demonstrieren, sondern weil das ein Jahrmarkt ist, man kann dort einen Heidenspaß haben! Den ganzen Tag spielen Bands, und zwar nicht solche Luschen wie Ruslana, die eben mal für die Eurovision taugt, sondern richtig geile Mucke, gut gemischt, Rock, Hiphop, ukrainischer Folk, für jeden etwas. Dazwischen gibt es schon mal ne Politikerrede, so 5 Minuten oder so, aber die sind nur die Umbaupausenfüller.

Die Bilder sind wieder alle vom Handy.

Erst mal ein Panorama:

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(lausige Fotoqualität, ich glaub, ich such mir mal ein besseres Panorama-App)

Was ihr hier seht, ist wirklich das maximale, was so am Stück da war.

Noch ein paar Überblicksfotos:

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Man kann das natürlich so fotografieren, wie Reuters in der SZ, dass es nach viel und politisch aussieht. Flacher Winkel und in dem Moment, in dem irgend ein Schnulzenheini was rührseliges singt. Von oben sieht es so aus.

Jetzt ein wenig in ein paar Details gehend:

Ich sagte Jahrmarkt. Es gibt alles:

den Glühweinstand (gibt’s duzende):

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Souvenierstände:

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Das Karussell für unsere Kleinsten (mit Beatlesmusik):

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Es gibt sogar die: (die kennt ihr oder, die springen in ganz Europa in jeder Fußgängerzone rum)

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Alle, und auffälligerweise vor allem die Mädchen, lieben es, hier ihr Fotoalbum zu füllen:

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Ob Familie oder junges Pärchen, es garantiert einen schönen Sonntagsspaziergang:

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Und wenn da grade dieses NAZI-Banner ist, klar, die üblen Kerle sind auch da:

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Hier sogar einer von den CANVAS-Scheißkerlen (der mit dem blauen Pulli, und euch fällt sicher auch auf, dass der Lump die Fahne der syrischen „Rebellen“ vor seinem Zelt hat, das Nokia sponsert):

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Zu CANVAS gibt es noch folgendes zu sagen: ganz am Anfang, als das Ende November losgegangen ist, waren aus folgendem Grunde so viele Leute da:

Wochenende ist im Zentrum immer super was los in den Straßen, Schoppen bis spät in die Nacht hinein, Kino, Theater, Konzerte, Bars, Cafés, Clubs, alles ohne Ende, und auf einmal verbreitet sich die Nachricht: am Maidan ist tierisch was los, Haufenweise Polizei, Schlägereien usw., und da sind die Leute hingegangen um zu schauen, was los ist.

Wer hinter dieser Strategie steht braucht man nicht lang suchen.

So kamen die Bilder von diesen zig tausend Leuten zustande.

Und schoppen war heute auch wieder, das ist eigentlich die Shopping-Meile, wo die ihre Barrikaden gebaut haben:

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Und über Poroschenko mag man sagen können, was man will, die Kids lieben seine Läden:

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Nochmal der Überblick von dem wiedererrichteten Kreuz aus gesehen, das damals die superrevolutionären Sisters of Pussy Riot Femen abgesägt hatten. Mehr Menschen stehen vor der Bühne zu keiner Zeit des Tages  rum, und die Hälfte mindestens ist nur wegen der Musik da.

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Ja, es sind dann noch unterwegs: Straßenanimateure mit denen man sich fotografieren lassen könnte, oder gestylte Schönheiten, mit denen man sich fotografieren lassen kann etc. hab ich aber nicht, weil das jeweils hundert Griwna kostet. Alles, was mit Geld zu tun hat auf dem Maidan kostet hundert Griwna. (naja, der Glühwein nicht) Das ist, sozusagen, die Hundert-Griwna-Revolution.

Wenn ihr also so Bockmist lest, wie viele nicht wieder demonstrieren waren: es sind immer die gleichen 500 bis tausend Personen, und fast alle, welche sonntags dazu kommen, sind einfach nur Leute, die am Sonntag Nachmittag schauen, was in der Stadt los ist.

Jetzt zu den etwas ernsteren Angelegenheiten:

Bulatow. Der Mann ist einen Monat lang ohne irgendein Verkehrszeichen oder eine rote Ampel zu beachten mit Boxen auf das Dach geschnallt aus dem ultralaut Musik des Typs „Screw Driver“ schallte in der Stadt herumgefahren.

Dann hat die Verkehrspolizei ihm das Auto beschlagnahmt.

Man beachte: die haben den das einen Monat lang machen lassen. In München würde man ihm das Auto nach 10 Minuten weggenommen haben und wenn er es zurückbekommt und noch einmal so etwas macht verliert er den Führerschein für immer.

Danach wurde er ja angeblich entführt.

Was war weiß keiner, aber sein Netzprovider leakte, dass er in der Zeit, in der er „entführt“ war, insgesamt für 38$ von i-Tunes gedownloaded hat.

Dem Bulatow wurde es in Kiew nun zu heiß, da hat er sich in’s Baltikum abgesetzt.

Welche medizinische Versorgung sollte er dort schon bekommen können, die er hier nicht kriegt? Ich hab mir schon ein Krankenhaus angesehen. Absolut einwandfrei, besser als das Neuperlacher in München auf jeden Fall.

Der soll ein ziemlich armer Typ mit einem riesen Alkoholproblem sein. Es wird nicht ausgeschlossen, dass er sich selbst verstümmelt hat, weil er, nachdem sein Auto weg war, nichts mehr hatte, womit er Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte und an diese Aufmerksamkeit hatte er sich jetzt schon gewöhnt.

Und das führt uns zum nächsten Maidanik mit Alkoholproblem: Artem Kozlov.

Dass es ein Foto mit Klitschko von ihm gibt, heißt noch nichts. So gut wie von jedem Aktivisten gibt es ein Foto mit Klitschko, der ist auf dem Maidan der Pausenclown No.1, und da auch in der Ukraine alle ein Handy oder Smartphone haben lässt sich eben jeder mal mit dem Onkel aus Amerika ablichten.

Viel wichtiger ist ein ganz anderer Zusammenhang.

Ich weiß, damit tu ich jetzt vielleicht dem einen oder anderen Altlinken weh, das ist aber nicht meine Absicht.

Denkt einfach mal darüber nach.

Also: der Mann gab an, er wollte „gefangene Aktivisten“ freipressen.

Flugzeugentführung mit der Drohung, er würde es sprengen, Ziel Olympiade, Gefangene freipressen.

Klingelts?

München 72?

Mogadischu 77?

Die Fragen sind: wie kommt ein alkoholkranker Typ aus der Ukraine auf die Idee, eine solche Aktion durchzuführen?

Es ist nichts passiert, er hatte keinen Sprengstoff, und er war rotzzu.

Da schließt sich die Frage an: wer hatte denn von den Aktivitäten der 70ger- und 80ger-Jahre-Linken provitiert?

Die Linken Aktivisten, wie das heute so schön heißt, nicht, die sind entweder verschwunden oder haben abgekackt oder dümpeln perspektivlos herum.

Aber die GRÜNEN haben auf den Trümmern von deren Initiativen und Aktivitäten ihre Karriere aufgebaut, als auch eine Menge der NGOs.

Die GRÜNEN sind die engagierteste Partei der EU, bzw Berlins, wenn es um die Eroberung der Ukraine geht. Sie spielen sich als Sprecher des Maidan in Brüssel und im Bundestag und im Fernsehen auf.

Bei allem, was die im Verfassungsschutzbericht als „undogmatische Linke“ bezeichneten getan hatten, die GRÜNEN waren immer irgendwie mit dabei.

Es ist doch auffällig, dass es wieder so ein armes Würstchen ist, der die Aktion gemacht hatte, und keiner, von dem man ausgehen kann, dass er sie auch durchführen kann.

Der kommt von sich aus nicht auf die Idee, dem hat wer einen Floh ins Ohr gesetzt.

GRÜNE sind viel hier, die OhMarieLuise Beck legt ihre Schleimspuren, Harms hat an Sylvester auf dem Maidan gesprochen – das sind nur die Flagschiffe, an denen ein ganzer Tross hängt, und dieser Tross versucht Einfluss auszuüben und Verbindungen zu knüpfen.

Die GRÜNEN sind bestens mit den NGOs vernetzt.

USW.

Die TAZ bringt in die Diskussion: das ist ja irgendwie wie Autonome in Wackersdorf.

(ist es natürlich überhaupt nicht. Die Streetfighter hier sind NAZIS, die damaligen Autonomen waren Linke; die Politiker sind Putschisten, die Privatisierung und ein IWF-Regime durchsetzen wollen, der IWF galt in der Wackersdorfzeit vielen als der Hauptfeind; die Regierung, die gestürzt werden soll, ist eine linke, weil auch wenn man sagen mag, die Spitze der Partei der Regionen gehört zur Elite, die Basis sind Linke und Arbeiterschaft)

Es wird gezielt eine Konnotation geschaffen.

Und mit der Flugzeugentführung wird auch eine Konnotation geschaffen.

Schaut euch mal den CANVAS-Typen oben an. Das ist der mit dem blauen Euromaidan-Pulli und dem Bart. Wie sieht der denn aus, welchem Typus ähnelt er?

OK, so viel für heute. Ich hab noch was zum Thema Finanzmarkt und Oligarchen, das mach ich aber morgen.

Ich hab für heute genug und ihr wollt ja auch noch was anderes tun, als meine Elaborate lesen.

 

Appendix: doch noch was: ich hab gerade auf Euronews gehört, es sind Minusgrade in Kiew.

Die Bilder, die Euronews bringt sind von ich weiß nicht wann, aber nicht von heute.

Es war den ganzen Tag eine sehr angenehme Temperatur, und auch jetzt kann man noch rausgehen ohne zu frieren.

Mann Presse, noch nicht einmal das Wetter stimmt!

Und hier das Wetter in Kiew als Screenshot:

schön warm

 

 

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